Für Adrenalin und Glückshormone

Eisbaden im Ammersee

Eisbaden im Ammersee
+
Glückshormone im eiskalten Ammersee bei St. Alban: Christian Wagner, Leo Steffens, Stefan Gruschwitz und Silvana Kolman (von links) beim Eisbaden.
  • Dieter Roettig
    VonDieter Roettig
    schließen

Dießen – Die einen graut es vor der Winterkälte, den anderen kann es nicht frostig genug sein. Dann zieht es sie an den Ammersee, wo sie genussvoll dem neuen Trend Eisbaden huldigen. So wie Stefan Gruschwitz und seine Partnerin Silvana Kolman, die sich dieser Tage bei minus zwei Grad Außen- und plus drei Grad Wassertemperatur mit Freunden in St. Alban trafen. Spaziergänger staunten nicht schlecht, als sich die Gruppe ihrer Klamotten bis auf Badehose und Bikini entledigten. Ohne Dehnübungen oder Abfrischen ging es vom Steg direkt rein in das eiskalte Nass.

Bis zu 15 Minuten bleiben die hartgesottenen Wasserratten bis zur Brust im See, wobei Stefan Gruschwitz sogar untertaucht. Durch die plötzlich eintretende Kälte ist die coole Truppe einem starken Temperaturreiz ausgesetzt. Um sich warm zu halten, reagiert der Körper, indem er schnellstmöglich Wärme produziert. Dabei weiten sich die Gefäße, die sich nach dem Tempe­ratursturz kurzfristig zusammengezogen hatten. Das Blut kann jetzt schneller zirkulieren, das Herz-Kreislaufsystem stabilisiert sich.

Silvana Kolman, die vor zwei Jahren das Eisbaden für sich entdeckt hat: „Für mich ist das wie Meditieren – nur ich, das Wasser und die Kälte. Der Kopf wird frei, man wird ganz ruhig und entspannt.“ Beim Bad werde das Stresslevel reduziert, das Immunsystem gestärkt und es werde mehr Energie freigesetzt.

Bademeditation

Stefan Gruschwitz behauptet gar, dass man neben einer merklichen Leistungssteigerung sogar ein paar wegen Corona-Frust angefutterten Kilos abnehmen kann. Vorausgesetzt, man zelebriert das Eisbaden regelmäßig und lässt die Schokolade weg. So wie das coole Paar, das stets nur kalt duscht und fast täglich für fünf bis 15 Minuten zur „Bademeditation“ in den Ammersee steigt. Sieht man die beiden und ihre kälteverrückten Freunde lächelnd im See sitzend, scheinen im kalten Wasser auch einige Glückshormone freigesetzt zu werden.

Nicht alleine

Stefan und Silvana warnen Anfänger, nicht ohne eine entsprechende Kenntnis mit dem Eisbaden zu beginnen. Häufige Fehler sind zu schnelle Atmung sowie Sportübungen vor und nach dem Bad. Auch sollten Anfänger nie alleine ins Wasser steigen, falls es zu einer Unterkühlung mit Folgen für das Herz-Kreislaufsystem kommt. Menschen mit gesundheitlichen Beschwerden oder auch Schwangere dürfen kein Winterbaden praktizieren. Damit man mit der Materie „warm wird“, bieten Stefan und Stilvana sogar Eisbade-Workshops und Einzelcoachings an.

Christian Wagner hat so einen Kurs besucht und ist nun dank vieler Praxistipps „regelmäßiger Eisbader“. Nicht nur im Ammersee. Er hat eine Spitzhacke im Kofferraum und wenn er an einem zugefrorenen See vorbeikommt, schlägt er sich ein Einstiegsloch und taucht ein. Leon Steffens hat im letzten Winter angefangen und möchte das Eisbaden nicht mehr missen. Er bleibt inzwischen bis zu zehn Minuten im kalten Nass und fühlt sich topfit.

Positiver Kick

Der Sportmediziner Prof. Martin Halle von der TU München hat für das Hochgefühl beim Eisbaden eine medizinische Erklärung: „Wenn sich die Gefäße wegen der Kälte zunächst verengen, werden Stresshormone wie Adrenalin und Noradrenalin ausgeschüttet.“ Das gebe den Eisbadern einen positiven Kick ähnlich wie bei Bungee-Jumpern.

Wichtig ist laut Stefan Gruschwitz, dass man sich nach dem Eisbaden nicht abtrocknet und gleich anzieht. Man solle meditieren, Tiefenatmung praktizieren und den Körper zur Ruhe kommen lassen. Die rot gefärbte Haut zeige, dass die Durchblutung angeregt ist. „Der Körper lernt so, sich selbst aufzuwärmen. Also bitte auch keine heiße Dusche oder Sauna für mindestens eine Stunde nach dem Eisbaden.“

Das Kältetraining kommt jetzt immer mehr in Mode, ist aber nicht neu. Es geht zurück auf den Niederländer Wim Hof, der zahlreiche Weltrekorde sowohl in klirrender Kälte als auch in enormer Hitze aufgestellt hat. Zu seiner Methode gehören neben dem Kältetraining insbesondere eine bestimmte Atemtechnik.

Stefan Gruschwitz, Jahrgang 1966 und von Beruf Baubiologe und Lifecoach, praktiziert seine Kälteanwendungen schon seit zehn Jahren. „Damit konnte ich meine leistungssportbedingten Knie-, Hüft- und Rückenprobleme enorm verbessern und sogar meinen Heuschnupfen ad acta legen.“
Dieter Roettig

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Wegwerfen wird um ein Drittel teurer
Landsberg
Wegwerfen wird um ein Drittel teurer
Wegwerfen wird um ein Drittel teurer
Dießener „Gewächshaus“ in der nächsten Gerichts-Runde
Landsberg
Dießener „Gewächshaus“ in der nächsten Gerichts-Runde
Dießener „Gewächshaus“ in der nächsten Gerichts-Runde
Impfkritiker Rolf Kron darf vorläufig nicht mehr als Arzt praktizieren
Landsberg
Impfkritiker Rolf Kron darf vorläufig nicht mehr als Arzt praktizieren
Impfkritiker Rolf Kron darf vorläufig nicht mehr als Arzt praktizieren
Das Sonderopfer Landratsamt
Landsberg
Das Sonderopfer Landratsamt
Das Sonderopfer Landratsamt

Kommentare