Einfach erfrischend anders

Ein Trio, bestehend aus den Cellisten Wolfram Geiss und Cornelius Schma­derer sowie dem Pianisten Andreas Kowalewitz, hat am Sonntagabend bewiesen, dass so genannte ernste Musik auch fröhlich daher kommen und höchst niveauvoll unterhalten kann. Sie selbst nennen das Ergebnis A-Musik. A wie anders, absonderlich, aberwitzig – und appetitanregend. Fürwahr, das im Gemeindesaal der evangelischen Kirche Landsberg dar­- ge­botene „Cellikatessen“-Über­raschungs­me­nü kann man einfach nur als köstlich bezeichnen.

Not macht bekanntlich erfinderisch. Weil es in der Musikliteratur keine Stücke für Celli und Piano gibt, haben die drei sich die Ohrwürmer der Klassik vorgeknöpft. Dabei haben sie die bekanntesten Stücke aus Opern wie Carmen und den Barbier von Sevilla kurzerhand um die „sinnlos aufgemotzte Orchestrierung entschlackt“, wie Andreas Kowalewitz den Vorgang dem Publikum erklärte. Doch das alleine wäre ja noch nicht witzig oder gar neu. Da, da, da, daaa! Die drei sind einen Schritt weiter gegangen. Sie haben die Mu­sik für ihre Instrumente passend gemacht, gleichzeitig aber parodiert und ironisiert. Da werden Töne so lange lang gezogen oder in die Höhe getrieben, gehuscht und verzerrt, bis der Lachmuskel sich meldet. Oder sie haben so bekannte Melodiefetzen wie das „Da, da, da, daaa!“ aus Beethovens 9. Symphonie oder „So ein Tag, so wunderschön wie heute“ an Stellen hineinkomponiert, wo sie weder zu erwarten sind noch hingehören. Das hielt die Hörer wach und bei Laune. Vor allem, wenn sie bereit waren, sich auf diese Art des musikalischen Humors einzulassen. Dieser wohltuend respektlose Umgang mit der ernsten Musik, wurde noch verstärkt durch den herrlich ironischen Umgang der Musiker mit sich selbst. Da witzelte Conferencier Kowalewitz zwischen den musikalischen Darbietungen über gescheiterte Solistenkarrieren und das Spannungsverhältnis zwischen Dirigent und Orchester. Auch die musikalische Darbietung der Cellisten als einen sportlichen Wettbewerb in Form einer Radioübertragung zu würdigen, zeugt von der hohen Kunst der Selbstironie. Pianist ganz ohne Neben diesen leider manchmal von Kowalewitz etwas schnell vorgetragenen Überleitungen und Ankündigungen, brachten die Musiker ihr Publikum auch durch unerwartete Aktionen zum Schmunzeln. Gleich während des ersten Stücks verließen die Cellisten die Bühne, sichtlich entnervt, weil der Pianist sich in den Noten verlor und abdriftete. Zu allem Überfluss genoss dieser offensichtlich für einen Moment die alleinige Aufmerksamkeit der Zuhörer, nur um im nächsten Augenblick verwirrt auf seine Hände zu schauen, so als ob er nicht glauben könnte, was seine zehn Finger da spielten. Lieber im Sommer? Natürlich kehrten die Cellisten zurück, und retten ihren Pianisten. Und während er noch weiter spielte zogen sie ihm den Frack aus und stülpten ihm eine Weste über. Später, als sie den Winter aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ spielten setzen sie sich alle drei sogar Wintermützen auf. Da es ihnen offensichtlich warm wurde unter der Wolle, kommentierte Kowalewitz wie folgt: „Hätten wir gewusst, dass die Fußbodenheizung an ist, hätten wir lieber den Frühling und den Sommer gespielt.“ Dass das Konzert zu keinem Zeitpunkt zum Klamauk verkam, verdankt das Ensemble seinem erstklassigen musikalischen Können. Da offenbarte jede gespielte Note eben trotzdem ihre Hochachtung vor der Musik.

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