Eine Brücke, drei Fragen

Die geplante Holzbrücke über den Lech führt vom Mutterturm zum Inselbad. Animation: Stadt LL

Am Sonntag haben die Bürger mal wieder das Sagen: Es wird abgestimmt, ob zwischen Mutterturm und Inselbad eine Holzbrücke über den Lech gebaut werden soll. Drei Fragen wollen beantwortet werden – allerdings muss man sie schon genau lesen.

Insgesamt 21076 wahlberechtigte Bürger dürfen am Sonntag zwischen 8 und 18 Uhr ihre Stimmen abgeben. Die Fragen jedoch sollte man sich genau durchlesen. Denn schon im Voraus sorgten sie für Verwirrung. Die erste davon ist ein Bürgerbegehren und lautet: „Sind Sie dafür, dass eine etwa 3,5 Meter breite Rad- und Fußgängerbrücke mit asphaltiertem Fahrbahnbelag zwischen Liegewiese Inselbad und Mutterturm (Rückseite Brautzimmer) nicht gebaut wird“? Bei der zweiten Frage handelt es sich um ein Ratsbegehren und ist etwas durchsichtiger gestaltet: „Sind Sie für die geplante Holzbrücke am Mutterturm, damit für Radfahrer und Fußgänger eine sichere und barrierefreie Verbindung direkt in die Innenstadt geschaffen wird“? Wenn allerdings beide Fragen mehrheitlich positiv beantwortet werden, dann gilt das Votum der Stichfrage: „Werden beide Bürgerentscheide jeweils mehrheitlich mit „Ja“ beantwortet: Welche Entscheidung soll dann gelten? Rad- und Fußgängerbrücke Ja/Nein“. Für jeden der beiden Bürgerentscheide und für die Stichfrage hat eine wahlberechtigte Person jeweils eine Stimme. Das Quorum für die Gültigkeit des Entscheids sind 20 Prozent, dazu müssten mindestens 4215 Personen abstimmen. Abstimmen kann nur, wer am Sonntag Personalausweis oder Reisepass sowie den Abstimmungsschein mitbringt, der vor einigen Wochen an alle Wahlberechtigten versandt wurde. Nach der Abstimmung am Sonntag soll es ab etwa 19 Uhr auf www.landsberg.de einen Online-Ergebnisdienst geben. Das i-Tüpfelchen Von CHRISTOPH KRUSE Landsberg – In einem gemeinsamen Pressegespräch haben die Fraktionschefs des Stadtrates (außer UBV) noch einmal die Werbetrommel für den geplanten Lechsteg gerührt. Wie aus einem Munde stellte man dabei die Vorteile heraus, die man sich von der Brücke verspricht. Einhellige Linie kurz vor der Abstimmung: Es werde für Fußgänger und vor allem Radfahrer eine wichtige Anbindung an die Innenstadt geschaffen. Der lange diskutierte Hauptnutzen als Schulweg für die Kinder und Jugendlichen zum Bahnhof ist dagegen aus der Argumentation fast komplett verschwunden. „Das war ja nie nur als eine Brücke für die Kinder geplant“, sagt Dieter Völkel (SPD). „Vor allem ist das eine wichtige Verbindung von den Oberen Wiesen und dem Katharinenanger. Allerdings muss man für die Radfahrer noch viel mehr tun.“ Ins gleiche Horn stieß Helmut Weber (CSU). „Ich bin alles extra nochmal mit dem Rad abgefahren, man kommt bis ins Baugebiet West III, ohne im fließenden Verkehr fahren zu müssen. Wenn das gut angenommen wird, ist das ausbaufähig. Vor allem ist es wichtig, dass wir uns jetzt nicht durch irgendwelche Entscheidungen die Zukunftsvisionen nehmen lassen.“ Die Schüler? „Die sind höchstens das i-Tüpfelchen auf dieser Brücke.“ Die Stärkung des Radverkehrs gefiel auch Dr. Andreas Hartmann (Grüne), Axel Flörke (Landsberger Mitte) und Wolfgang Buttner (ÖDP). „Der bisherige Lechsteg ist für Fahrräder und Kinderwägen nicht ge­- eignet“, betonte Flörke, Buttner findet vor allem im Winter den Radweg auf der Karolinenbrücke „lebensgefährlich“. Flörke weist außerdem daraufhin, dass „schon unter UBV-Oberbürgermeister Rößle eine Brücke an dieser Stelle geplant war; ich sehe das jetzt als Fortführung. Und wir haben einen Busbahnhof für viel Geld gebaut, der muss jetzt auch genutzt werden.“ Wunsch der Bürger Während alle Fraktionen die strategische Bedeutung der Brücke für die künftige Stadtentwicklung betonten, ging nur Hartmann auf Kritikpunkte ein, die die Bürgerinitiative und die UBV ins Feld führen. „Man muss selbstkritisch sagen: Wir haben den Fehler gemacht und die Anbindungen nicht definiert. Das war der Aufhänger für den Widerstand, die ganzen folgenden Phantasien hätten wir uns ersparen können.