Eltern für andere Kinder – Bundesverdienstmedaille für Pflegeeltern Werner und Marie-Luise Alig

Elternsein ist ganz natürlich – für die eigenen Söhne und Töchter zumindest. Paare, die sich entscheiden, Pflegeeltern zu werden, sind eher ungewöhnlich. Werner und Marie-Luise Alig sind solche besonderen Eltern. Seit 1974 schon geben sie Vater- und Mutterliebe auch an fremde Kinder weiter, die es besonders nötig haben. Für ihr „liebevolles und verantwortungsbe- wusstes“ Engagement wurde das Ehepaar beim „Neujahrsempfang für Pflegeeltern“ des Landkreise am Freitag mit der Bundesverdienstmedaille geehrt.

Die aus Hessen stammenden Aligs leben seit 1992 in Scheuring. Heute sind noch drei Pflegekinder, im Alter von zehn, 14 und 22 Jahren Teil ihrer Familie, zu der auch zwei leibliche Kinder im Alter von 26 und 34 Jahren gehören. Viele Kinder und eine große Familie sind bei den Aligs normal: „Wir stammen selbst aus kinderreichen Familien“, erklärt Marie-Luise Alig, und als ehemalige Kindergartenleiterin habe der Gedanke, Buben und Mädchen aufzunehmen, nahe gelegen. Zudem brauchten sie eine Betreuung für die eigenen Kleinen. Als Tagespflegeltern waren sie zunächst aktiv und betreuten 14 Jahre lang, von Montag bis Samstag, Mädchen und Jungen. „Eltern bei der Erziehung zu unterstützen war meine Motivation“, erinnert sich die 58-jährige Pflegemutter, die ihren Beruf damals sozusagen mit nach Hause nahm. 1989 entschlossen sich die Eheleute, Pflegekinder in ihre Familie zu integrieren. Insgesamt fünf sind bei ihnen groß geworden. Seit dieser Zeit ist auch die mehrfach schwer behinderte Lisa (Name geändert) Familienmitglied der Aligs. Mit drei Jahren kam die heute 22-Jährige zu ihnen, die aufgrund einer schweren Erkrankung immer noch mit großen geistigen und körperlichen Entwicklungsverzögerungen zu kämpfen hat. Das Mädchen sitzt im Rollstuhl. Werner und Marie-Luise Alig ließen ihr umfassende Therapien und Hilfen zukommen. Lisa arbeitet heute im Magnusheim in Holzhausen und ist eine unkomplizierte, fröhliche junge Frau. Besonders sei sie bei Kindern mit psychischen Problemen gefordert, gibt die 58-Jährige Auskunft. Die weiteren vier Kinder, heute im Alter von zehn bis 26 Jahren, haben sie und ihr Mann ebenfalls schon im frühen Kindesalter in ihr Heim aufgenommen. Wenn Werner Alig von seinen Kindern erzählt, holt er aus: Denn, obwohl die Mädchen und Jungen noch sehr jung waren als sie zu ihnen kamen, haben sie schon viel erlebt – meist aber wenig Positives. Der „neue Vater“ hat für vier seiner Pflegekinder die Vormundschaft übernommen. Engagiert handelt der 61-Jährige aber auch in anderer Weise für Heranwachsende – jahrelang war er in Elternbeiräten an Landkreisschulen aktiv und ist seit September 2008 2. Vorsitzender der Mädchenrealschule in Dießen. Beim Bundesverband behinderter Pflegekinder hat er von 1998 bis 2005 mitgearbeitet. "Unbezahlbar" Für ihren außergewöhnlichen Einsatz, mit dem sich das Ehepaar gerade Kindern annimmt, die Probleme haben – seien es körperliche oder geistige Behinderungen oder ein gestörtes Sozialverhalten, sind die Aligs nun mit einer hohen Auszeichnung, der Bundesverdienstmedaille, geehrt worden. „Die Familie übernimmt mit ihrem Enga- gement wertvolle Dienste für die Kinder, das Allgemeinwohl und entlastet Staat und Öffentlichkeit in unbezahlbarem Maße“, würdigt Landrat Walter Eichner das, was Marie-Luise und Werner Alig jeden Tag für ihre Pflegekinder tun. Zur Zeit sind im Landkreis Landsberg 87 Kinder in 60 Pflegefamilien untergebracht, weiß Wolfgang Müller vom Landratsamt, zu berichten.

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