In Umzugskisten!

Gebeine von etwa 500 Menschen zu Grabe getragen

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Am Mittwoch wurden die ersten Gebeine der hinter der Johanniskirche gefundenen Gräber in ihrer letzten Ruhestätte auf dem Alten Friedhof in Landsberg beigesetzt: Knochen von ungefähr 500 Menschen.

Landsberg – Totenruhe muss nicht immer ruhig sein. In Landsberg wurde die Ruhe der Menschen gestört, die 300 Jahre lang auf dem Friedhof hinter Johanniskirche beerdigt wurden. Als dort 2015 im Sinne der Innenstadtnachverdichtung neu gebaut wurde, stieß man auf zahlreiche Skelette: Knochen von ungefähr 1.400 Menschen, die dort von 1505 bis 1806 auf sechs Ebenen übereinander beerdigt wurden. Die dort geplanten Neubauten stehen inzwischen. Und nun haben auch die ersten Gebeine eine neue Ruhestätte gefunden: auf dem Alten Friedhof. In Umzugskisten.

Über 20 große Kisten gefüllt mit Knochen haben im ersten Grab des Alten Friedhofs Platz gefunden. Stadtpfarrer Martin Zeitler gestaltete die Beisetzung. Das Grab, mit einem Kranz der Stadt Landsberg geschmückt, befindet sich direkt hinter der Dreifaltigkeitskirche. „Das waren ungefähr 500 Personen“, schätzt der Leiter des Bürgerbüros Robert Götz. Wie viel genau, weiß man nicht, denn bei den bestatteten Überresten handelt es sich lediglich um die Knochen, die keinem Skelett zugeordnet werden konnten. Weitere 900 Skelette aus dem Friedhof hinter der Johanniskirche sind noch in der Staatssammlung für Anthropologie und Paläon­tologie in München. Sie werden untersucht, um Rückschlüsse auf die Lebensweise der damaligen Landsberger schließen zu können.

Auf der Baustelle hinter der Johanniskirche wurden die Gebeine von rund 1.400 Menschen entdeckt und geborgen.

„Wir hoffen, dass auch diese in absehbarer Zeit nach Landsberg zurückgebracht werden können“, meint Oberbürgermeister Mathias Neuner. Er schätzt den Zeitraum dafür auf fünf Jahre. Das kann jedoch auch länger dauern: Schon 2015 rechnete man im Staatsarchiv mit mindestens einem Jahr, bis überhaupt mit ersten Untersuchungen begonnen werden könne. Genaueres soll sich bei einem Gespräch mit Zuständigen des Staatsarchivs in den kommenden Tagen ergeben, sagt Neuner. Dabeisein werden neben Dr. Jochen Haberstroh, dem Referatsleiter der Bodendenkmalpflege des Landesamts, Neuner und Götz auch Pfarrer Zeitler sowie Martin Jörg vom Bauamt.

Beim Bau der Häuser hinter der Johanniskirche wurde nicht immer pfleglich mit den Überresten umgegangen. Mehrmals lagen Skelette nur halb von Bauplanen bedeckt sichtbar auf dem Gelände. Pietätlos empfanden das die meisten Lechstädter und Passanten. Und auch Stadtpfarrer Martin Zeitler drängte auf eine angemessene Bestattung der gefundenen Gebeine. Nun haben die ersten Verstorbenen ihre Ruhestätte auf dem Alten Friedhof gefunden. Ob es die letzte sein wird?

Susanne Greiner

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