KREISBOTEN-Recherche zur Sanierung am Landsberger Schlossberg:

Wenn die Garage ein Jahr schließt

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Für voraussichtlich ein Jahr wird die Tiefgarage im Schlossberg ab Frühjahr 2018 komplett gesperrt sein – für Dauerparker ebenso wie für Kurzparker.

Landsberg – Die Schlossberggarage muss vom Frühjahr 2018 ein Jahr lang saniert werden und steht damit weder für Dauer- noch für Kurzparker zur Verfügung. Bislang haben die Stadtwerke lediglich angedeutet, an einem Konzept zu arbeiten, das die Folgen der Maßnahme für Arbeitnehmer, Altstadtbewohner und Einzelhandelskunden abmildern soll. Der KREISBOTE hat nachgefragt.

Stadtrat Felix Bredschneijder hat das gewundert. Zwar war er als Mitglied des Verwaltungsrats der Stadtwerke selbst an der einstimmigen Entscheidung beteiligt, die Sanierung unter einjähriger Vollsperrung durchzuziehen und nicht unter Teilsperrung auf zwei Jahre zu verteilen; Letzteres hätte 250.000 Euro Mehrkosten plus 300.000 Euro entgangene Einnahmen bedeutet. Dass die Maßnahme aber schon der Presse mitgeteilt wurde, bevor das Gesamtkonzept erarbeitet ist, fand der SPD-Stadtrat wenig sinnvoll und merkte das auch öffentlich an. Der KREISBOTE wollte wissen: Welche Alternative bieten die Stadtwerke Dauerparkern an? Und wo gibt es Plätze für Altstadt-Besucher?

Das Gespräch mit Stadtwerke-Vorstand Norbert Köhler drehte sich daher zunächst um Zahlen. Unsere Vermutung war: Zwar steht die Lechgarage zu diesem Zeitpunkt in vollem Umfang und neuer Pracht zur Verfügung, aber ihre zusätzliche Aufnahmekapazität dürfte begrenzt sein. Das ist tatsächlich so: Sie hat 591 Plätze; 110 davon entfallen auf das Quartiersparken. Von den verbleibenden 480 Plätzen sind rund 250 von Dauerparkern gemietet. Für gelegentliche Nutzer stehen also 230 Plätze bereit. Köhler rechnet mit einer regelmäßigen Auslastung dieser Plätze von 80 Prozent. Es gibt also noch eine Reserve von etwa 50 Plätzen.

Lösung: "Überlauf"

Die Zahlen verdeutlichen zweierlei: Die Lechgarage ist (wenn man alle Parkplätze zusammenrechnet) zu 92 Prozent ausgebucht. Das ist ein guter Wert. Wer den Parksuchverkehr an Vorder- und Hinteranger reduzieren will, muss aufstocken; die Stadt erwägt dies gerade am geplanten Jugendzentrum in der Lechstraße, weil dort ohnehin zweigeschossig ausgeschachtet werden muss, um Altlasten zu beseitigen. Die zweite Erkenntnis: Von den maximal 175 Kurzparkern in der Schlossberggarage (das ist die maximale Kapazität) wird nur etwa ein Viertel Platz in der Lechgarage finden.

Deswegen kommt zwingend der von den Stadtwerken betriebene Parkplatz an der Waitzinger Wiese ins Spiel. Dort gibt es 190 PKW-Stellplätze. Auch diese Parkmöglichkeiten werden gut genutzt; vor allem wird immer bekannter, dass man sein Auto dort wirklich günstig abstellen kann und der Fußweg zur Innenstadt nicht so weit ist, wie mancher es vermutet. Deswegen reicht auch er nicht aus, um die verbleibenden 125 Kurzparker der Schlossberggarage „aufzufangen“.

Die Lösung liegt im sogenannten „Überlauf“: Die Stadt als Eigentümerin ist einverstanden, dass die Stadtwerke die Zufahrt (wie es auch zurzeit geschieht) zum Festplatz öffnet. Dann stehen 600 zusätzliche Parkmöglichkeiten zur Verfügung. Die Befestigung des Platzes ist ausreichend; es sollen aber noch Markierungen angebracht werden, um „Kreuz- und Querparken“ zu vermeiden. Einziges Problem: Am Lumpigen Donnerstag, bei der Landsberger Wies’n und beim Autosalon wird der Überlauf-Bereich benötigt; an diesen Tagen müssen Kurzparker nach anderen Parkmöglichkeiten suchen oder – was sich bei den ersten beiden Ereignissen ohnehin anbietet – das Auto zu Hause lassen.

Das Zwischenfazit: Wer in der Innenstadt etwas zu erledigen hat oder zum Einkaufen kommt, findet ausreichend Parkplätze. Allerdings kommen viele Altstadtbesucher aus dem Osten des Landkreises. Um die Lechgarage zu erreichen, verursachen sie zusätzlichen Verkehr, entweder in Schlossergasse und Hinteranger oder auf dem Hauptplatz und in der Von-Kühlmann-Straße. Außerdem müssen sie erst lernen, wie man zur Waitzinger Wiese oder zur Lechgarage kommt; eine zusätzlich Beschilderung dürfte daher unumgänglich sein.

Deutlich problematischer und wohl auch noch nicht in trockenen Tüchern ist die Lösung für die Dauerparker. In der Schlossberggarage gibt es insgesamt 291 Mietverträge. Sie beziehen sich faktisch auf 175 Plätze, also die Hälfte der Kapazität, weil sich die Mietzeiten ergänzen. 58 Mieter nehmen einen Platz 24 Stunden pro Tag in Anspruch, 117 nur 14 Stunden und 116 parken lediglich in der Nacht.

Rechtlich ist die Sache klar. In den Mietverträgen steht, dass die Verträge während einer Sanierung ausgesetzt sind. Wo aber sollen die Autos nun abgestellt werden? Da die meisten Mieter aus dem Osten anfahren planen die Stadtwerke, sie auf den Parkplatz am Penzinger Feld zu verweisen. Dort könnten sie in den Stadtbus umsteigen, müssten die Fahrtkosten aber wohl selbst tragen. Außerdem passen die Fahrzeiten der Buslinien 1 und 30 nicht so recht für Einzelhändler und Auspendler. In der Diskussion ist daher ein Shuttlebus der Stadtwerke; weitere Gedanken dazu will der Vorstand in der nächsten Sitzung des Verwaltungsrats am 14. November vorstellen.

Der nicht überdachte und auch nicht bewachte Parkplatz am Penzinger Feld ist für die 116 Nacht-Abonnenten auch in anderer Hinsicht keine ideale Alternative: Für sie dürfte im Winter Eiskratzen angesagt sein. „Das war unser bestes Argument für die Anmietung eines Stellplatzes in der Schlossberggarage: Kein Eiskratzen mehr“, weiß Köhler zu berichten. Der sagt freilich auch: „In anderen Städten würde man am Ortseingang ein Schild aufstellen: Parkgarage geschlossen“. Will heißen: Die Stadtwerke Landsberg bemühen sich nach Kräften, die durch die unaufschiebbare Sanierung entstehenden Probleme zumindest zu reduzieren.

In ein paar Jahren würde die Maßnahme vielleicht leichter fallen. Dann dürfte es die ersten selbstfahrenden Autos geben. Vielleicht wird dann schon möglich, was die Satirezeitschrift „Eulenspiegel“ in diesem Monat in einer Karikatur darstellt. Da bekommt ein Ehepaar auf dem Smartphone eine SMS. „Sie ist von unserem Auto“, gibt die Frau weiter, „es hat einen Parkplatz gefunden“.

Werner Lauff

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