Hoher Besuch in Windach:

Bundesforschungsministerin weiht DELO-Gebäude ein

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Sabine Herold, Dr. Wolf-Dietrich Herold und die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Prof. Dr. Johanna Wanka (von links).

Landkreis – Mancher Satz schreibt sich so leicht: Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Professor Dr. Johanna Wanka, kam am Donnerstag zu DELO nach Windach, um dort ein neues Verwaltungsgebäude einzuweihen. Doch in Wirklichkeit ist das eine kleine Sensation: Wanka hätte viel zu tun, wenn sie solche Ereignisse im Allgemeinen wahrnähme. Dass sie kam, vor den 80 Ehrengästen redete und dann die Innovationsstätten besichtigte, hat zwei Gründe. Beide sind Komplimente für die Unternehmensgründer und -chefs Sabine und Wolf-Dietrich Herold.

Der erste Grund: Die geschäftsführende Gesellschafterin, Sabine Herold, ist seit 2014 Mitglied im Steuerkreis des Innovationsdialogs zwischen der Bundeskanzlerin, der Wirtschaft und der Wissenschaft. Dem relativ kleinen Gremium gehören neben Angela Merkel seitens der Bundesregierung auch Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries und Bundesforschungsministerin Johanna Wanka an; die Damen kennen und schätzen sich. Herold diskutiert zusammen mit weiteren Vertretern von Wirtschaft und Wissenschaft dort über Rahmenbedingungen für Forschung und technische Entwicklung. Mit ihr am Tisch sitzen unter anderem Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzende von Boehringer, Bosch, BMW und United Internet.

Diesmal ist es ein Verwaltungsgebäude. Die Herolds versprachen: Der nächste Neubau geht wieder an Forschung und Entwicklung.

Der zweite Grund, warum Johanna Wanka zu DELO kam: Auch in Berlin wird mit Respekt beobachtet, dass das Unternehmen, das Industrie-Klebstoffe herstellt und stetiges Umsatz- und Mitarbeiterwachstum verzeichnet, in außergewöhnlichem Umfang Innovationen schafft. 38 Prozent des Umsatzes erzielt DELO mit Entwicklungen, die jünger als drei Jahre sind. Das zeige die „starke strategische Orientierung“ der beiden Gründer und Eigentümer, lobte Wanka, die gut im Thema ist: Die Mathematikerin lehrte an der Universität Chemie und Verfahrenstechnik; sie hat „eine Affinität zu den Produkten von DELO“.

Die Ministerin, die der CDU angehört, war auch im Konkreten gut vorbereitet: „In 80 Prozent aller Chip- und Sim-Karten und in 50 Prozent aller Handys und Autos weltweit sind Klebstoffe von DELO verarbeitet. Das ist ein großartiger Erfolg. Das ist eigentlich unvorstellbar.“ Das sei zugleich ein Beleg dafür, dass sich Investitionen in Forschung, Entwicklung und Weiterbildung lohnten. Deutschland sei im 2017er Davos-Ranking in Sachen „Global Performance“ auf dem vierten Platz der Industrienationen, vor Japan und den USA. „Wie kann eine Nation, die nur ein Prozent der Weltbevölkerung umfasst, so leistungsstark sein?“ fragte Wanka und gab die Antwort selbst: „Weil wir gut ausgebildete Fachkräfte haben; es ist die deutsche Ingenieurkunst, die diesen Erfolg schafft“.

Digitalisierung, Globalisierung und Migration stellten allerdings erhebliche Herausforderungen dar. „Wir können diese Position leicht wieder verspielen“. Aufgrund der Tatsache, dass die Bundesregierung auch in schlechten Zeiten die Ausgaben für Bildung und Forschung erhöht habe, in den vergangenen vier Jahren sogar um 27 Prozent, sei die Attraktivität Deutschlands für Forscher aus aller Welt enorm gestiegen. Die Wirkungen seien ablesbar: „Wir gehören zu den drei größten Hightech-Exporteuren. Bei weltmarktrelevanten Patenten sind wir weit vor den Amerikanern. Und jede sechste deutsche Publikation wird global zitiert.“

Ein Gegenbeispiel

Sabine Herold hatte zuvor betont, es gebe immer wieder drei Vorwürfe: Der Mittelstand verschlafe die Digitalisierung. Der Erkenntnistransfer von der Wissenschaft zur Wirtschaft klappe nur mäßig. Und der Mittelstand investiere zu wenig in Forschung und Entwicklung. DELO sei für all das ein Gegenbeispiel. Mitarbeiter von DELO beobachteten sehr genau die Entwicklungen zum Beispiel im Automobilbereich. „Kein Auto ohne Sensoren, kein Sensor ohne Klebstoff – herrlich!“ Jede Handy-Kamera bestehe aus Einzelteilen, „die werden natürlich geklebt“. Und immer mehr Displays würden benötigt – für einen Klebstoff, der zugleich Reflektionen vermindert, bekam DELO den Innovationspreis der Deutschen Wirtschaft.

Auch in den Arbeitsabläufen spiegele sich das wieder: „Wir haben keine Papierakten für unsere Kunden mehr, keine Aufträge, keine Lieferscheine, keine Rechnungen. Alles ist digital.“ Das Forschungsministerium fordere manchmal „Originalrechnungen“ – „das gibt’s bei uns nicht mehr“. Bei DELO sei „alles verknüpft“ – beispielsweise werde ein Messergebnis automatisch elektronisch zur Verfügung gestellt, Übertragungsfehler seien ausgeschlossen. Freilich koste das viel Geld. 2016 habe DELO 20 Prozent der Investitionssumme für Hard- und Software ausgegeben.

15 Prozent des Umsatzes gehe in Forschung und Entwicklung, hatte Wolf-Dietrich Herold zuvor bereits hervorgehoben und Sabine Herold knüpfte daran mit einem Appell an die Ministerin an: „Bitte bleiben Sie bei der steuerlichen Forschungsförderung am Ball, und zwar unabhängig von Betriebsgrößen!“ Wanka stimmte ihr später in ihrer Rede zu und machte ihr Hoffnung: „Jetzt ist auch Schäuble soweit.“ Die steuerlichen Erleichterungen dürften in der Tat nicht auf kleine Unternehmen beschränkt bleiben. Wichtig sei aber auch Weiterbildung; sechs Prozent des Gewinns stecke DELO in die Weiterbildung der Mitarbeiter – „das habe ich mit Freude registriert“.

Agiles Arbeiten

Das neue Verwaltungsgebäude von DELO, das Ministerin Wanka und das Ehepaar Herold symbolisch eröffneten, bietet auf einer Fläche von 4.600 Quadratmetern Raum für 150 weitere Arbeitsplätze. Viel Fläche sei für temporäre, interdisziplinäre Projektteams vorgesehen – das ermögliche „agiles Arbeiten“. Glaswände im Inneren stünden für Transparenz, Offenheit und eine „gelebte Kommunikationskultur“.

Das Unternehmen macht zurzeit 95 Millionen Euro Umsatz und hat 580 Mitarbeiter. In den vergangenen Jahren hatte DELO bereits die Labor-, Produktions- und Lagerkapazitäten erweitert. Und wenn es jetzt auch um eine Expansion im Verwaltungs- und besonders im Vertriebsbereich ging: Die nächste Baustelle werde wieder im Forschungsbereich stattfinden. Das, so scherzte Wolf-Dietrich Herold in seiner Rede, habe ihm „Biene“ versprochen.

Werner Lauff

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