Narrenmagnet Partyzelt

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Die Stimmung in den Zelten war heiter bis prächtig und wurde lediglich durch vereinzelte Zwischenfälle getrübt.

Landsberg – Waitzinger Wiese oder Bosse-Wiese? Faschingspalast oder Palast-Zelt? Sämtliche Landsberger Faschingszelt-Fans hatten heuer erstmals die Qual der Wahl. Aber schon in den beiden Zelt-Namen klingt durch: Was Programm und Stimmung betrifft, dürften sich die beiden Locations nicht viel genommen haben. Für alle Faschingsmuffel, Open-Air-Narren und Zeltmeidende hat der KREISBOTE das Treiben in einem der Paläste eingefangen.

Noch vor dem Partybeginn im Zelt wird klar, dass am Lumpigen wenige Dinge laufen wie an anderen Tagen. Unzählige Narren strömen aus allen Richtungen zum Zelt, vor dem Eingang hat sich bereits eine riesige Menschentraube gebildet, die zum Feiern in den Startlöchern steht. Auf der viel befahrenen Straße vor dem Eingang bereitet sich ein etwa 20-Jähriger ganz speziell auf sein Gastspiel im Zelt vor: Vor den Augen einiger kichernder, junger Damen macht er Liegestütze – mitten auf der Straße. Hinter ihm rollt ein weißer Audi an, darin ein wütend gestikulierender älterer Mann, der der sportlichen Einlage des 20-Jährigen nichts abgewinnen kann. Schließlich drückt er auf die Hupe, die beiden weiteren Fahrzeuge, die hinter dem Audi mittlerweile einen kleinen Stau bilden, machen ebenfalls per Hupe ihrem Ärger Luft.

Trotz des großen Andrangs dauert der Weg ins Zelt keine zwei Minuten: Kurz dem ersten Sicherheitsmann den Ausweis unter die Nase gehalten, tastet ein weiterer das Kostüm von oben bis unten sorgfältig ab: „Haben Sie Alkohol dabei?“ Fündig wird er nicht, trotzdem ist die Kontrolle Routine und auch notwendig, wie die Erfahrung zeige: „Sehr viele versuchen, Getränke mit rein zu schmuggeln, in Handtaschen oder den Verkleidungen“, erklärt der Security seine präzise Überprüfung.

"Hilfe, wo seid ihr alle?"

Im Zelt scheint alles seinen gewohnten Gang zu nehmen: Obwohl es erst etwa 17.30 Uhr ist, wirken die Allermeisten bereits ziemlich angeheitert. Die ersten packen schon ihre Siebensachen und machen sich zur nächsten Station auf, besonders der Sommerkeller und das Mirrors scheinen beliebte Anschlussziele zu sein. Wer seine Freunde mitnehmen möchte, steht jedoch vor der größten Herausforderung, die von der Location ausgeht. Derart viele Leute sind im Zelt, sodass die Suche nach den Liebsten viel Zeit beanspruchen kann – zum Teil eine ganze Stunde. Eine Kurznachricht mit dem Smartphone abzusetzen, schafft nur selten Abhilfe: Das Netz ist so überlastet, dass Whatsappnachrichten oder SMS vorerst im Postausgang verharren und ihr Ziel somit verfehlen.

Obwohl viele Narren weiterziehen, wird der Palast nicht leerer: Es herrscht ein reges Kommen und Gehen, sodass die Tanzfläche weiterhin brechend voll ist. 90er von den Backstreet Boys werden gleichermaßen mitgebrüllt wie der aktuelle Schlager „Hulapalu“ oder der augenscheinliche Faschingshit 2017: „Johnny Däpp“ von Lorenz Büffel, schon Stunden zuvor beim Faschingsumzug Dauerbrenner auf zahlreichen Wagen.

Der Alkohol fließt in Strömen, die Schlangen an der Bar gestalten sich unübersichtlich und lang. Das Personal hinter der Theke kann einem fast leidtun: Sämtliche Barkeeper laufen sich die Hacken ab, können den nicht endenden Durst der Menge aber kaum bändigen. Ist wieder jemand mit einem Bier versorgt, folgt gleich der nächste. Und wer seinen Pegel eigentlich schon überschritten hat, stellt die Nerven des Barpersonals auf eine harte Probe: „Eeey, ws auert‘n disso lang“, lallt ein etwa 25-Jähriger die junge Dame lautstark an, die einem anderen Gast gerade acht Schnäpse über den Tresen schiebt. Dabei ist der Pöbler gerade erst zur Bar marschiert, andere warten bereits wesentlich länger – und wedeln zum Teil mit ihrem Geldschein vor der Nase der Barfrau herum, um so möglicherweise schneller an neue Getränke zu kommen. Geduldige sind aber ebenfalls unter den Wartenden: In der Regel diejenigen, die ihren Alkoholkonsum noch unter Kontrolle haben.

Keilereien im Rahmen

Wo Betrunkene aufeinandertreffen, kommt es oftmals auch zu Handgreiflichkeiten – so auch im Zelt, wo die Rangeleien an diesem Abend jedoch vermeintlich zu den harmloseren zählen. Gegen 21 Uhr: Eine Faschings-Kuh, rein optisch Teil der Jüngsten im Zelt, bahnt sich mit seinem vollen Becher den Weg durch die Menge. Ein anderer, ebenfalls etwa 16, kommt ihm in die Quere und verschüttet etwas von seinem Mischgetränk. Daraufhin fackelt die Kuh mit ihrem nur noch halbvollen Plastikbecher nicht lange, packt ihr Gegenüber am Kragen und schubst es anschließend einen Meter weg. Umfallen kann der betrunkene Tollpatsch nicht, zu viele Tanzende stehen in der näheren Umgebung. Diese greifen unmittelbar in die Szene ein und stellen sich zwischen die Streithähne. Um Runde 2 einzuläuten, hätte aufgrund der Alkoholisierung beiden wohl ohnehin die nötige Koordination gefehlt.

Trotz der wenigen Pöbler, der langen Barschlangen und der langwierigen Personensuchen bleibt das Fazit vorrangig positiv: Die Zeltveranstalter haben sich mächtig ins Zeug gelegt, die meisten Narren sich gut amüsiert. Um 22 Uhr, für viele unerwartet früh, kündigt der DJ das Ende der Veranstaltung an. Somit müssen sich auch die letzten Gäste Gedanken zur Anschlussparty machen oder den Heimweg antreten.

Marco Tobisch

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