Elfmeter mit Folgen

Mit dem Torrichter gäb’s klare Verhältnisse… Cartoon: Pfeffer

Ein verschossener Elfmeter, ein aufgebrachter Torwart und ein Faustschlag gegen das Kinn eines Zuschauers hat in der vergangenen Woche das Amtsgericht Landsberg beschäftigt. Ob die Faust des Torwarts tatsächlich im Gesicht des Zuschauers gelandet ist, war auch nach zwei Stunden Verhandlung und sieben Zeugenaussagen unklar. Um weitere Zeugen zu laden, unter­brach Richterin Beate Kreller die Verhandlung und setzte für 29. März einen Fortsetzungstermin an.

Zugetragen hat sich der Vorfall im vergangenen September bei einem Fußballspiel zwischen dem TSV Finning und Türkspor Landsberg. In der 79. Minute gab der Schiedsrichter einen Elfmeter für Finning. Der Torwart von Türkspor schoss den Ball aus Wut über diese Entscheidung vom Spielfeld und sah dafür die Gelbe Karte. Als der Elfmeter anschließend ausgeführt wurde, hatte Türkspor jedoch Glück: Die Finninger verschossen den Strafstoß, der Ball flog weit über das Tor. Nur geschubst? Was sich dann abspielte, wurde vor Gericht vom angeklagten Torwart, dem Geschädigten und den Zeugen sehr unterschiedlich dargestellt. Der Keeper gab an, er habe den Ball aufs Spielfeld zurückholen wollen und sich danach gebückt. Daraufhin habe ein Zuschauer das Leder in eine andere Richtung gekickt. „Dabei hat er mich leicht berührt. Ich richtete mich auf und schubste ihn weg“, erklärte der 32-Jährige aus Kaufering. „Mit der Faust geschlagen habe ich ihn nicht.“ Der betroffene Zuschauer, ein 62-jähriger Landwirt, schilderte den Vorfall ganz anders. Er habe den Ball nur leicht von sich weggeschoben und dafür von dem Torwart ohne Vorwarnung einen Kinnhaken verpasst bekommen. „Ich bin zu Boden gegangen und war bewusstlos“, so der Geschädigte. Nach dem Schlag habe er fast eine Woche nicht beißen und auf dem linken Ohr nicht hören können. Zum Arzt ging er trotzdem nicht. Wegen der vielen Arbeit auf seinem Bauernhof habe er dafür keine Zeit erübrigen können. Auch Anzeige erstattete er nicht. „Ich wollte meine Familie schützen. Wer weiß, wozu diese Leute noch fähig sind“, sagte der 62-Jährige und bemühte sogar einen Vergleich mit Dominik Brunner. „Ich gehe seit 40 Jahre zum Fußball, aber so etwas ist mir noch nie passiert.“ Von den Zeugen schilderte praktisch jeder eine andere Version der Geschehnisse. Der Unparteiische will einen Schlag auf die Wange des Geschädigten beobachtet haben. Der Ball – obwohl angeblich Auslöser des Vorfalls – sei aber gar nicht in der Nähe der beiden Männer gewesen. Ein Vertreter des Finninger Sportvereins berichtete von zwei Schlägen gegen das Opfer, „dabei hatte der Angeklagte den Ball in der Hand“. Ein Mitarbeiter des Ordnungsdienstes hat gar keinen Schlag gesehen. Ein 21-Jähriger, der das Spiel vom Finninger Balkon aus verfolgt hatte, gab an, ein Zuschauer auf einem Fahrrad habe den Ball mit dem Fuß ge­stoppt. Und diesen Zuschauer habe der Angeklagte „umgeschubst“. Dazu befragt, erklärte der Landwirt, der Mann auf dem Fahrrad sei ein Bekannter gewesen. „Als ich den Faustschlag bekam, hat er sein Fahrrad fallen lassen und versucht, dem Torwart einen Fußtritt zu versetzen, was aber misslang.“ Der Mann auf dem Fahrrad spielte auch in drei weiteren Zeugenaussagen eine Rolle. Ausgerechnet er hatte sich zum Verhandlungstermin krank gemeldet. Nun soll er auf Antrag von Staatsanwältin Yvonne Möller aber doch gehört werden, ebenso wie ein Linienrichter und ein Polizeibeamter, der seinerzeit gerufen worden war. Das Spiel war nach dem Elfmeter zu einem Tumult ausgeartet und musste abgebrochen werden – weil Zuschauer den Platz stürmten. Fortsetzung folgt…

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