Gehweg-Verbreiterung in der Landsberger Max-Friesenegger-Straße?

Anwohner wollen keine Experimente

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Braucht es in der Max-Friesenegger-Straße breitere Gehwege zulasten einer engeren Fahrbahn? Nein, sagen die Anwohner.

Landsberg – Es gibt schlimmere Fälle als diesen: Etwa 83 Prozent der Kosten für die ­Sanierung der Max-­Friesenegger-Straße übernimmt die Stadt, weil sie dort selbst Anliegerin ist. Und der verbleibende Betrag wird durch sehr viele Anlieger geteilt. Es ging also nicht um Geld, als rund 100 Eigentümer und Mieter im ­Sportzentrum auf Stadtbaumeisterin Birgit Weber ­trafen. Auch deswegen nicht, weil „Mehr Gehweg und weniger Fahrbahn“ in diesem Fall genauso viel kostet wie „Die ­Breiten bleiben wie bisher“.

Worum geht es bei dieser Auseinandersetzung also wirklich? Der Stadtverwaltung hat das Ziel, entsprechend den geltenden Empfehlungen und einer Grundsatzentscheidung des Stadtrats so breite Gehwege zu schaffen, dass zwei Personen locker aneinander vorbeikommen. Außerdem sind breite Gehwege besser für Menschen mit Behinderungen und Personen, die auf den Rollator angewiesen sind. Im Hintergrund spielt dabei auch eine Rolle, dass verengte Fahrbahnen zur Reduzierung der Geschwindigkeit führen.

Den Anwohnern geht es vor allem darum, dass die Parkplätze am Rand der Fahrbahn erhalten bleiben. Die Sorge ist nicht unbegründet: Den Wegfall von sechs Plätzen an drei Stellen hat die Verwaltung schon angekündigt. Sie braucht den Raum, damit man auf entgegenkommende Fahrzeuge warten kann. Freilich ist Ersatz vorhanden: Der große und kostenlos nutzbare Parkplatz an der Rot-Kreuz-Straße hat noch Kapazität.

Eine Rettungsgasse?

Viel größer ist aber das Problem, das die Anwohner so beschreiben: Es gibt, etwa nach einem Eishockeyspiel, viel abfließenden Verkehr in Richtung Katharinenstraße. Da das Einbiegen auf diese zentrale Achse nicht ganz einfach ist, kommt es zum Rückstau. Was ist, wenn in diesem Moment ein Rettungswagen des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) ausrückt, das in der Max-Friesenegger-Straße seinen Sitz hat?

Birgit Weber erntete schallendes Gelächter, als sie die Auffassung vertrat, die Autofahrer würden doch dann eine Rettungsgasse bilden, indem sie ihr Auto auf den Gehweg lenken. Das ist aus dem Stand aber nicht so einfach, wäre ohnehin nur in eine Richtung möglich (auf der anderen Seite parken ja Autos) und außerdem reicht ein einziges Fahrzeug aus, um den Weg dennoch zu blockieren. So richtig passt der Begriff der Rettungsgasse hier, in der Max-Friesenegger-Straße, wohl ohnehin nicht.

Da ist es in der Tat wahrscheinlicher, dass das Ordnungsamt am Tag nach dem Vorfall das Parken, vielleicht sogar bereits das Halten, in der Straße verbietet, um mehr Platz auf der verengten Fahrbahn zu schaffen. Das wäre für die Anlieger eine Katastrophe. Als ihre Mehrfamilienhäuser gebaut wurden, war einkalkuliert, dass Eigentümer und Mieter auf der Straße parken können; eine Stellplatzverordnung gab es da noch nicht. Eine Wohnung ohne Parkmöglichkeit hat weniger Wert.

Die Anwohner wiesen auch darauf hin, dass die Begegnung von Fußgängern in der Max-Friesenegger-Straße selten vorkommt; „hier gehen gar nicht so viele Leute vorbei“. Wer aus der Gartenstraße komme, biege vorher nach links ab. Auch die Geschwindigkeit der Autos bedürfe keiner Reduzierung. Es gebe also überhaupt keinen vernünftigen Grund, die Gehwege zu verbreitern und die Straße zu verengen. Auf die Frage eines Teilnehmers, ob denn irgendjemand im Raum für diesen Plan sei, gab es niemanden, der dafür stimmte.

Mit einer so breiten Front hatte wohl niemand in der Verwaltung gerechnet; nun weiß man Bescheid. Auch die Stadträte – von ihnen war nur einer vertreten – werden sicherlich Schlussfolgerungen ziehen. Schade ist dabei nur eins: Auf all das, was die Eigentümer und Mieter vorgetragen haben, konnte man eigentlich auch selbst kommen. Eine Fahrbahnverengung in der Straße, in der Sankas ausrücken, um Leben zu retten? In der ein großer Parkplatz angesteuert wird? In der sogar noch ein Landwirt mit seinen Fahrzeugen die Kurve kriegen muss? Das geht wohl kaum. Mit mehr Bürger- und Praxisnähe hätte sich die ganze Diskussion erübrigt.

Werner Lauff

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