Ein Kilometer Maschendraht

Ein Zaun im »Landsberger Wohnzimmer«

Villgradter Schlucht im Wildpark Landsberg
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Forstamtsleiter Michael Siller (links) und sein Kollege Ulrich Metzger (Mitte), Revierförster für den Lechpark Pössinger Au, am unteren Ende der Villgradter Schlucht im Wildpark. Hier sind die Steilhänge in Gefahr abzurutschen.
  • Susanne Greiner
    VonSusanne Greiner
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Landsberg – Ein Zaun muss her. Auch wenn er im ‚Wohnzimmer der Landsberger‘, dem Wildpark, stehen wird. Beim Waldbegang am Dienstag stellten Forstamstleiter Michael Siller und Revierförster Ulrich Metzger die Problematik am unteren Ende der Villgradter Schlucht vor: sterbende Eschen und drohender Hangabrutsch. Denn das Damwild rupft auch noch das letzte junge Bäumchen aus der Erde.

Nicht nur das Inselbad ist in Landsberg heilig. Auch der Wildpark wird von den Lechstädtern mit Argusaugen beobachtet. Das Städtische Forstamt ist sich dessen bewusst. Weshalb Siller und Metzger beim Waldbegang notwendige Zaunbaumaßnahmen im Wildpark vorstellten – und um eine breite Unterstützung des Stadtrates baten.

Wie der Hang am unteren Ende der Villgradter Schlucht aussehen könnte, wenn nichts getan wird, zeigten die beiden Förster an dem Hang, der entlang des Weges Richtung Teufelsküche angrenzt: kaum mehr Bäume, nur noch niedriger Krautbewuchs. Oder aber der Boden erodiert, wie es am besonders steilen Hang am Ende der Villgradter Schlucht (siehe Foto) bereits geschieht. Das liege an den Eschen, die zum Großteil krank seien und absterben, sagte Siller. Viele müssten entnommen werden, da die Wurzeln befallen sind – und somit die Gefahr drohe, dass die Bäume umstürzen.

Bei allen Bäumen mit Baustellenband handelt es sich um Eschen - die fast alle krank sind und entfernt werden müssen.

Dass sich auf dem Gelände zudem auch keine jungen Bäume aussähen, liege hingegen am Damwild: Auf den rund 50 Hektar im Wildpark seien circa 40 bis 60 Tiere, berichtete Revierförster Metzger. Und die hätten im Winter alles kahlgefressen. Man füttere zwar reichlich zu, „aber die jungen Knospen schmecken eben einfach besser“. Dieser Kahlfraß wirke sich ganz besonders auf die Hänge aus, die teilweise bis zu 50 Prozent Steigung haben.

Um zu verhindern, dass auch andere Steilhänge baumlos würden, müsse jetzt gehandelt werden. Allerdings seien die Voraussetzungen im Wildpark nicht leicht. Einerseits ist es FFH-Gebiet, betonte Metzger. Andererseits seien viele Bereiche für die Forstarbeit mit einem Pkw nur schwer zugänglich.

Drei Varianten

Um an den Hängen Jungholz anzupflanzen, seien drei Varianten möglich, sagte Siller. Bei allen müssten Eschen entnommen werden. Um diesen notwendigen Baumschlag Besuchern verständlich zu machen, wolle das Forstamt Infotafeln anbringen. Bei zwei der drei Varianten spielt ein Zaun eine Rolle, die dritte arbeitet mit Schutzhüllen für jeden einzelnen Sprössling. Bei dieser müssten die Schutzhüllen allerdings recht hoch sein, so Siller – damit das Damwild nicht mehr drankommt. Die Hüllen seien zudem aus Plastik, alle drei Meter werde dann so ein Plastikrohr stehen. Die Maßnahme sei zudem die teuerste: insgesamt rechnet Siller mit rund 120.000 Euro.

Die zwei Varianten, die einen Zaun einplanen, kommen jeweils nur auf 20.000 Euro. Sie unterscheiden sich dadurch, ob das sieben Hektar große Gebiet auf einmal per Zaun vor dem Wildverbiss geschützt wird, oder ob die Bereiche nacheinander bepflanzt und entsprechend eingezäunt werden. Beides Mal sei die Entnahme der Eschen „massiv“, so Siller: Da die Zäune zehn bis 15 Jahre stehenbleiben, müssten die Fäll­arbeiten innerhalb der Zäune auch für diese Zeitspanne vorher erledigt werden. In beiden Fällen erhalte man ohne Zutun „eine bunte Mischung an Bäumen“, betonte Metzger. Der Zuweg über die Villgradter Schlucht bleibe natürlich bestehen. Hier müsse ein Weiderost, also ein am Boden vergitterter Zugang gebaut werden.

Zaunbau in Raten

Bei der ersten Variante würde in dem insgesamt sieben Hektar großen Gebiet zuerst das Gelände vom Eselsteig bis zur Schlucht eingezäunt, erklärte Metzger. Zwei, drei Jahre später baue man dann den zweiten Zaun. Das bedeute aber, dass ein Zaun den steilen, schon stark erodierten Hang (siehe Foto) aufwärts gebaut werden müsse – kein Zuckerschlecken, ist sich der Revierförster sicher. Positiv hierbei sei, dass das Gebiet für das Damwild nicht so massiv auf einmal eingeschränkt werde.

Bei der zweiten Variante, in der der Zaun vom Eselsteig bis zum Ausgang Richtung Teufelsküche auf einmal gebaut wird, verliere das Damwild auf einmal rund fünf Hektar seines Gebietes, sagt Siller: die sieben Hektar, die eingezäunt werden müssen, allerdings abzüglich zweier Hektar, die man an anderer Stelle öffnen könne. „Das wären also rund sechs Prozent weniger Platz“. Das bedeute aber nicht, dass dementsprechend auch das Damwild reduziert werde: „Nur wenn wir sehen, dass der Lebensraum nicht ausreicht, würden wir das machen“, betont der Forst­amtsleiter. Zudem müsse bei dieser Variante der Zaun nicht am Hang gebaut werden; er würde auf einen Kilometer Länge entlang des Weges verlaufen. „Das freut den Besucher natürlich nicht“, ist sich Siller im Klaren. Aber die Schutzzäune würden wie die bereits bestehenden mit Metallpfosten und Maschendraht errichtet (siehe kleines Foto) – immerhin weniger sichtbar als massive Holzzäune.

Kaum sichtbar ist der bereits bestehende Schutzzaun am Eingang des Wildparks vom Klösterl her.

Bei der Aufforstung werde man den Aspekt Erholung in den Vordergrund stellen, sagt Siller. „Wir werden auch für Wintergrün sorgen“, also auch Nadelbäume wie Eibe, Tanne oder Douglasie setzen. Zudem soll neben der aktuellen Sanierung des Wasserspielplatzes demnächst das Kneipp-Becken, insbesondere das Fundament der Brücke neben dem Becken, saniert werden.

„Die Zeit drängt“, mahnt Revierförster Metzger. Für eine zügigen Umsetzung benötige man eine breite Zustimmung innerhalb des Stadtrates – die die anwesenden Stadträte für die zweite Variante mit einem einmaligen Zaunbau vorerst ohne Widerspruch signalisierten.

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