Wie eine Papstwahl

Der bisherige Erzabt Jeremias Schröder (Foto) ist zum Präses der Missionsbenediktiner gewählt worden. Foto: Osman

Der bisherige Erzabt Jeremias Schröder ist zum Präses der Missionsbenediktiner gewählt worden. In dieser Funktion wird er unter anderem regelmäßig die über 50 Ordenshäuser besuchen, die weltweit zur Kongregation gehören, wird Neugründungen begleiten und den Orden nach außen vertreten. All das hat Schröder auch bisher schon getan, denn bis dato war der Ottilianer Erzabt automatisch auch Präses. Nun sind die Ämter getrennt worden, und St. Ottilien braucht einen neuen Erzabt.

Die Wahl fand im Rahmen des Generalkapitels in St. Ottilien statt und sei eine spannende Angelegenheit gewesen, berichtet Schröder. „Es ist wie bei einer Papstwahl, man macht so lange weiter, bis ein Kandidat die Zwei-Drittel-Mehr­heit hat.“ Jeder der 39 stimmberechtigten Teilnehmer konnte ein bis zwei Wahlvorschläge beisteuern. Als Kandidat kam theoretisch jeder 35- bis 65-jährige Priestermönch der gesamten Kongregation in Frage, und das sind immerhin rund 300 Ordensbrüder. Wie viele Wahlgänge nötig waren, bis Schröder als Sieger feststand, behält er für sich. „Das fällt unter das Wahlgeheimnis“, so der 47-Jährige. Seine erste Amtsperiode als Vollzeit-Präses wird acht Jahre dauern, danach kann er jeweils für vier Jahre wiedergewählt werden. Die Ämtertrennung zwischen Erzabt und Präses, die bereits im Rahmen des letzten Generalkapitels vor vier Jahren beschlossen wurde, bedeutet für beide eine Erleichterung. In der bisherigen Doppelfunktion war eine kaum noch zu bewältigende Arbeitslast entstanden. „Die Kongregation leite ich beim Rasieren“, soll ein früherer Erzabt einmal gesagt haben, doch die Zeiten haben sich geändert. „Inzwischen bräuchte man schon einen hauptamtlichen Barbier“, sagte Schröder, der zwölf Jahre lang beide Ämter ausübte. In seiner Funktion als Präses sind ihm drei Klöster in Kuba, Uganda und Indien direkt unterstellt. Neugründungen müssen von ihm genehmigt wer­- den. Alle rund 50 Ordenshäuser in insgesamt 17 Ländern wünschen sich regelmäßige Besuche, um Einzelfragen zu klären. Hinzu kommen turnusmäßige Visitationen, bei denen jeder Klosterbetrieb einer genauen Prüfung unterzogen wird. Will ein Mönch den Orden verlassen, muss ebenfalls der Präses eingeschaltet werden. Außerdem muss er, sagt Schröder, den Austausch zwischen den Klöstern lebendig halten – über alle sprachlichen und kulturellen Barrieren hinweg. Für die Ottilianer bricht unterdessen eine neue Zeit an. Sie werden künftig einen Erzabt haben, der nicht ständig mit einem Bein im Flugzeug steht, sondern sich voll und ganz um die Belange vor Ort kümmern kann. Die Wahl soll in den nächsten Wochen stattfinden. Bis dahin leitet Prior Claudius Bals das Kloster. Doch die Ämtertrennung hat noch eine weitere Konsequenz: St. Ottilien verliert innerhalb des Ordens seine Vorrangstellung. „Die Erzabtei bleibt unser Ursprung und damit ein besonderer Ort“, beeilt sich Schröder zu versichern. „Aber rechtlich gesehen ist sie jetzt eine Abtei wie jede andere.“

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