"Eine bessere CO2-Bilanz gibt es nicht!"

Keine Scheune, sondern das Wohnzimmer des Strohhauses im Epfacher Baugebiet „Eichat“, das für Bauleiter Ulrich Schmidt nichts Außergewöhnliches ist. Foto: Schmid

Dass im Neubaugebiet „Eichat“ immer wieder neue Baumaterialien angeliefert werden, ist an sich nichts Ungewöhnliches – jedenfalls nicht, solange es dabei nicht um eine riesige Ladung Strohballen handelt. Letztere türmten sich jüngst auf dem Grundstück von Lucia Lehner, die sich damit gerade ein Strohhaus baut. Viele, die gerade zufällig vorbei kamen oder auch von irgend jemanden davon gehört hatten, blieben neugierig stehen und sahen zu, wie ein Kran Ballen um Ballen in die Höhe hievte. Die einzelnen Strohquader wurden dann aufeinander in das Holzständerwerk gesetzt, um die vier Außenwände auszuformen – ein Bild, das man nicht alle Tage zu sehen bekommt.

„Wir haben hier gleich eine größere Völkerwanderung ausgelöst“, lachte die Bauherrin, die bereitwillig jeden Schaulustigen herein bat, der das halbfertige Haus auch mal von innen bestaunen und ganz von der Nähe die Wände aus Stroh begutachten wollte. „Es ist einfach, regional, es werden natürliche Baustoffe verwendet und alles ist recyclebar“, erklärt Bauleiter Ulrich Schmidt, der eine Zimmerei bei Pforzheim führt. Regional deshalb, weil das Stroh von Landwirten aus der Umgebung komme und diese dadurch gefördert würden. Damit die Ballen für den Hausbau geeignet sind, müssen sie allerdings im Vorfeld stark verdichtet werden. Die Bewohner eines Strohhauses würden von einem sehr gesunden Wohnklima profitieren, nennt Schmidt weitere Vorteile. Formaldehyd und Brandhemmer würden beim Bau nicht verwendet, sondern ausschließlich natürliche Materialien. Auf die Strohballen-Wände kommt zuletzt noch ein Lehmputz, damit liege das Epfacher Strohhaus sogar in der höchsten Feuerwider­standsklasse F90. Bis zu 90 Zentimeter Die natürlichen Rohstoffe waren für Lucia Lehner ein guter Grund, unbedingt ein Strohhaus zu bauen – neben den guten Dämmeigenschaften. Dass sie in Zukunft nur noch relativ wenig heizen muss, findet sie sehr praktisch. Zwar isolieren andere Materialien, etwa Mineralwolle, als solche besser, doch mit dem Stroh erreiche man durch Wandstärken zwischen 45 und 90 Zentimetern letztlich eine bessere Dämmung. Wie Lehner auf die Idee kam, sich ein Haus aus Stroh zu errichten? Die Denklingerin war erfolglos auf Wohnungssuche, als ihr eine Bekannte bei ihren Permakultur-Freunden plötzlich vorschlug: „Dann bau dir doch einfach ein Strohhaus!“ Eine Schwester der Bekannten lebt in Australien, wo, so Lucia Lehner, „ständig solche Häuser gebaut werden.“ Die Idee ließ die angehende Bauherrin jedenfalls nicht mehr los, und so erkundigte sie sich im Internet und bei diversen Firmen, die solche Häuser anbieten. „Dann habe ich es einfach probiert – denn mir kommt das eben genial vor“, schwärmt die 50-Jährige. Dabei ist diese Bauart nichts Neues: „Solche Häuser werden schon seit 100 Jahren gebaut“, erklärt Schmidt. Während der Ölkrise seien Strohhäuser dann von den Amerikanern wieder entdeckt worden. Auch in Sachen Umweltschutz sei das mit Stroh gedämmte Haus vorbildlich: „Es gibt kein Haus mit einer besseren CO2-Bilanz“, sagt der Bauleiter. Da die Menschen immer mehr auf Bio und eine gesunde Lebensweise achten würden, könnte sich Schmidt gut vorstellen, dass sich Strohhäuser wohl in Zukunft immer mehr durchsetzen könnten. Sache des Bauherren Im Landkreis Landsberg bisher noch kein solcher Trend erkennbar. In der Vergangenheit sei es ganz vereinzelt immer wieder mal vorgekommen, dass bei Häusern Stroh zur Dämmung verwendet worden sei, erklärt Wolfgang Müller, Pressesprecher des Landratsamtes. Von Trend könne man jedenfalls nicht sprechen. Ab und zu seien auch Bauanträge mit der Verwendung von Schafwolle als Dämmmaterial eingegangen. Die Baugenehmigung betreffend, so spiele die Art der Dämmung spielt nur eine untergeordnete Rolle – „das ist Sache des Bauherren“. Schwieriger werde es allerdings bei einem reinen Strohdach – hier könnte man unter Umständen in Konflikt mit dem geltenden Bebauungsplan kommen. Allgemein sei eine Strohhaus aber sicherlich eine ökologische Sache und auch zukunftsfähig, meinte Müller. Von den Strohballen in dem Epfacher Haus wird nach der Fertigstellung nichts mehr zu sehen sein – fast nichts: Lucia Lehner hat nämlich beschlossen, zumindestens einen kleinen Teil der Wand nur mit Glas abzudichten – sowohl außen als auch innen. Damit bleibt das Strohhaus auch weiterhin noch eine kleine Attraktion im „Eichat“.

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