Auf dem Bundeswehr-Fliegerhorst Landsberg

Belastetes Löschwasser in den Schacht gekippt

Fliegerhorst Landsberg
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Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben BImA stellte die Ergebnisse des Detailgutachtens für den Fliegerhorst Landsberg bei Penzing vor. Wann eine Konversion des Geländes möglich sein könnte, steht weiterhin in den Sternen.
  • Susanne Greiner
    VonSusanne Greiner
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Penzing – Bahnbrechend neue Erkenntnisse in Bezug auf die Schadstoffbelastung des Fliegerhorstes Landsberg hat es nicht gegeben. Mit der Vorstellung des Detail-Gutachtens, zu der die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, kurz BImA, letzte Woche geladen hatte, wurde aber eines deutlich: Bis die BImA das Gelände für mögliche Ansiedlungen von Industrie und Gewerbe verkauft, wird noch viel Wasser den Lech herabfließen. 

„Es wird dauern“, sagte der Referent Regionale Fachplanung Altlasten und Kampfmittel der BImA Stephan Clemens. Eine konkretere Zeitangabe für den Abschluss der notwendigen Sanierungsmaßnahmen auf dem 270 Hektar großen Fliegerhorst-­Gelände wollte er nicht nennen. Voraussichtlich werde die BImA die am stärksten belastete Fläche um das Feuerlöschbecken nicht verkaufen. Allerdings sei es eventuell möglich, andere Teilflächen des Geländes früher zu veräußern. Bis alle Böden wieder sauber seien, würden zwar mindestens zehn Jahre vergehen, schätzten die Gutachter. Ob vorher eine Bebauung und damit eine Versiegelung des Bodens möglich ist, wurde nicht angesprochen. Haftungsfragen wegen möglicher Altlasten könnten aber in den einzelnen Verträgen geklärt werden, so Clemens. Die BImA könne sich vorstellen, auch nach dem Verkauf bezüglich der Altlasten in der Haftung zu bleiben.

Dem Vorwurf, dass alles zu langsam ginge, entgegnete Clemens mit dem Argument, dass exakte Voruntersuchungen notwendig seien, um die Maßnahmen passgenau und sicher planen und ausführen zu können. Hätte man beispielsweise die historische Untersuchung nur unzu­reichend durchgeführt, seien Erklärungen für manche Befunde gar nicht möglich gewesen. Zudem müsse man sicherstellen, dass die Sanierung dort starte, wo der Bedarf am dringendsten sei – weshalb alle Befunde erst genau eingegrenzt werden müssten.

Die Ergebnisse

Die ersten PFC-Nachweise wurden 2012 gefunden. Bis 2017 hatte das Landesamt für Umwelt (LfU) das Gelände untersucht, danach die BImA übernommen. Das Detailgutachten startete 2018, da an der nördlichen Grundstücksgrenze und an einer Kiesgrube belastetes Grundwasser auftrat, das mit den bisherigen Ergebnissen nicht erklärbar war. Eventuelle weitere Kontaminationsflächen sollten identifiziert und deren Ausdehnung in Breite und Tiefe eingegrenzt werden.

Insgesamt wurden im Detailgutachten 47 Verdachtsflächen geprüft. Bodenproben mittels Rammkernsondierungen oder Baggerschürfungen wurden von 30 Zentimeter bis zu einer Tiefe von 13,5 Metern in regelmäßigen Tiefenabständen (ein Meter) genommen. Wasserproben wurden direkt an der Oberfläche (zum Beispiel in der Kiesgrube) bis zu einer Tiefe von 22 Metern genommen.

33 der Verdachtsflächen waren unbelastet, fünf stellen laut Stephan Huxol vom Gutachter-­Büro GIBS „keine unmittelbare Gefahr“ dar. Dazu kommen die zwei bereits bekannten, stark belasteten Flächen – die Feuerwache und das Feuerlöschbecken. Drei Fundorte liegen im Norden außerhalb des Geländes. Und bei vier Fundorten wurden Belastungen festgestellt, es seien aber weitere Untersuchungen notwendig.

Unterhalb der Feuerwache habe man Belastungen bis zu einer Tiefe von sieben Meter gemessen, berichtet Huxol. Weitere Bereiche um die Feuerwache herum würden noch untersucht. Das Feuerlöschbecken mit 35 Metern Durchmesser sei jetzt nach Norden und Westen hin genau abgrenzbar. Probleme bereite aber die hohe PFC-Konzentration des Grundwassers unter dem Becken. Huxol vermutet als Ursache dafür einen sechs Meter tiefen Schacht, in dem bis 1979 die Löschmittel abgeleitet wurden. Der Schacht durchdringt die relativ dichte Lehmschicht und reicht bis in die darunterliegende Sand- und Schotterschicht über, in der die Flüssigkeit versickert sein könnte – und so eventuell ins Grundwasser in 20 Meter Tiefe gelangte. Das würde auch die Wasserbelastung im Verlorenen Bach erklären. Denn dessen Werte seien allein aus den bisherigen Befunden nicht ableitbar.

