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Ein Spatenstich für die Energiezukunft im Fuchstal

Fuchstal - Energiezukunft - Spatenstich
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Beim Spatenstich für den Wärmetopf und für den Batteriespeicher: Politiker, Planer und Handwerker legten Hand an.

Fuchstal – Es handle sich um ein „bayernweit einmaliges Projekt“, befand Bürgermeister Erwin Karg und setze den Satz drauf: „Jetzt können wir den Strom speichern“. Die Worte bezog er auf das Projekt „Energiezukunft Fuchstal“, wofür in der vergangenen Woche der Spatenstich war. Zentral zwischen Leeder, Asch und dem Gewerbegebiet werden ein Wärmetopf mit 20 Meter Durchmesser und 16 Meter Höhe sowie ein Batteriespeicher errichtet.

Von dem Projekt, für das gut fünf Millionen Euro verschlagt sind und wofür die Gemeinde Fuchstal vom Bundesumweltministerium vor Jahren wegen des modellhaften Charakters eine Förderung von 3,85 Millionen Euro erhielt, gehe eine „Signalwirkung“ aus, schilderte CSU-Bundestagsabgeordneter Michael Kießling, der im Landsberger Kreistag auch dem Kreis- und dem Umweltausschuss angehört. Mit Blick auf die Klimaziele formulierte er: „Da müssen wir anders denken und andere Wege gehen.“

Stellvertretender Landrat Markus Wasserle (Kaufering) sprach von einem Projekt, das weit über den Landkreis Landsberg hinausstrahle. Batteriespeicher und Wärmetopf würden die Energiewende rund machen, fügte Wasserle hinzu.

Robert Sing vom gleichnamigen Ingenieurbüro (Landsberg) erwähnte die „intelligente Steuerung“, die bei Wärmetopf und Batteriespeicher zum Einsatz gelangen würden. Lucy Gronitz vom Projektteam veranschaulichte den Gästen auf der Baustelle, wo Wärmetopf und Batteriespeicher errichtet werden. Es entsteht auch ein 25 Meter langes und 14 Meter breites Betriebsgebäude. Markus Hilpoltsteiner von der Firma ELWA beschloss den Reigen der Redner. „Es braucht Leute, die den Mut haben, die ersten zu sein, die so etwas umsetzen.“ Er projektiert die sogenannte „Power to Heat-Anlage“, wo Strom in Wärme umgewandelt wird.

Im März 2017 hatte man laut Bürgermeister Karg zusammen mit dem Ingenieurbüro Sing die ersten Überlegungen zu der Investition angestellt. Die offizielle Bezeichnung klingt kompliziert; sie lautet „Projekt zur Effizienzsteigerung des Strom- und Wärmenetzes durch Sektorenkopplung“.

In einer fünf Megawatt großen Batterie kann Strom aus den vier Windkraftanlagen, wenn dieser zu bestimmten Zeiten des Überangebots nicht vergütet wird, gespeichert werden. Zudem ist es mit aufwändiger Technik möglich, daraus Wärme zu erzeugen, die wiederum in das bestehende Fernwärmenetz eingespeist werden kann.

Außerdem kann die im Sommer nicht benötigte Abwärme der Biogasanlage Gröber-Ruf, die sich gut einen Kilometer weiter östlich auf Fuchstaler Flur befindet, in den Wärmetopf aufgenommen und an kühleren Tagen abgegeben werden, wenn sie in Schule, Kindergarten und Haushalten benötigt wird.

Es braucht Nerven

Beim Spatenstich bekundete Karg, man könne sich kaum vorstellen, „wie viel Arbeit in dem Projekt drinnen hängt“. Es brauche Zeit, Gespräche, Rechtfertigungen und Nerven. Es sei wegen der Kosten nicht darstellbar gewesen, den Wärmetopf weiter im Erdreich zu versenken, wie es seine politischen Gegner im Wahlkampf und heuer im Gemeinderat gefordert hätten. Auch sei es weder wirtschaftlich noch technisch sinnvoll, die Anlage weiter östlich beim Gewerbegebiet und nahe bei der Biogasanlage zu bauen.

Barsch kommentierte Rathaus­chef Karg die Forderungen der Neuen Liste Fuchstal, sogar einen eigenen Informationsabend zu diesem Energieprojekt abzuhalten. Das verstehe doch kaum ein Mensch. Ihm selber falle es sehr schwer, die technischen Details aufzufassen. Und dann die Forderung nach einer öffentlichen Information nur zu diesem Thema: „Da steht’s mir bis da“, bekannte Karg und fasste mit der Hand ans Kinn.
Johannes Jais

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