Einzelhändler machen mobil

Der Ausriss aus den städtischen Hauptplatz-Nachrichten vom Februar 2011 belegt, dass die Durchfahrt für Anlieger ursprünglich möglich sein sollte. Repro: Kruse

Immer mehr Einzelhändler bringen sich gegen den geplanten Ablauf des Hauptplatz-Umbaus in Stellung. „Insgesamt 90 Betriebe“ hat Initiator Tobias Frage inzwischen im Verteiler stehen. Die meisten davon seien nicht gut auf die Stadt zu sprechen. Sogar die Möglichkeit einer Sammelklage werde derzeit geprüft, so der Schuhhändler aus dem Hin­ter­anger.

Inzwischen hat sich auch der Bund der Selbstständigen eingeschaltet. Dessen stellvertretender Landsberger Vorsitzen­- der, Ingolf Brauner, moderierte die jüngste Veranstaltung der Einzelhändler, bei der drei Sprecher der Initiative gewählt wurden: neben Tobias Frage auch Monika Bigus (Culiente) und Marc Schmid. Der Apotheker hatte allerdings gar nicht so lange gewartet und sich bereits zuvor gemeinsam mit seiner Schwester Katja (Sehform) und Eduard Epple (Discy) mit OB Ingo Lehmann getroffen. Dort schlug man versöhnliche Töne an. Epple sieht sich hier durchaus im Widerspruch zur harten Position zahlreicher Händler. „Wir haben den Hauptplatzumbau gewollt, jetzt müssen wir eben schauen, dass wir gemeinsam das Beste daraus machen.“ Es seien 100000 Euro Etat da, die müsse man jetzt aber auch abrufen. „Generell sehe ich eher ein gesellschaftliches Problem“, sagt Epple, „dem Einzelhandel in Landsberg fehlt sowohl Solidarität als auch eine Leitfigur, die integrativ arbeiten kann.“ Gegenüber der Stadt gebe es jetzt nur ein Konzept: Reden, reden, reden. Man könne das nur miteinander schaffen. Allerdings weiß Epple auch: „Keine Frage, einigen steht das Wasser bis zum Hals. Und Angst ist ein schlechter Ratgeber.“ Tobias Frage wählt drastischere Worte: „Wenn so lange gesperrt wird, wie jetzt geplant und die Umsätze zweimal ein halbes Jahr lang einbrechen, sind einige schlicht pleite“, so seine Rückmeldung aus dem Kollegenkreis. Von neuen Gesprächen mit der Stadt hält er nur bedingt etwas. „Reden und informieren hätte die Stadt schon lange müssen, diese Chance ist vertan.“ Die Form der Bürgerbeteiligung, die gewählt wurde, sehen er und andere Händler ebenfalls kritisch. „Es sind nur die Einzelhändler am Hauptplatz informiert worden und auch die hatten keine Möglichkeit, Einfluss zu nehmen. Mit den anderen hat überhaupt niemand geredet, da weiß niemand, was genau auf ihn zukommt.“ Deshalb hat die Bürgerinitiative jetzt einen Forderungskatalog aufgestellt, der zwei Kern­- punkte enthält: „Sofortiger Baustopp und Rückführung auf zweimal sechs Wochen statt sieben Monaten Komplettsperrung". Dafür sieht OB Lehmann keinerlei Chance: „Es bleibt beim Baubeginn am 26. März.“ Bis zum Sonntag ist der Hauptplatz noch offen, in der Nacht tritt dann die Umleitungsbeschilderung in Kraft. Lehmann legt großen Wert darauf, dass man von einer Sperrung nicht reden könne. „Das ist falsch, der Hauptplatz wird nicht gesperrt, nur die Zufahrt über die Herkomer-Straße wird gesperrt. Der Platz selbst ist im ersten Jahr noch offen.“ Wer aus München nach Landsberg komme, der könne ihn normal befahren. In einem Punkt kann der OB den Händlern Hoffnung machen: Wenn die neue Fahrbahn im kommenden Jahr fertiggestellt ist, könne diese möglicherweise bereits benutzt wer­den, während im unteren Bereich noch gepflastert wird. „Das ist vorstellbar.“ Damit wäre der Platz deutlich früher als zurzeit geplant wieder befahrbar. Lehmann weist allerdings zurück, dass von der Stadt zugesagt worden war, die Durchfahrt sei lediglich zweimal sechs Wochen nicht möglich. „Niemand Verantwortlicher hat so etwas gesagt. Nachdem wir im Verbund pflastern und nicht asphaltieren, war immer klar, dass man in dieser Zeit nicht durchfahren kann.“ Ausgerechnet die von der Stadt selbst herausgegebenen Hauptplatz­- nachrichten vom vergangenen Jahr sagen allerdings etwas anderes: Für Anwohner, Lieferverkehr und Rettungsfahrzeuge sei die Durchfahrt während der gesamten Bauphase möglich, hieß es damals (siehe nebenstehenden Ausriss). Für Tobias Frage nur einer der Gründe, warum er nun in Opposition geht. „Man muss jetzt einmal sehen, wie das erste Treffen mit der Stadt ausfällt. Wenn sich da nichts bewegt, ist es durchaus möglich, dass man eine härtere Gangart anschlagen und Anwälte einschalten muss, denn es stellt sich die Frage, ob hier fahrlässig Existenzen vernichtet werden.“

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