Keine Kunst mehr am Weg

Das Ende des Ammersee-Skulpturenwegs

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Franz Hartmanns Wäscheklammer im Großformat ist eines der Objekte des Schondorfer Skulpturenwegs. Ende des Jahres soll er abgebaut werden

Schondorf – Ein Segel, das Durchblick auf Andechs bietet, ein Boot aus Ästen, schwebend in der Luft oder gestapelte Dodekaeder aus spiegelndem, da polierten Edelstahl, genannt „Mutter mit Zwillingen“: Die Kunstobjekte des Schondorfer Skulpturenwegs erfreuen und locken zahlreiche Neugierige. Offenbar zu viele, vor allem Radfahrer, sagt der Greifenberger Benedikt Freiherr von Perfall, Eigentümer eines Großteils des betreffenden Waldgrundstücks. Zudem laufe der mit den Initiatoren geschlossene fünfjährige Vertrag aus. Weshalb der Schondorfer Skulpturenweg Ende des Jahres Geschichte sein wird.

„2014 haben wir mit von Perfall und den Künstlern den ersten Vertrag über drei Jahre geschlossen“, erzählt Altbürgermeister von Schondorf und einer der drei Skulpturenweg-Initiatoren Peter Wittmaack. Der Vertrag sei dann dankbarerweise 2017 nochmals für zwei Jahre verlängert worden. Dass von Perfall jetzt auf Vertragserfüllung beharre, sei verständlich. Er müsse den Wald forstwirtschaftlich nutzen können, meint Wittmaack. Würde der Weg weiterhin bestehen bleiben, müsse auch jemand dafür die Verantwortung übernehmen, „die Werke unterhalten“.

Dazu wäre aber offensichtlich die Gemeinde Schondorf bereit gewesen: Im September 2018 beschloss der Gemeinderat eine weitere Laufzeit-Verlängerung für den Skulpturenweg und stellte als Stellgeld für die Künstler 20.000 Euro in den Haushalt ein. „Es kann schon sein, dass der Gemeinderat das beschlossen hat“, meint von Perfall. „Aber der Vertrag war insgesamt auf fünf Jahre ausgelegt“, das Projekt von Anfang an befristet gedacht, nicht für die Ewigkeit – eine „Galerie auf Zeit“. Jetzt nehme der Verkehr immer mehr zu, sagt von Perfall, vor allem Radfahrer. Weshalb er auf Vertragserfüllung, also Schließung des Wegs besteht.

Gemeinde hat verlängert

Die "Liegende" von Matthias Rodach darf vorerst liegen bleiben.

„Ich finde den Skulpturenweg ein großartiges Projekt, wir hätten auch gerne weiter gemacht“, urteilt Schondorfs Bürgemeister Alexander Herrmann. „Der Gemeinderatsbeschluss im Herbst 2018, den Weg für drei weitere Jahre zu verlängern, war aber nur ein Vorratsbeschluss.“ – unter der Prämisse, dass von Perfall zustimmt. Von Perfall gehöre das Gelände links des Weges, rechts davon sei der Bayerische Staat der Eigentümer. „Und die Seeanlagen gehören der Gemeinde.“ Nun könne man die Skulpturen auf Von-Perfall-Seite wegräumen, überlegt Herrmann. „Aber was bleibt dann noch?“ Zudem sei die Rechts-Links-Trennung bezüglich des Weges auch nicht ganz korrekt: „Da gibt es immer mal wieder eine Zunge vom Perfall-Gelände zur anderen Seite.“ Man habe auch überlegt, den Weg in Richtung Utting neu anzulegen. Aber dort seien die Eigentumsverhältnisse noch weitaus schwieriger mit zahlreichen unterschiedlichen Privatbesitzern.

Die Werke, die in den Seeanlagen stehen, wie beispielsweise Anne Frankes „Treibgut“ oder Mathias Rodachs „Liegende“, blieben vorerst stehen, bestätigt Herrmann. Man überlege auch, ob nicht die Gemeinde eines davon kaufen wolle.

Weitermachen?

Würde man den Weg auf nur einer Wegseite weiterbetreiben, müsse man erst einmal Hand anlegen, sagt Kunstlehrer Joachim Dürler, der zweite im Bund der Initiatoren: Einige Skulpturen seien von Witterung und Stürmen beeinträchtigt und müssten restauriert werden. Auch wenn bei einigen Werken ein ‚Verwachsen‘ mit der Umwelt sogar gewollt ist.

„Vier Skulpturen wurden bisher schon entfernt: Magic Mushrooms, die Wölfe, die Glasobjekte und die Reflexion“, erzählt der dritte Weg-Initiator und Kulturreferent Walter Mayer. So leuchteten Katharina Ranftls Magische Pilze zu Beginn dem Besucher entgegen. Schon bald war Nachstreichen angesagt, weil die Farbe abblätterte. „Und als der Baum gefällt werden musste, die Pilze also hätten umziehen müssen, haben wir das Objekt abgebaut“, resümiert Mayer. Auch Ranftls Wölfe aus Ammersee-Schwemmholz sind nicht mehr da. Sie haben allerdings ein privates Zuhause gefunden – ganz in der Nähe des Weges.

„Wenn der Weg aufgelöst würde, wäre das sehr, sehr schade“, kommentiert Thomas Lenhardt, dessen „großer Fadenschein“ mit anderen Arbeiten den Eingang zum Weg ziert. Sicher bedauern eine Auflösung auch die anderen beteiligten Künstler. Dennoch scheint sie fast sicher zu sein

Insgesamt sei der Ablauf aber positiv, resümiert Dürler. „Nach unserer Idee für den Skulpturenweg haben wir uns sehr gefreut, dass die Gemeinde und die Familie Perfall der Aufstellung der Skulpturen zugestimmt haben.“ Auch bei der Verlängerung habe von Perfall mitgezogen. Die Stellgelder sowie die Kosten für die Aufstellung seien anfangs durch Sponsoren gedeckelt worden. „Die Gemeinde hat damals nur eine Bürgschaft geleistet“, konkretisiert Bürgermeister Herrmann. Auch bei der Verlängerung habe die Gemeinde nur einen niedrigen vierstelligen Betrag zuschießen müssen.

In der gesamten Zeit des Skulpturenwegs sei kein Schaden durch Vandalismus entstanden, fasst Ex-Bürgermeister Wittmaack abschließend zusammen. Es komme sicher wieder etwas anderes nach. Und: „Wir werden wohl auch wieder was machen.“ Vielleicht rumort in den drei Köpfen ja bereits eine neue, gute Idee.

Susanne Greiner

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