Das Tor für einen wertvollen Schatz geöffnet

Bewegender Augenblick: Bürgermeister Herbert Kirsch hat Lieselotte Orff soeben den Goldenen Ehrenring der Marktgemeinde Dießen angesteckt. Foto: Robert

Eine Herzlichkeit folgte der anderen, Worte des Respekts, der Dankbarkeit, der Wertschätzung und Anerkennung: Am Freitagabend wurde Liselotte Orff der Goldene Ehrenring der Marktgemeinde verliehen. In einem Festakt, gestaltet und getragen von der Orff-Gemeinde auf der ganzen Welt.

„Elementare Musik, Wort und Bewegung, Spiel, alles, was Seelenkräfte weckt und entwickelt, bildet den Humus der Seele...“ So zitiert Liselotte Orff ihren Mann, den 1982 verstorbenen Komponisten Carl Orff. Allein das Schulwerk hat an der Dießener Carl-Orff-Schule längst tiefe Wurzeln geschlagen, Orff ist fester Bestandteil des Musikunterrichts, wie Chor der Grundschule und Tanz-AG der Mittelschule während der Feier für die 80-jährige Jubilarin in der Mehrzweckhalle zeigten. „Wir fühlen uns von Liselotte Orff begleitet“, betonte Rektor Michael Bauer. Es sei ein schönes Gefühl, gefördert zu werden – „sie schwebt über uns“. Liselotte habe sich hinter das Werk und Wirken ihres Mannes gestellt und dieses mit großer Umsicht weitergetragen, so Dr. Peter Hanser-Strecker (Schott Music Mainz) in seiner Laudatio. Er freute sich, dass der Markt „eine Ausgezeichnete auszeichnet“, das sei der richtige Entschluss, denn Lieselotte Orff bilde das Herzstück der interna­- tionalen Orff-Gemeinschaft. Bis heute ist der Ziegelstadel das Zentrum der Orff-Welt. Liselotte Orff lebt seit 1955 in Dießen und öffnet nicht nur Wohnhaus und Arbeitsräume, son­- dern siedelte auch die Orff-Stiftung in der Marktgemeinde an. Das weltweit einzige Orff-Museum wurde ebenso von der Witwe des Komponisten initiiert. Im kommenden Jahr möchte sie ein weiteres Mosaiksteinchen setzen – der Stiftung ein neues Haus bauen. Dies verriet Bürgermeister Herbert Kirsch, der der Jubilarin feierlich den Goldenen Ehrenring, gefertigt vom Dießener Goldschmied Michael Saupe, ansteckte: „Liselotte Orff hat das Tor für einen kostbaren Schatz aufgetan, der die Marktgemeinde auszeichnet und einzigartig macht, und zwar rund um den Globus.“ Wie hat er komponiert? Die Ehrenringträgerin wurde in ihren Worten sehr persönlich, und berichtete auch von den Anfängen am Ammersee. Zunächst habe sie sich „wie im Exil gefühlt“. Sie lernte die Orientierung nach Westen – aufgewachsen ist die 80-Jährige im Chiemgau – zu schätzen, wie auch den See. Dialekt, Sprache auch als Zentrales im Werk: Selbst hatte Liselotte Orff einmal mitspielen wollen in Astutuli, und festgestellt, dass es „studiert und so gesprochen werden muss, wie er sich das vorgestellt hat“. Eines allerdings solle man möglichst nicht fragen, nämlich wie Carl Orff komponiert habe: „Sie werden es nie ganz erfahren; von ihm nicht, und von mir mir auch nicht“. Der Abend wurde musikalisch getragen vom Carl-Orff-Chor aus Marktoberdorf sowie Stefan Blum und den Schlagwerkern. Der Festakt endete „orffisch“ mit einem Konzert der Nuova Compagnia di Canto Popolare, die auf Wunsch der Jubilarin extra aus Neapel angereist waren. Musik, die den Komponisten immer fröhlich gestimmt habe, die seine Frau auflegte, „wenn Orff einmal grantig war“. Die Marktgemeinde Dießen hat nun mit Liselotte Orff und der Heimatforscherin Juliane Wörlein wieder zwei Ehrenring-Trägerinnen. Insgesamt wurden seit 1965 neun Persönlichkeiten ausgezeichnet.

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