Man gehe davon aus, dass 90 Prozent des Wassers Richtung der Quellen in Untermühlhausen abfließe, aber das sei nur ein Modell. In welche Richtung genau das Wasser abströme, wisse man nicht, so Huxol. Eine Tracer-Untersuchung, bei der Markerstoffe ins Wasser gegeben werden, soll dabei helfen. Deren Planung, Ausführung und Auswertung werde aber noch mindestens zwei bis drei Jahre dauern: Man müsse vom Fliegerhorst bis zum Verlorenen Bach zweieinhalb Kilometer überbrücken – und rechne mit einer Fließzeit von rund 500 Tagen. Erste Erkenntnisse erwarte man aber schon nach einem halben Jahr.

Seit 2019 arbeitet bereits eine Aktivkohlereinigungsanlage am Feuerlöschbecken. Zudem ist die Planung für eine temporäre Abdeckung des Beckens mit einer Plane „grob fertig“, gibt Huxol bekannt. Deren Bau könne somit 2022 starten. Die Plane soll verhindern, dass Regenwasser noch mehr PFC aus dem belasteten Boden auswäscht und damit das Grundwasser weiter verunreinigt. Zudem startete im Mai dieses Jahres eine weitere Grundwasseruntersuchung, deren Ergebnisse laut Huxol noch ausgewertet werden.

Die Zuhörer, größtenteils aus der „Interessengemeinschaft PFC Belastung Fliegerhorst Penzing“, fragten nach einer möglichen Trinkwasserbelastung. Nach Abschaltung der belasteten Quelle in Untermühlhausen 2013 fließe Trinkwasser nur noch aus den Quellen der Teufelsküche bei Pitzling zu. Die Quellen der Pöringer Gruppe habe man 2018 untersucht, aber keine Belastungen gefunden, ebenso bei der Erpftinger Gruppe, die man von 2018 bis 2021 regelmäßig geprüft habe.

Die vom Landesamt für Gesundheit aufgestellten Empfehlungen für das Oberflächengewässer (Verlorener Bach) blieben bestehen, so die Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde: keine Nutztiere mit dem Wasser tränken, keine Nutzpflanzen damit wässern, wobei die Übertragung vom Boden auf Pflanzen unbedenklich bleibt. Die Fische aus dem Verlorenen Bach sollte man nicht regelmäßig essen, sie dürfen auch nicht weiterverkauft werden. Beim Schwarzwild ist die Leber stark belastet, das Fleisch hingegen kaum. Baden und die Berührung des Bodens sind ungefährlich.

Das Wasserwirtschaftsamt Weilheim wies aber darauf hin, dass die bei Untersuchungen Ende 2020 gefundenen Belastungen im Verlorenen Bach deutlich unter den Schwellenwerten für PFC-Belastung lagen. Man habe bei zwei mit dem Wasser aus dem Verlorenen Bach gewässerten Nutzgärten 2019 leicht erhöhte Werte gefunden, allerdings ebenfalls weit unter dem Schwellenwert, der als schädlich gilt. Ebenso habe man keine bedenkenswerten Belastungen in Heu, Getreide oder Milch entdeckt. Das Gras der Landebahn und um das Feuerlöschbecken herum werde zwar gemäht, allerdings nicht verfüttert. Obwohl auch in diesem Gras keine Belastungen gemessen worden seien.

Eine Ausräumung des Verlorenen Baches sieht Clemens vorerst nicht. Das stieß auf Widerstand bei den Vorständen der Fischerei-Vereine. Das geplante Monitoring des Verlorenen Baches bringe nicht viel, es müsse jetzt etwas getan werden, um den Bach wieder befischbar zu machen. Ansonsten sei man gezwungen, den Pachtvertrag zurückzugeben. „Ich kann nicht 100 Euro zahlen, um dann meine Fische im Mülleimer zu entsorgen.“ Auch hier verwies Clemens auf die Notwendigkeit sorgfältiger Untersuchungen und Planungen. Überstürzte Maßnahmen seien nicht zielführend.

Auf die Frage nach möglichen Schadensersatzzahlungen seitens der BImA gab Clemens – trotz hartnäckigen Nachfragen – keine konkreten Auskünfte. Der jeweils Betroffene solle sich per E-Mail direkt an die BImA wenden. Ob man Aussicht auf Erfolg hat, bleibt dabei ungewiss.

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