Kapitell-Suche per Steckbrief

Marmorbank für Monopteros im Dießener Schacky-Park

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„Da oben fehlt noch das Kapitell“, scheint hier Bildhauer und Steinmetz Joachim Maria Hoppe zu sagen. Er hat die historische Rundbank restauriert und mit neuen Sitzflächen ergänzt.

Dießen – Die mühsame Restauration des Schacky-Parks in seinen Originalzustand ist wieder um ein Kapitel reicher, obwohl noch das krönende „Kapitell“ fehlt. Das ist kein Wortspiel. Denn so nennt man den oberen meist plastisch ausgeformten Abschluss einer Säule. Im Monopteros des Parks wurde jetzt die um eine Säule angeordnete marmorne Rundbank nach einer aufwendigen Sanierung wieder aufgestellt. Aber noch ohne das krönende Kapitell, das bislang nicht gefunden wurde.

Jetzt versucht der Förderkreis Schacky-Park dem über 100 Jahre alten Original-Kapitell auf die Spur zu kommen. Während Teile der Rundbank, Löwenfüße und Säule durch Zufall auf dem weitläufigen Parkgelände gefunden wurden, blieb das Kopfstück bis heute verschwunden. Kulturhistoriker Dr. Thomas Raff und Förderkreis-Vorsitzende Christine Reichert können sich vorstellen, dass das Kapitell „in irgendeinem Dießener Garten als dekoratives Schmuckelement erhalten ist“. Man hofft jetzt auf Hinweise, wobei man sich sowohl den Ankauf oder auch eine genaue Kopie des Stücks vorstellen kann, das um 1900 womöglich in Italien geschaffen wurde.

Raff hat sogar eine Art „Steckbrief“ verfasst: „Die Eckvoluten werden durch Delphin-Schwänze gebildet. Ihre Köpfe wenden sie zu den vier Seiten, wo sich aus einem Blütenstengel eine klassische gerippte Brunnenschale erhebt. Aus der Schale wächst ein pflanzliches Gebilde, das oben in einer hochovalen Blüte endet. Unter den Schwänzen rollen sich breite, am Rande gewellt Blätter ein. Aus diesem verschlungenen Gebilde erwächst ein Rundgefäß mit einer vielleicht metallischen Haube.“

So sah die Monopteros-Rundbank im Original aus. Oben auf der Säule gut zu erkennen das krönende Kapitell, das der Förderkreis jetzt „per Steckbrief“ sucht.

Auch ohne das fehlende Kapitell ist die historische Rundbank im Zentrum des Monopte­ros eine Augenweide. Dass sie wieder an ihrem ursprünglichen Platz aufgestellt werden konnte, ist zwei engagierten Kunstfreunden zu verdanken. Zum einen Helga Preller, die mit einer großzügigen Spende die Restaurierung erst möglich gemacht hatte. Zum anderen dem Bildhauer und Steinmetz Joachim Maria Hoppe aus Thaining, der die fehlenden Sitzflächen aus Carrara-Marmor formte und alle Teile wie ein Puzzle wieder zusammensetzte. „Das größte Problem war, für die Sitzflächen den gleichen Farbton wie der restlichen Teile zu finden“, reüssiert Hoppe. Rund 160 Arbeitsstunden hat er für die Generalüberholung und Ergänzung der Rundbank aufgebracht: „Einige Bruch- und Fehlstellen habe ich bewusst gelassen, damit man das Alter auch sehen und würdigen kann.“

Von Hoppes präziser Arbeit und seinem fundierten Fachwissen war man beim Förderkreis so angetan, dass man ihn bei der Jahreshauptversammlung als Referent für Denkmalpflege und Restaurierung in die Vorstandschaft wählte. Sein Vorgänger Dr. Dietrich Klemm hatte aus Altersgründen sein Amt abgegeben. Hoppe stammt aus Pforzheim, absolvierte eine Steinbildhauerlehre und besuchte unter anderem die Kunstgewerbeschule Bern und die Kunstakademie München mit Diplom-Abschluss. Seit 1985 arbeitet er als freischaffender Bildhauer für private, öffentliche und kirchliche Auftraggeber.

Bis auf das fehlende Kapitell der Rundbank ist die Restaurierung des Monopteros als Mittel- und Knotenpunkt des Schacky-­Parks jetzt abgeschlossen. Seine Steinguss-Säulen und sein Sockel wurden saniert, das Dach erhielt ein neues Kupferdeckung und eine bekrönende Zirbelnuss.
Dieter Roettig

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