Sankta Lucia

Leuchtender Chor

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Das Vocalensemble Landsberg unter der Leitung von Matthias Utz zauberte mit schwedischen und voralpenländischen Weihnachtsliedern eine ganz besondere Stimmung zum Fest der Heiligen Lucia.

Landsberg – Draußen ist es bereits dunkel, nur Kerzen erleuchten die Heilig-Kreuz-Kirche. Die Mitglieder des Vocalensemble Landsberg betreten singend den Kirchenraum, ihnen voran die Heilige Lucia: Sie trägt einen Kerzenkranz auf dem Kopf, während jedes Chormitglied ebenfalls eine Kerze in der Hand hält. Gefeiert wird Sankta Lucia, ein Heiligenfest, das vor allem im Norden Europas begangen wird. Den 35 Chormitgliedern des Vocalensembles gelingt es, mit ihren Weihnachtsliedern eine einmalige, besinnliche Atmosphäre zu zaubern.

Bei diesem stimmungsvollen Eingang singt das Vocalensemble das traditionell schwedische „Sankta Lucia“ und stimmt so gleich auf den Abend ein. Der Auftritt ist choreografiert: Für die ersten beiden Darbietungen umringen die Sänger die Zuschauer, die Stimmlagen bunt gemischt. Erst zum dritten Lied, dem ebenfalls traditionellen „Underbar en stjärna blid“, nehmen die Sänger vor dem Altar Aufstellung. Während der Aufführung teilt sich der Chor mehrmals, geht an einen anderen Ort – die ganze Kirche füllt sich mit den Stimmen des Vocalensembles Landsberg.

Das schwedische Fest „Sankta Lucia“ findet eigentlich am 13. Dezember statt: Vor der Einführung des Gregorianischen Kalenders 1752 war das der Tag, auf den in Schweden regelmäßig der Abschluss des kürzesten Tages im Jahr, die Wintersonnenwende, fiel. Die an diesem Tag geehrte Märtyrerin Lucia von Syrakus wird als Glaubenszeugin in vielen christlichen Religionen angeführt. Ihr Name bedeutet „die Leuchtende“, weshalb sie in der schwedischen Tradition mit dem Kerzenkranz gekrönt wird.

Das Vocalensemble Landsberg webte mit seinem Gesang einen atmosphärisch dichten, bewegenden Klangteppich. Insbesondere das „O magnum mysterium“ des dänisch-amerikanischen Komponisten Morten Lauridsen (geb. 1943) ließ Gänsehaut und Glücksgefühl entstehen: Der ursprünglich gregorianische Gesang in Lauridsens Bearbeitung baute sanfte Dissonanzen auf, die den Kirchenraum füllten und sich sogleich in Wohlgefallen auflösten. Ein weiterer eindrucksvoller Moment war das Solo der in Berlin studierenden Sopranistin Theresa Hüttner im schwedischen Volkslied „O makalösa stjärna“.

Neben den nordischen Kompositionen widmete sich das Vocalensemble auch bekannten Liedern wie „Es ist ein Ros entsprungen“, dem österreichischen Schlaflied „Es wird scho glei dumpa“ oder dem „Andachtsjodler“: Die spannenden Chorarrangements dieser Lieder verschafften aber auch hier ein völlig neues Hörerlebnis. Die moderne Bearbeitung des französischen Volksliedes „Entre le bouef et l’âne gris“ von Alfred Schronen, die der Komponist extra für das Vocalensemble schrieb, überraschte mit geflüsterten Sprecheinlagen, bevor das Konzert mit einem der bekanntesten schwedischen Weihnachtsliedern, dem „Jul, Jul“, und dem Volkslied „Der Heiland ist geboren“ schloss.

Vor dieser letzten Darbietung bittet Chorleiter Matthias Utz die Zuhörer, hinter den Sängern das Gebäude zu verlassen: „Wir möchten sie gerne nach draußen begleiten und Ihnen dort noch ein Lied singen.“ Mit dem anfänglichen „Sankta Lucia“ schreiten die Sänger hinter der Heiligen Lucia aus der Kirche und begleiten die Zuhörer mit „An Irish Blessing“ ins Freie. Bis alle Zuhörer in der voll besetzten Heilig-Kreuz-Kirche das Gebäude verlassen haben, singt der Chor die Strophen dieses irischen Volkslieds mehrere Male. Erst dann wird er mit jubelndem Applaus in die (fast) längste Nacht des Jahres entlassen.

Susanne Greiner

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