Am Ende fehlte ein Mosaiksteinchen

Direkt an der Westseite der Montessorischule Kaufering (rechts) hätte der Waldkindergarten installiert werden sollen. Foto: Kruse

Anmeldungen hatte man schon seit Januar angenommen, jetzt waren die Plätze an die Kinder vergeben, mit den Mitarbeitern und Pädagogen gab es bereits schriftliche Vereinbarungen, alles sah nach Eröffnung im September aus. An anderer Stelle war man aber offensichtlich noch nicht weit ge­nug: Aus dem Montessori-Waldkindergarten und der zugehörigen Spielgruppe in Kaufering wird überraschend doch nichts. „Am Ende des Tages hat einfach ein Mosaiksteinchen gefehlt“, bedauert Wolfgang Neumeier vom Kinderhaus Montessori, der die Verhandlungen mit dem Montessori-Förderverein geführt hat. Sowohl Eltern als auch die geplanten Mitarbeiter stehen damit, wenige Wochen vor dem neuen Kinder­gartenjahr, vor einer schwierigen Situation.

„Wir haben eigentlich nur noch aufs Elterngespräch ge­- wartet“, sagt eine enttäuschte Mutter gegenüber dem KREISBOTEN, „als wir ohne Begründung die Nachricht bekommen haben, dass aus der Gruppe nichts wird. Das ist für uns jetzt bitter, da wir die Zusage hatten und deshalb andere Angebote nicht wahrgenommen haben.“ An mangelndem Zulauf dürfte es nicht gelegen haben, dass das neue Projekt nicht zustande kommt, sowohl die Kindergarten-, als auch die Spielgruppe wären voll belegt gewesen. Wolfgang Neumeier möchte über die Gründe für das kurzfristige Scheitern am liebsten nicht viel sagen. „Ich könnte jetzt schimpfen, aber dann vergraule ich die Leute und das möchte ich nicht. Ich habe immer noch die Hoffnung, dass wir nächstes Jahr einen neuen Anlauf nehmen können und es dann vielleicht besser ausgeht.“ Diesen Zeitrahmen sieht der Geschäftsführer des Montessori-Fördervereins, Oskar Müller, offenbar als eher opti­- mistisch an. „Die Türe ist nicht ganz zu. Aber wenn, dann kann man eventuell übernächstes Jahr oder in drei Jahren wieder darüber sprechen.“ Die Enttäuschung der Eltern versteht Müller, stellt aber klar: „Da wird jetzt viel an uns festgemacht, aber man muss wissen, dass das Kinderhaus ein völlig eigenständiger Verein ist. Ich weiß nicht, inwieweit den Eltern gegenüber kommuniziert wurde, dass sich das Ganze noch in einer Planungsphase befindet.“ Beide Seiten waren zwar über Monate im Gespräch, wurden sich aber letztlich über mehrere Punkte nicht einig. Zwar hätte man für den Waldkindergarten und die Spielgruppe nicht bauen müssen, allerdings wäre ein „Schutzraum“ in der Schule nötig gewesen. Dort geht es laut Müller aber „jetzt schon ganz beengt zu“. Das nötige Waldgrundstück hätte die Schule an den Kindergarten verpachten sollen, auch das ist für den Geschäftsführer nicht unbedenklich: „Da hätten die kleinen Kinder dann direkt vor den Fenstern der Schule gespielt, da kann man sich durchaus fragen, wie glücklich das ist.“ Insgesamt, so Müller, sei die Planung für den Waldkindergarten „vielleicht einfach zu schnell“ vorangetrieben worden. „Es lag auch die behördliche Genehmigung noch nicht vor. Man sollte bei solchen Projekten Schritt für Schritt vorgehen, vor allem wenn man gleich über einen Zehn-Jahres-Vertrag sprechen möchte.“ Beim Landratsamt und der Marktgemeinde Kaufering hätte es dagegen keine grundlegenden Einwände gegen die neue Einrichtung gegeben. „Uns ist das Konzept vorgestellt worden, ansonsten gab es keine Gespräche, aber auch keine Probleme aus unserer Sicht“, sagt Bürgermeister Erich Püttner (UBV). Beim Landratsamt Landsberg lief das Antragsverfahren, wie Pressesprecher Wolfgang Müller sagt, „die Betriebserlaubnis war auf einem guten Weg.“ Allerdings hatte Maria Matheis, Abteilungsleiterin Soziale Angelegenheiten, den angesprochenen Schutzraum gefordert. Kein echter Ersatz Die Kinder, die für die neue Einrichtung angemeldet waren, dürften zwar einen Platz bei einem anderen Kindergarten in Kaufering bekommen, gleichartigen Ersatz gibt es im Moment aber nur begrenzt. Der Waldkindergarten am Recycling-Hof, den seit September 2011 die Lebenshilfe Landsberg betreibt, ist laut Geschäftsführer Karl Warth „jetzt voll“. Zwei Kinder, die zu Montessori wollten, habe man noch aufnehmen können, zwei seien auf einer Warteliste, „Wir müssen sehen, ob wir das noch irgendwie hinkriegen.“ Ein gemeinsamer Waldkindergarten von Lebenshilfe und Montessori ist dagegen seit über einem Jahr kein Thema mehr. Damals gab es zwar Gespräche, die aber zu keinem Ergebnis führten, zu unterschied­lich waren offenbar die Ansätze in der Pädagogik. Seitdem plante das Kinderhaus seinen eigenen Kindergarten. Für Warth kein Problem: „Da gibt es kein Konkurrenzdenken, wir arbeiten mit allen gut zusammen. Die Vielfalt macht’s ja gerade aus.“ Ob und wann man beim Kinderhaus Montessori einen neuen Anlauf unternehmen wird, ist im Moment völlig unklar. Einige Eltern, die nach der Anmeldung ihrer Kinder dem Montessori-Verein beigetreten waren, haben inzwischen bereits wieder die Kündigung eingereicht. Die Stellenausschrei­- bungen für die neuen Mitarbeiter, die bis zuletzt auf der Internetseite der Schule zu finden waren, sind nach den Recherchen des KREISBOTEN gelöscht worden.

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