Elektrifizierung sorgt für Spannung

Der Auslöser muss zahlen

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Im Zuge der Elektrifizierung der Bahnstrecke München-Lindau werden Lärmschutzmaßnahmen an der Bahnbrücke bei Schwabhausen notwendig, weil die Züge sehr nah am Ort vorbei fahren.

Kaufering – Vertreter der Deutschen Bahn haben am Montag Kommunalpolitiker aus der Region über den Planungsstand in Sachen Elektrifizierung der Bahnstrecke München-Lindau informiert.

Bei der Veranstaltung in der Gaststätte Lechau in Kaufering stellte sich unter anderem heraus, dass die Straßenüberführung bei Machelberg erneuert werden soll, da sie für den elektrifizierten Zugverkehr zu niedrig ist. Dies sei „volkswirtschaftlicher Wahnsinn“, schimpfte der ehemalige Weiler Bürgermeister Josef Schmelcher. Die Straße ist nämlich erst 2003 neu gebaut worden. „Mir schwillt der Kamm“, so Schmelcher empört. Als die Straßenbaumaßnahme anstand, habe man bei der Bahn wegen der Höhe nachgefragt. Die winkte damals ab. „Hätten wir die Brücke höher gebaut, hätte die Bahn mitzahlen müssen, und das wollte sie nicht“, so Schmelcher. Auch Landrat Walter Eichner (CSU) zeigte sich überrascht. „Dass ein Neubau geplant ist, höre ich zum ersten Mal.“ Die Kosten trage die Bahn, versicherte Dr. Volker Henschel von der DB Netz AG. „Wir sind der Auslöser der Baumaßnahme, also zahlen wir.“ Auch die Straßenüberführung in Igling soll neu errichtet werden. Die Überführung zwischen Geretshausen und Ramsach kann dagegen stehen bleiben – hier wird das Problem der zu geringen Höhe durch eine Absenkung der Gleise gelöst.

Sorgen um den Lärm 

Ein weiteres großes Thema war der Lärmschutz, der den Bürgermeistern der Gemeinden Kaufering, Igling, Geltendorf und Weil Sorgen macht. Tatsächlich sind hier kaum Maßnahmen geplant, obwohl mit einer Erhöhung des Zugverkehrs gerechnet wird. Durch die Elektrifizierung allein werde der Lärm nicht stärker, versicherte der Münchner Schallgutachter Ulrich Möhler. Auch die schnelleren Fahrtgeschwindigkeiten begründeten noch keinen Anspruch auf aktiven Lärmschutz. Werde in Wohngebieten in 30 bis 40 Meter Abstand zu den Gleisen ein Grenzwert von 60 Dezibel überschritten, würden aber Schallschutzmaßnahmen vorgesehen. Dies ist in Schwabhausen der Fall. Die Anliegergemeinden befürchten eine Zunahme des Güterverkehrs, vor allem in der Nacht. Laut Angaben der Bahn verkehrten im Jahr 2010 zwischen Geltendorf und Buchloe insgesamt 102 Personen- und Güterzüge in 24 Stunden. Im Jahr 2025 sollen es 142 sein, davon 27 zwischen zehn Uhr abends und sechs Uhr morgens. Die FDP-Landtagsabgeordnete und ehemalige Bürgermeisterin von Merching (Landkreis Aichach-Friedberg) Brigitte Meyer riet den Kommunalpolitikern dringend, in Sachen Lärmschutz während der Planungsphase ihre Interessen mit Nachdruck zu vertreten und alle Absprachen mit der Bahn schriftlich zu fixieren. „Hinterher bekommen sie nichts mehr nachgerüstet“, so Meyer. Die Elektrifizierung der Strecke München-Lindau soll eine Verringerung der Fahrtzeiten mit sich bringen. Personenzüge werden dann von München nach Lindau nur noch eine Stunde und 50 Minuten benötigen, die Strecke von München nach Zürich soll in drei Stunden und 15 Minuten zurückgelegt werden. Dies ist einer Reduzierung von rund 20 Prozent. Wie Monika Knoll von der DB Netz AG sagte, befinde sich die Bahn derzeit am Ende der Vorplanungsphase. Bis März kommenden Jahres soll die Finanzierung des Projekts geklärt sein, das ein Volumen von 310 Millionen Euro hat. Mit dem Eintritt in das eigentliche Planfeststellungsverfahren rechnet man nicht vor 2015, mit dem Baubeginn nicht vor 2017. Spätestens 2020 soll die Maßnahme abgeschlossen sein. Ulrike Osman

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