Eine Stadtführung geht in Rente

Man soll aufhören, wenn es am Schönsten ist. Unter dieses Motto haben die beiden Stadtführerinnen Mechthild Huber und Erika Hartmann ihren Entschluss gestellt, ihre „Historische Wirtshausführung“ in den wohlverdienten Ruhestand zu schicken – nach genau 20 Jahren und zum Bedauern der Stammgäste.

Seit dem Auftakt im Jahr 1989 haben die beiden Stadtführerinnen im historischen Gewand bei insgesamt 228 Führungen rund 9120 interessierte Besucher mit der Stadt- und Biergeschichte Landsbergs vertraut gemacht. Und das so gut, dass manche gar nicht genug bekommen konnten und die Führung bis zu fünfmal mitmachten. Langweilig wurde es dabei nie. „Wir haben immer etwas Neues gemacht, weil sich ja im Lauf der Zeit auch die beteiligten Wirtshäuser verändert haben“, erzählt Erika Hartmann. Zu den Wirtschaften gibt es verschiedene Hausgeschichten. Außerdem werden aktuelle Meldungen, die zum Thema passen, eingeflochten. „Man reagiert auch auf die Gäste, das ist ein Wechselspiel. Man muss auf die Menschen eingehen und improvisieren“, ergänzt Mechthild Huber. Da kam es schon mal vor, dass man statt der ursprünglich veranschlagten zweieinhalb Stunden letztlich mehr als dreieinhalb unterwegs war. Idee aus dem Wirtshaus Die ursprüngliche Idee der Wirtshausführungen entstand – Huber: „Wie könnte es anders sein…“ – in einem Wirtshaus. Zusammen mit der jetzigen Leiterin des Kultur- und Fremdenverkehrsamtes, Ulla Kurz, entwickelte sie das Konzept der Wirtshausführung, bei dem die Stadtgeschichte auf amüsante Weise mit der Kulturgeschichte von Bier und Wein verknüpft wird. „Große Unterstützung hatten wir auch durch Klaus Münzer, den Vorsitzenden des Historischen Vereins“, erinnert sich Mechthild Huber. „Außerdem waren die Wirte immer sehr zuvorkommend und kooperativ.“ Das Konzept ging auf, die Führungen waren und sind auf lange Zeit im voraus ausgebucht. 1990 kam dann Erika Hartmann dazu, zuerst als Gast, dann selbst als Gästeführerin. Seitdem sind die beiden Damen ein eingespieltes Team. Wie Pingpongbälle fliegen die Bemerkungen und Pointen zwischen der „Preußin“ und der „Edelbayerin“ (Fränkin, Anm. d. Red.) hin und her. Im Lauf der Jahre wandelte sich das Konzept, wechselten die Stationen. Vom Zederbräu ging es zum Augsburger Hof, vom Schlossbergkeller zum Rathauskeller, vom Schafbräu in die Sonderbar. Doch immer dabei waren der Gasthof „Zum Mohren“ und die Bayertor-Stube. „Es müssen allerdings historisch interessante Gebäude sein“, erklären die beiden Stadtführerinnen, die ihre Gäste am Bayertor stets mit einem selbstverfassten Gedicht begrüßen. Trotz des Spaßes, den sie bei den Führungen hatten, hören beide „ohne Wehmut“ auf. „Wir haben schon länger überlegt, aufzuhören, und die 20 Jahre erscheinen uns als geeigneter Zeitpunkt“, stimmen sie überein. Allerdings: so ganz verabschieden sie sich nicht. Erika Hartmann und Mechthild Huber führen nach wie vor Gäste durch die romantische Altstadt und bieten auch ihre Wirtshausführung für geschlossene Gruppen an – auf speziellen Wunsch.

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