Stadttheater Landsberg:

Ein »unmögliches Konzert«

Stenzel und Kivits auf dem Klavier
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Auf dem Klavier können Stenzel & Kivits nicht nur spielen - sondern auch reiten.
  • VonAndrea Schmelzle
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Landsberg – In der aktuellen Situation, geprägt von Corona, Unwettern und Hochwasser, auch mal abschalten, entspannen und vor allem lachen: So kündigte Theaterleiter Florian Werner seine heuer ersten internationalen Gäste an: das niederländische Musik-Comedy-Duo Stenzel & Kivits mit ihrem Programm „The Impossible Concert“. Für die rund 50 großzügig auf die Theaterplätze verteilten Besucher hat das für die nächsten eineinhalb Stunden bestens funktioniert.  

Zwei gediegene Herren in Frack und Fliege betreten die Bühne, auf der ein Piano steht. Fast wird der Eindruck vermittelt, es handele sich um einen klassischen Konzert-Abend. Wenn da nicht so ein paar Kleinigkeiten wären, die einen stutzen lassen. Etwa die zerzauste „Nicht-Frisur“ von Wilbert Kivits alias Herrn Kivits, mit der er tatsächlich stark an André Rieu erinnert („Mein Freund André und ich haben denselben Friseur“). Oder ein gewisser Schalk im Blick. Der verdichtet sich – nicht nur im Blick. Eine Schallplatte will einfach nicht in die Hülle, Herr Kivits kippt fast von seinem Klavierstuhl. Als sein Kompagnon, Tenor Stenzel (Tiny van den Eijnden), endlich in Kivits Piano-Begleitung mit dem Gesang („Di quelle pira“ aus „Der Troubadour“ von Verdi) beginnen darf, kann er erst dann keuchend mit seinem nicht enden wollenden Ton aufhören, als Kivits ihm das Notenbuch so auf den Kopf haut, dass es staubt. Doch das ist längst nicht alles. Anfängliche Verwirrungen oder Unstimmigkeiten verdichten sich in herrlich schrägen, komischen Höhepunkten: ein stürzendes Piano, ein tanzender Notenständer – oder aber ein eigentlich unmögliches Duett mit dem längst verstorbenen großen Caruso. Dafür bekommt schon mal die Mikro-Stange einen Anzug verpasst und ein Lautsprecher wird zum singenden Kopf.

Held des Abends (neben den Musikern natürlich): das Piano – das ziemlich viel aushalten muss. Es wird gekippt, geschoben, bestiegen, beritten, als Rutsche genutzt. Aus seinem „Bauch“ kommen Dinge zutage wie Kissen, Decke – oder sogar: ein „Baby“-Piano. Inklusive zweier Hocker in Miniaturformat.

Slapstick, Anarchie, skurrile Komik, absurde Einfälle und sportliche Einlagen, stets in Interaktion mit dem Publikum, bieten die zwei Herren da in rasendem Tempo. Kombiniert mit echtem Können und auf höchstem musikalischem Niveau. Mit zum Teil verfremdeten Werken von Beethoven (die „Fünfte“ wird zum Swing Jazz-Stück – „Sorry, Mr. Beethoven“), Mozart oder Schubert bis hin zu Bruce Springst­een und Johnny Cash als italienische Arien („Der Text kommt von google Translate“). Begleitet von hochkreativen Requisiten (Luftpumpe als Schwert) und nie gesehenen „Musikmaschinen“ (eine sich drehende Walze, versehen mit Pinsel, Schlägel und Bohrmaschine).

Seit 2000 paaren die ausgebildeten Musiker klassische Musik mit wahnwitzigem Humor. Und das mit Erfolg, was zahlreiche Preise und Auszeichnungen, mit denen sie überhäuft werden, beweisen. Sonntagabend hat es der Beifall bewiesen. Lachen tut eben einfach gut. Deswegen gab‘s auch gleich mehrere Zugaben.

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