Das Abi in einer "guten Welt"

81 Abiturienten haben am Freitag aus der Hand von Erzabt Jeremias Schröder im Festsaal des Rhabanus-Maurus-Gymnasiums ihr Zeugnis entgegengenommen. Über die Hälfte von ihnen, nämlich 56 Prozent, kann sich über eine Zwei vor dem Komma freuen, 33 Prozent sogar über eine Eins. Den allerbesten Schnitt schaffte mit 1,1 Laura Junker aus Landsberg.

Das Ende von 13 Jahren Schulzeit löse bei vielen sicher gemischte Gefühle aus, so Elternbeiratsvorsitzender Rainer von Lospichl in seiner Ansprache. 13 Jahre, in denen nicht nur Bildung, sondern auch Werte vermittelt worden seien. „Ein Lebensabschnitt ist zu Ende, ein Neuanfang steht bevor, und da draußen warten viele Aufgaben auf euch.“ Lospichl ließ keinen Zweifel daran, dass das Leben nach der Schule kein Honiglecken sein werde. „Rückgrat und Durchsetzungsvermögen sind gefragt, Ellenbogen nicht.“ Wer demnächst seine eigene Studentenbude beziehe, werde außerdem lernen müssen, „dass das Toilettenpapier nicht auf der Rolle nachwächst.“ Kritische Töne Humor klang auch in der Abiturrede von Jahrgangssprecher Christopher Rudoll an, als er über die „Traumata“ sinnierte, die mancher Lehrer bei den Schülern hinterlassen habe. Doch Rudoll fand vor allem nachdenkliche Worte. „Wir verlieren den Boden unter den Füßen und fallen in den leeren Raum“, sagte der 19-Jährige über das Ende der gemeinsamen Schulzeit. Doch St. Ottilien gebe seinen Absolventen moralische Vorstellungen mit, „vielleicht sogar Glauben, und das ist die größte Sicherheit im freien Fall.“ Rudoll, als einer der diesjährigen Sieger des bayerischen Landeswettbewerbs Alte Sprachen ein besonderes Aushängeschild seiner Schule, scheute sich nicht, auch Kritik zu üben. St. Ottilien gleiche einem Elfenbeinturm, „doch wenn man näher hinschaut, bröckelt die Substanz“. Rudoll bemängelte die fehlende Begabtenförderung, und auch um den viel gepriesenen Zusammenhalt in der Schule stehe es nicht immer zum Besten. So habe es in diesem Jahr keine Abi-Show gegeben, weil den Schülern der Festsaal nicht zur Verfügung gestellt wurde“ wie es lange Jahre üblich war“. Und doch: „St. Ottilien ist eine gute Welt, auch wenn sie nicht nur gute Seiten hat.“ Diese Schule verlasse man „als echte Person, als wertvolles Individuum, das gelernt hat, sich Meinungen zu bilden.“ Individuelle Akzente setzte denn auch jeder Abiturient mit der selbst gewählten Musik, zu der er zur Zeugnisübergabe auf die Bühne schritt. "Born to be wild" Von „Born to be wild“ über den Bayerischen Defiliermarsch bis zur Titelmelodie der „Sendung mit der Maus“ war hier alles vertreten. Und während einer nach dem anderen die Hände von Erzabt Jeremias Schröder, Schulleiter Michael Häußinger und Elternvertreter von Lospichl schüttelte, während neben den Zeugnissen noch Buchgeschenke verteilt und Urkunden und Blumen für besondere Verdienste um die Schule vergeben wurden, knallte im Hintergrund schon der erste Sektkorken…

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