Walleshausener sind empört:

Bistum verscherbelt 400 Jahre alten Pfarrhof

Pfarrhof Walleshausen
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Soll verkauft werden: das Baudenkmal Pfarrhof Walleshausen.
  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Walleshausen – Über die Region hinaus als Baudenkmal mit 400-jähriger Geschichte bekannt ist der Pfarrhof in Walleshausen. Jetzt soll er verkauft werden – wegen hohen Sanierungsbedarfs. Es geht nicht anders, sagt das Bistum Augsburg. Sogar einen Interessenten gibt es bereits. Im Ort sind viele Menschen entsetzt und wütend.

Seit der langjährige Walleshauser Pfarrer Petar Vrankic vor gut drei Jahren in den Ruhestand ging, ist das imposante Gebäude unbewohnt. Walleshausen gehört seit 2018 zur Pfarreiengemeinschaft Geltendorf mit dem leitenden Pfarrer Thomas Wagner – obwohl ursprünglich noch die Rede von bevorstehenden Sanierungsarbeiten und einem neuen Geistlichen für den Ort war. Doch daraus ist nichts geworden. Bereits erteilte Sanierungsaufträge seien damals zurückgerufen worden, berichtete Kirchenpfleger Claudius Mastaller kürzlich bei einer Zusammenkunft von Gemeindemitgliedern vor der Kirche.

Die Bürger hatten sich eingefunden, um spontan gegen den Verkauf des Pfarrhofs zu protestieren. Es hatte sich herumgesprochen, dass Vertreter der Diözese Augsburg sich vor Ort mit einem Interessenten treffen wollten. Man fühle sich weder in die Entscheidung einbezogen noch ausreichend informiert, so der Tenor des Protests. „Uns blutet das Herz, wenn das Gebäude verscherbelt wird“, machte ein Teilnehmer seiner Empörung Luft und sprach damit wohl den meisten aus der Seele.

Der oberhalb der Paar gelegene Pfarrhof neben der Kirche Mariä Himmelfahrt blickt auf eine jahrhundertelange Geschichte zurück. Nach dem 30-jährigen Krieg wurde er erneuert und erweitert und Anfang des 18. Jahrhunderts durch eine Aufstockung zur Sommerresidenz der Pröpste des Klosters Polling ausgebaut.

Der Bayerische Denkmalatlas spricht von einem „stattlichen Bau mit Querflügel nach Süden, Bodenerker und Walmdach“ sowie einem „Ostportal mit reichem Schnitzdekor“. Dieser architektonische Reichtum sei durch das Zutun der lokalen Bevölkerung entstanden, sagt Michael Veneris, Vorsitzender des Vereins Dorfgemeinschaft Walleshausen und Mitglied im Geltendorfer Gemeinderat. „Es klebt viel Herzblut dran.“ Seit die Entscheidung gefallen sei, keinen Pfarrer mehr in Walleshausen zu installieren, habe die Kirche nichts mehr in den Erhalt des Gebäudes investiert.

Die Pressestelle des Bistums Augsburg teilt auf Anfrage des KREISBOTEN mit, dass der Bau- und Finanzausschuss der Diözese bereits 2017 – „auch aufgrund einer ersten Kostenschätzung“ –die Empfehlung ausgesprochen habe, das Objekt nicht wieder zu besetzen. Bauliche Untersuchungen hätten für das gesamte Pfarrensemble inklusive Pfarr- und Jugendheim einen Investitionsbedarf zwischen 1,4 und 1,6 Millionen Euro ergeben.

Aus Sicht des Bistums gibt es deshalb keine Alternative zum Verkauf des Wohnhauses – auch im Sinne „eines verantwortlichen und nachhaltigen Umgangs mit Kirchensteuermitteln“, wie es in der Stellungnahme heißt. „Eine Vermietung würde die hohen Sanierungs- sowie späteren laufenden Kosten kaum decken.“ Grundsätzlich gelte: Sofern eine Instandsetzung von Gebäuden nicht zu rechtfertigen sei, würden diese nach entsprechender öffentlicher Bekanntgabe auch an Dritte veräußert oder im Erbbaurecht abgegeben. Das betrifft nicht nur den Ort an der Paar. „Derzeit beabsichtigt die Diözese auf dem gesamten Bistumsgebiet 25 kirchliche Gebäude abzugeben.“

Im Falle des Walleshauser Pfarrhofs ist der Kaufinteressent ein Privatmann, der mit seiner Familie in das Gebäude einziehen möchte. Er habe sich bereiterklärt, „den angebauten Pfarrheimteil samt Pfarrgarten auf Grundlage einer noch zu besprechenden Vereinbarung bis auf Weiteres der Pfarrei zur Nutzung überlassen“, so die Pressestelle des Bistums. Das kirchliche Leben vor Ort werde „wirklich nicht beeinträchtigt“, versuchte auch Pfarrer Wagner die aufgebrachten Gemeindemitglieder zu beruhigen.

Was die Walleshauser allerdings ärgert: Im November 2015 wurde die staatliche Baulast am Pfarrhof mit Vertrag zwischen dem Freistaat und der Katholischen Pfarrpfründestiftung Mariä Himmelfahrt mit einer Summe von rund 111.000 Euro abgelöst – ohne dass von diesem Geld jemals etwas in Walleshausen ankam. Das Bistum bestreitet das nicht. Die Ablösesumme sei an die Diözese Augsburg gegangen, die sie zur Instandhaltung „erforderlicher Pfarrhöfe“ verwendet habe.

Auch das Pfarrhaus in Walleshausen könnte in diese Gruppe gehören, wenn dem Ort nach dem Weggang Vrankics weiter­hin ein eigener Pfarrer zuerkannt worden wäre. Man hatte sogar einen geeigneten Priester gefunden und beim damaligen Bischof Konrad Zdarsa vorgesprochen, sagt Kirchenpfleger Mastaller. Doch der Vorschlag wurde abgelehnt – weil der Geistliche angeblich nicht inkardiniert war. Das habe aber nicht gestimmt, so Mastaller. „Entweder das Ordinariat hat den Bischof belogen, oder der Bischof hat uns belogen.“ Der 48-Jährige ist enttäuscht von den Verantwortlichen und spricht von einem „Versagen der Hirten“. Sein Amt als Kirchenpfleger hat er zum 31. März niedergelegt. Bis jetzt hat sich noch niemand gefunden, der die Nachfolge antreten will.

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