Einsicht bewahrt vor Arrest

Unter dem Strafantrag von Staatsanwalt Ivo Holzinger blieb Richterin Sabine Grub mit ihrer Verurteilung eines wegen vorsätzlicher und versuchter gefähr- licher Körperverletzung Angeklagten am Donnerstag. Zehn Monate Haft, ausgesetzt zur Bewährung auf fünf Jahre, davon drei unter der Aufsicht eines Bewährungshelfers, zusätzlich 240 Stunden gemeinnützige Arbeit verhängte sie gegen den arbeitslo­sen, alkoholkranken 52-Jährigen. Damit folgte sie der Bitte von Verteidiger Achim von Lucke, den Therapieerfolg seines Mandanten nicht durch eine Inhaftierung zu gefährden.

Fast wollte man sich den Wünschen von Richterin Sabine Grub anschließen, mit denen sie den Angeklagten vergangene Woche „unter Vorbe­- halt“ in die Freiheit entließ: „Ihr Problem ist der Alkohol. Wenn Sie das in den Griff bekommen – und daran arbeiten Sie jetzt ja –, dann passiert auch nichts mehr.“ Zwölf verurteilte Straftaten seit 1979, aufgelistet im Bundesstrafregister, lassen aufhorchen; bei genauerem Hinsehen spiegelt sich darin der Werdegang, und sicher auch Leidensweg, eines Suchtkranken wider. Keine Gewalttaten hatten die mit ihm befassten Gerichte zu verhandeln, sondern, meist im Wechsel, entweder Fälle von „gefährlichem Eingriff in den Straßenverkehr“. Will heißen: Alkohol am Steuer oder aber, quasi infolge der vorhergehenden Verurteilungen, „Fahren ohne Fahrerlaubnis“. Ende April dieses Jahres allerdings war ein Alkohol-Fehltritt des 52-Jährigen dann doch von anderer Qualität: Da nämlich ging er ohne erkennbaren Grund auf seine Lebensgefährtin los, war sogar kurz davor eine Glasflasche nach ihr zu werfen; „versuchte gefährliche Körperverletzung“ und „vorsätzliche Körperverletzung“ lautete deshalb die Anklage von Staatsanwalt Holzinger. Auch wenn sie an diesem Abend die Flucht vor ihm ergreifen musste, mittlerweile hat sich die Lebensgefährtin des arbeitslosen Maschinenschlossers mit ihm ausgesöhnt. Man lebt zusammen in einem gemeinsamen Hausstand, von Heirat ist die Rede. Allerdings: „Erst, wenn ich wieder eine Arbeit gefunden habe“, sagt der Angeklagte. Positive Prognose Damit es so weit kommen konnte, hat sich der Mann einiges abverlangt. Wohl geschockt von seinem eigenen Tun, hatte er sich nach dem tätlichen Übergriff auf seine Partnerin selbst in die Beratungsstelle der Caritas begeben. Dort erkannte man die Schwere seines Suchtproblems und riet ihm zu einer stationären Entzugstherapie. Die trat er Anfang Oktober in der Klinik Furth im Wald an. Nach zwei Monaten kehrte er zurück – „trocken“, einen Entlassungsbrief mit positiver Prognose im Falle einer ambulanten Therapiefortsetzung in der Tasche. Entscheidend dafür sei gewesen, dass der Patient seine Abhängigkeit eingestanden habe und dass er sich zu einer abstinenten Lebensweise bekenne. Richterin Grub wies darauf hin, dass genau dieser Umstand ausschlaggebend bei der Strafzumessung gewesen sei, wie auch das nach wie vor deutlich erkennbare Bemühen des Angeklagten aus Landsberg „den eingeschlagenen Weg fortzusetzen.“ Direkt nach seiner Entlassung hatte sich dieser nämlich zur Weiterbehandlung zur Caritas in ambulante Therapie begeben; und, „Grundbedingung für ein Zusammenleben“ mit der Lebensgefährtin: Seit dem Vorfall hat der Reuige „komplett garnichts mehr getrunken.“ Das zumindest sei positiv an dem Abend, der so aus dem Ruder gelaufen war, meint die selbstständige Kinesiologin heute: „Das war die Initialzündung, dass er wach geworden ist.“

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