Am Ende der Welt

Zwei Monate war die polare Forschungsstation GARS O’Higgins das Zuhause von Ulf Lindh. Am Wochenende kehrte der Landsberger aus der Antarktis zurück. Fotos: privat

Es ist einer der unwirtlichsten Orte der Welt: 50 Meter vom antarktischen Festland entfernt liegt die deutsche polare Forschungsstation GARS O’Higgins auf einer gerade einmal 300 mal 200 Meter großen Insel. Bis zu zehn Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker trotzen dort das ganze Jahr über der eisigen Kälte. Ihre Aufgabe: die Steuerung und Überwachung deutscher Satellitenmissionen. Bis zum vergangenen Wochenende zählte auch ein Landsberger zur arktischen Crew. Zwei Monate lang steuerte Ulf Lindh die neun Meter große Antenne, die das Hauptwerkzeug der Station darstellt.

An die niedrigen Temperaturen dürfte sich Lindh bei seinem ersten Antarktis-Besuch recht schnell gewöhnt haben, stammt der IT-Experte doch ursprünglich aus dem schwedischen Gävle. Als 25-Jähriger war er 1979 von dort nach München gezogen, weil Siemens IT-Fachleute suchte. Ein Abschied für immer, denn in der Landeshauptstadt fand der Schwede zwei Jahre später seine zukünftige Frau. Mit ihr und seinen zwei Töchtern zog er schließlich vor 20 Jahren nach Landsberg. Nach seinem Engagement bei Siemens arbeitete der Schwede für das deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen. Mittlerweile gehört Lindh eine eigene Firma. Aufregende Anreise Als der Wahl-Landsberger in diesem Jahr das Angebot seines ehemaligen Arbeitgebers bekommt, für zwei Monate auf der antarktischen Forschungsstation zu arbeiten, zögert er nicht lange. Dabei hat es schon allein die Anreise in sich: Mit dem Linienflug geht es nach Santiago in Chile und weiter ins südlichere Punta Arenas. Von dort bringt die brasilianische Luftwaffe den IT-Fachmann aus Deutschland in einem großen Transportflugzeug zu den südlichen Shetland-Inseln. Nach einem Tag Pause folgt der letzte und spektakulärste Teil der Reise: Mit einem Hubschrauber der chilenischen Luftwaffe geht es in den Norden der antarktischen Halbinsel, wo sich die Station O’Higgins befindet. „Das war ein Abenteuer für sich“, hält Lindh in seinem Tagebuch fest. Die Arbeit ist weniger spektakulär. Gemeinsam mit einem Kollegen überwacht der Schwede in den zwei Monaten die beiden Erdbeobachtungssatelliten TerraSAR-X und TanDEM-X, die ein dreidimensionales Abbild der Erde anfertigen. Bis zu 24 Stunden dauert eine Schicht, oft muss Lindh in der Nacht arbeiten. Tagsüber hat er so jedoch Zeit für die atemberaubende Natur. Immer wieder beobachtet er die Pinguine, die in der Nähe der Station brüten, macht Fotos von den Tieren und Eisbergen. Einmal besucht der Schwede die nahe gelegene chilenische Militärbasis, lässt sich vom Kommandanten, der die Abwechslung sichtlich genießt, den Arbeitsraum der 22 Soldaten zeigen. Meist nach dem Frühstück telefoniert Lindh mit seiner Familie und Freunden in Deutschland. Auch e-Mails kann der Schwede in der Station empfangen, moderne Technik macht’s möglich und lässt die Heimat zumindest ein wenig näher erscheinen. „Es ist ein komische Gefühl; hier sitzen wir von Eis und Wasser umgeben und dennoch haben wir Heizung, Fernsehen, Internet“, sinniert Lindh in seinem Tagebuch. Doch am Ende ist auch er froh, als es nach zwei Monaten zurück in Richtung Deutschland geht. Es ist jedoch kein Abschied für immer: Wenn alles glatt geht, soll Lindh im nächsten Jahr noch zwei weitere Male die weite Reise in die Antarktis antreten.

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