Unerwünschte "Wahrheiten"

Rott – Das Buch von Augustine Schiele ist kaum auf dem Markt, da darf es nicht mehr verkauft werden – zumindest vorläufig. Per einstweiliger Verfügung will die Familie der Autorin verhindern, dass das 52-Seiten-Werk „Wunden, die niemals heilen – Bittere Wahrheiten“ weiter verbreitet wird.

Die 78-Jährige erzählt in dem Büchlein aus ihrem Leben in Rott, erhebt zum Teil schwere Vorwürfe und nennt unverblümt die Namen der „handelnden Personen“ – auch den von Altbürgermeister und Ehrenbürger der Gemeinde Rott, Ignaz Schiele.

Per „einstweiliger Verfügung“hat die Familie von Augustine Schiele dafür gesorgt, dass ihre „bitteren Wahrheiten“ nicht weiter in den Umlauf gebracht werden dürfen.

Der Ärger war vorprogrammiert und dem Verlag offenbar durchaus klar. Das Buch, das von Lieblosigkeit, Lüge, Betrug und Missachtung erzählt, werde „für Aufruhr vor allem in der Familie Schiele und bei einigen noch lebenden Personen in Rott sorgen“, heißt es in einem Pressetext, in dem die Neuerscheinung in einer ersten Auflage von 100 Exemplaren angekündigt wurde. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. „Die Familie hat vor dem Landgericht Augsburg eine einstweilige Verfügung gegen Frau Schiele und den Verlag erwirkt“, erklärt Kerstin Moser vom Verlag Basic Erfolgsmanagement in Pfarrkirchen. Mehr noch, der gesamte Bestand sei von Familienangehörigen direkt bei Augustine Schiele abgeholt worden. „Bis über die einstweilige Verfügung entschieden ist, dürfen weder die Autorin noch wir das Buch weiter verbreiten“, so Moser weiter. Auch eine Landsberger Buchhandlung, die regionalen Autoren gegenüber sehr aufgeschlossen ist, nahm das Werk sofort aus dem Sortiment.

Der die Familie Schiele vertretende Rechtsanwalt Ole Brinkmann von der Landsberger Kanzlei Dlugosch, Feller, Mielke bestätigt das rechtliche Vorgehen. Er rechnet damit, dass das Landgericht noch in dieser Woche die einstweilige Verfügung erlässt. Sollte die Autorin Widerspruch einlegen, käme es zu einer öffentlichen Verhandlung, in der die Vorwürfe aus dem Buch auf den Tisch kämen.

Das Leserinteresse an Augustine Schieles Werk ist groß. Beim KREISBOTEN, in dem die Neuerscheinung vorgestellt worden war, gingen zahlreiche Anfragen nach dem Buch ein, und beim Verlag häuften sich die Bestellungen, die nun nicht beliefert werden können. „Die Aussendungen waren bereits vorbereitet“, so Moser. Auch erhalte sie viele Anrufe und E-Mails von Interessierten aus Rott und Umgebung, die sich durchaus positiv zu Augustine Schiele äußerten.

Die 78-Jährige lebt seit 1986 – gesundheitlich angeschlagen und in ärmlichen Verhältnissen – in Bad Füssing. Ihr Arzt habe der alten Dame geraten, sich die belastenden Erinnerungen von der Seele zu schreiben, so Moser. Den Verlag, der das Büchlein herausbrachte, fand Schiele per Inserat.

Ulrike Osman

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