Eine Oase für Künstler

In der Pension Hauser frönten einst die „Malweiber“ ihrer Leidenschaft. Foto: privat

Nach Ansicht von Kunsthistoriker Dr. Thomas Raff ist der Ammersee keine „Kunstlandschaft“ die in Sachen Malerei jemals einen „Regionalstil“ hervorgebracht hätte, sondern „eine Landschaft, eine Oase, in der erstaunlich viel Kunst entstanden ist und noch heute entsteht“. Sein Vortrag lockte jüngst so viele Künstler und Kunstsinnige in den Gasthof Unterbräu, dass der Saal wegen Überfüllung geschlossen werden musste.

Zum Vortrag hatte Annunciata Foresti mit ihrem Verein „Das kleine Format“ geladen und wer einen Platz ergattern konnte, fühlte sich mit Sicherheit an legendäre Künstlertreffen der Vergangenheit erinnert und durfte einem kenntnisreichen, reich bebilderten und nicht zuletzt humorvollen Exkurs in die regionale Kunstgeschichte folgen, den Raff den „freien Künstlern“, jenem „merkwürdigen Menschenschlag“ widmete, die ihre Kunstwerke in der Regel ohne Auftrag herstellen, um dann Kunden für ihre selbstgeschaffene Ware finden zu müssen. Raff spannte den Bogen chronologisch von den süddeutschen Frühromantikern über Wilhelm Leibl (1844 - 1900) bis zu den modernen Arbeiten des Uttinger Malers Albert Heinzinger (1911 - 1992). Zur Sprache kam auch die Münchner Künstlervereinigung „Scholle“ (um 1905), deren Mitglieder sich insbesondere im Sommer in Holzhausen heimisch fühlten, sowie die Brüder Heinz (1902 - 1971) und Walter (1903 - 1964) Rose und Fritz Winter (1905 -1976). Zahlreiche bekannte und unbekannte Künstler, die vor 1920 geboren wurden, und die, so Raff, einen ihnen eigens gewidmeten Vortrag durchaus verdient hätten, stellte er kurz und prägnant vor. Die romantische Suche nach dem unberührten, „unzivilisierten“ Landleben führte demnach schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts „freie Künstler“ wie Wilhelm von Kobell, Carl Spitzweg oder Eduard Schleich an den Ammersee. Hier fertigten sie Studien und Skizzen an, die sie dann „in ihren städtischen Ateliers zu harmonischen Landschafts-Gemälden komponierten“. Erst ab 1870 ließen sich einige Maler mehr oder weniger ganz am Ammersee nieder. Zu ihnen gehörte auch der Stadtflüchtling Wilhelm Leibl (1844 - 1900). Er verbrachte von 1875 an zwei Jahre in Unterschondorf. In einem Bericht von Graf Wilhelm Bülow von Dennewitz (1856 - 1929) sei überliefert, so Raff, dass in den Sommern von 1887 bis 1890, also noch vor der Eröffnung der Eisenbahnlinie Weilheim - Schongau (1898), eine ganze Schar von jungen Malern aus München in Dießen weilte. Tagsüber arbeitete man fleißig, abends wurde in den Gasthäusern, insbesondere in der Span´schen Klosterwirtschaft (dem heutigen Kloster der Vincentinerinnen) gefeiert. Als Künstlerquartier beliebt waren Unterkünfte bei Fischern und die „Künstlerpension Hauser“ in der Dießener Jahnstraße. Dort traf man auch die sogenannte „Malweiber“. Junge Damen, die private Sommerkurse bei Akademieprofessoren belegten, weil sie an Akademien nicht zugelassen waren. Nicht allein der See war Gegenstand der Malerei, sondern auch die dort lebenden Menschen, ob als Portrait, Genrebild oder Akt, ebenso wie Blumen, Tiere oder Architektur. Ein großes Thema von Alexander Koester (1864-1932) waren die Lichtreflexe auf dem Wasser und auf dem Gefieder der Wasservögel. Bis heute erinnert ein Denkmal im Park des Augustinums an den berühmten Simplicissimus-Zeichner Thomas Theodor Heine (1867-1948). Das Grundstück war früher Eigentum des Künstlers. Dort malte er als junger Landschaftsmaler seine „Ammerseelandschaft“ (1887) und „Zwetschgenbäume“ (1886). Die Birkenallee zwischen Fischen und Dießen war Thema von Julius Seyler (1873-1955). Immer wieder bannte er die „wunderbare Landstraße“ in dem ihm ganz eigenen neoimpressionistischen Stil auf die Leinwand.

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