“ Dass die Brücke von den Landsbergern gewollt ist, bezweifelt er aber nicht. „Der Wettbewerb war breit aufgestellt, das Ergebnis entspricht dem Wunsch der Bürger.“ Dementsprechend ist sich auch Helmut Weber (CSU) sicher, dass die Brücke nach dem Entscheid gebaut werden kann. „Was haben die Leute über den Peter-Dörfler-Weg geschimpft und heute ist er ständig überfüllt. Die Brücke wird eine tolle Erweiterung des innenstädtischen Lebens mit einem idealen Blick auf das Lechwehr.“ Ihm schwebt schon eine Weiterführung verbesserter Wege durch den Englischen Garten und eine Brücke von dort zum Lechpark Pössinger Au vor. Die wurde zwar zuletzt mit deutlicher Mehrheit im Bürgerentscheid abgelehnt, „aber in zehn Jahren sieht die Welt da schon wieder ganz anders aus.“ Einfach überflüssig Von CHRISTOPH KRUSE, Landsberg – In den letzten Tagen vor dem Bürgerentscheid bemüht sich die UBV, nochmals jedes einzelne Argument der Stadtratsmehrheit zu widerlegen. Landsbergs Bürger scheinen der Diskussion müde zu sein: Zur jüngsten Infoveranstaltung im Opatija-Grill fand sich nur noch ein (1) Zuhörer ein. Mangelnde Unterstützung fürs Bürgerbegehren will UBV-Vorsitzender Wolfgang Neumeier daraus nicht ableiten. „Wir haben wahrscheinlich einfach zu viele Veranstaltungen auf die Beine gestellt.“ Neben Bekanntem hatte er auch einige neue Details im Gepäck, darunter einen Rundgang mit dem früheren Landeskonservator Hans-Wolfram Lübbeke. Der hat mehrere Werke über Herkomer und den Mutterturm verfasst und ist von den Plänen wohl wenig begeistert. „Angesichts der Pflöcke, die den künftigen Weg markieren, fragte er sich, ob sich die Stadt der Einmaligkeit der Anlage und der Tragweite des Brücken­baus wirklich bewusst ist“, berichtet Neumeier. Auch eine „künstliche Belebung“ des Parks durch Passanten und ein Café sei laut dem Experten „sicher nicht im Sinne des Erbauers“. Während die Stadtratsmehrheit den Gegnern vorwirft, mit „haltlosen Gerüchten“ zu arbeiten, ist in den Augen der UBV die Glaubwürdigkeit der Befürworter verloren gegangen. „Mehrfach wurde offen von einem Weg gesprochen, der die Brücke mit dem Flößerplatz verbinden soll“, so Neumeier angesichts entsprechender Presseberichte. „Später heißt es, das wären Hirngespinste von uns. Wer will hier eigentlich wen auf die Rolle schieben?“ Große Bedenken hat man auch wegen der technischen Ausführung. „Viele Landsberger glauben noch, dieses Bauwerk, das auf beiden Seiten im Nichts endet, solle so eben ausgeführt werden wie der Lechsteg. Dabei wird es in der Mitte vier Meter über der Liegewiese sein.“ UBV-Stadtrat Christoph ärgert noch etwas anderes: „Man wirbt mit einer barrierefreien Verbindung. Die Brücke ist das mit sechs Prozent Gefälle gerade noch. Aber schon die Rampe am Landratsamt nicht mehr. Damit ist das für jeden Schüler mit Handicap gar nicht benutzbar.“ Auf Verärgerung ist die Äußerung von Axel Flörke (Landsberger Mitte) gestoßen, die Brücke sei so schon zu Zeiten von Ex-OB Franz-Xaver Rößle geplant gewesen. Neumeier: „Das ist unwahr. Nachdem Flörke damals Planungsreferent war, kann das nicht einmal Unwissenheit sein. Die Brücke sollte viel weiter nördlich verlaufen.“ Rößle bestätigt, dass „schon 1996 über einen Steg gesprochen wurde, aber die Anbindungen waren anders.“ Die aktuelle Diskussion will er nicht bewerten, das „wäre als Ex-OB schlechter Stil.“ Aber: Der aktuelle Flächennutzungsplan hänge in der Verwaltung aus, „da kann sich jeder selbst ein Urteil bilden, ob das das Gleiche ist.“ Für die UBV steht das fest. „Diese Brücke ist für Zwei-Richtungs-Radverkehr zu schmal, überflüssig und städtebaulich falsch. Man hat den Eindruck, dass wie beim Hauptplatzumbau alles mögliche versprochen wird, nur damit man eine Mehrheit bekommt. Ich bin mir sicher, dass die Landsberger das nicht wollen“, sagt Neumeier.

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