2018: Jahr der Biene im Landkreis Landsberg

Schätze sollen erhalten bleiben

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Blühende Landschaften finden Bienen im Landkreis immer weniger. Im „Jahr der Biene“ will der Kreistag diesem Problem 2018 entgegenwirken.

Landkreis – Das Jahr 2018 soll im Landkreis ein „Jahr der Biene“ werden. Zur Einführung in das Thema referierte der Botaniker Dr. Andreas Fleischmann im Kreistag über das nützliche Insekt, das mit vielen verschiedenen Arten in der Region vertreten ist – noch. Der Experte machte auch deutlich, welchen Beitrag Landkreis und einzelne Gartenbesitzer leisten können, um die Vielfalt an Wildbienen zu erhalten.

Von 578 nachgewiesenen Wildbienenarten leben im Landkreis bis zu 250, so Fleischmann. Im Unterschied zur Honigbiene erzeugen sie zwar keinen süßen Brotaufstrich, sind aber die zu 30 Prozent effektiveren Bestäuber. Die Bedeutung der Biene für die Pflanzenwelt und damit auch für Mensch und Tier könnte kaum größer sein. „Ohne Bienen gäbe es keine Früchte, und auch die Tierernährung würde schwierig.“

Viele Wildbienenarten leben im Boden – die Sandbiene zum Beispiel nistet in unmittelbarer Nähe des Landratsamts zwischen den Lechkieseln. Manche Arten finden sich in den kiesigen Böden der Bosse- und der Waitzinger Wiese, zwischen Kopfsteinpflaster oder auf unbefestigten Feldwegen. Andere nisten in Holzstößen, Mauern oder Schneckenhäusern.

Die Kuckucksbiene – laut Fleischmann die seltenste Art überhaupt – legt ihre Eier in fremde Nistplätze, genauso wie der Vogel, dem sie ihren Namen verdankt. Die Blattschneiderbiene stattet ihr Nest mit Blattstücken aus, die sie zusammengerollt wie Zigarren unter dem Körper transportiert – ein Phänomen, dem Fleischmann manchen erstaunten Anruf von Gartenbesitzern verdankt, die schildern, wie die Insekten auf einem zusammengerollten Blatt durch die Luft „reiten“.

Fazit: Die Wildbienen sind ein Schatz, und der Landkreis hat ein „noch sehr artenreiches Inventar“. Dass blühende Landschaften zunehmend verschwinden, ist allerdings eine Bedrohung für die Insekten. Denn als Nahrung benötigen sie ein reiches Blütenangebot von Frühjahr bis Herbst – und zwar von heimischen Pflanzen wie Glockenblume oder Storchschnabel. Hier kann jeder Gartenbesitzer eine Beitrag leisten, indem er Wildblumenecken anlegt. Wie groß der Nutzen wäre, machte Fleischmann mit einer einfachen Rechnung deutlich: „Alle Privatgärten in Deutschland sind zusammen genommen zehnmal größer als alle Naturschutzgebiete Deutschlands zusammengenommen.“

Auch der Landkreis kann einiges für blühende Landschaften tun, so der Botaniker – mit einer entsprechenden Bepflanzung des öffentlichen Grüns zum Beispiel. Außerdem riet Fleischmann von der Mulchmahd ab, also dem Liegenlassen abgemähten Grüns. An Straßenrändern sollte Wildblumen wachsen dürfen, und das Mähen von Straßenbegleitgrün sollte auf zweimal im Jahr beschränkt sein.

Von den Kreisräten gab es Lob und Applaus für Fleischmanns Vortrag. Landrat Thomas ­Eichinger versprach, man werde sich im kommenden Jahr verstärkt mit dem Thema beschäftigen.

Ulrike Osman

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