Mit viel wumms

Energie! TMT im Landsberger Stadttheater

Musikalischer Energie-Auftakt im Stadttheater: TMT mit Tom Jahn, Tilman Herpichböhm und Monika Roscher (v. links).
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Musikalischer Energie-Auftakt im Stadttheater: TMT mit Tom Jahn, Tilman Herpichböhm und Monika Roscher (v. links).

Landsberg – Stellen Sie sich vor: Draußen Nieselregen, seit Tagen. Der Himmel: grau. Die Stimmung auch. Plötzlich hört es auf. Es wird heller. Durch den Türspalt zwitschert ein Spatz, ein Sonnenstrahl macht Staubpartikel sichtbar. Sie öffnen die Tür: pures Glück. Und jetzt atmen sie einmal tief ein. Ungefähr so wirkten die Mienen der Menschen, die zu den diversen Kulturveranstaltungen dieser Woche kamen. Nachdem das ungewohnte Miteinander bereits im Biergarten geübt wurde, gibt es endlich auch wieder Theater, Konzert, Ausstellungen. Und das massenweise. Es gilt einiges nachzuholen.

Auch die Stadtkultur legt gleich mit vier Veranstaltungen los. Ja, alles noch eingeschränkt, mit Abstand, mit Maske. Und die Veranstaltungen sind auch nicht ausverkauft – trotz der vielen Sitze, die leer bleiben müssen. „Einige wollen erst die zweite Impfung abwarten“, haben die Veranstalter gehört. Andere haben sich nicht zum Verlassen Couch aufraffen können. Weggehen? Abends? Schlaf ich da nicht ein? Aber wer die Gesichter derer der Besucher gesehen hat, weiß: Es lohnt sich. Weil es so gut tut.

Schon der Start am Mittwoch mit der Moreth Company (siehe hier) ist beeindruckend. Weiter geht es am Freitag unter der Ägide des Stadtmuseum-Teams mit der Kombi Flohmarkt/Nachhaltigkeit/SingerSongwriter-Musik in den Arkaden des ehemaligen Jesuitenkollegs. „Endlich wieder Flohmarkt“ mag sich die Verkäuferin gedacht haben, die sogar aus Nordrhein-Westfalen angereist war. Private Verkäufer boten von Babystrampler bis exquisiter Ledertasche Diverses zum Minimalpreis, während die potentiellen Käufer, begleitet von den Musikern Martin Schlögl, Aerbe und han.z, durch die Arkaden schlenderten. Für Gedanken zur Nachhaltigkeit sorgt „Halber Konsum – doppelter Genuss“, die am 2. Juli das Teegspräch „Wie wollen wir wohnen“ anbietet. Mit dabei: OBin Doris Baumgartl und Tobias Schmidt von LENA.

TMT mit viel wumms

Eine massive Ladung Energie versprüht die Formation TMT am Samstagabend im Stadttheater. „Ordentlich die Luft bewegen“, beschreibt Organisator Edmund Epple die Musik des Trios: Synthi-Hammond-Spezialist Tom Jahn, „Tornado“-Leiter der Bigband Dachau, die auch Montreux begeisterte; E-Gitarristin Monika Roscher, hat mit ihrer Bigband den Echo gewonnen; Drummer Tilman Herpichböhm, unter anderem künstlerischer Leiter des Augsburger Jazzsommers. Die Musik? Nicht leise. Heftige Rhythmen. Viel Improvisation. Irgendwas zwischen Techno, Jazz, Pomp-Rock der 70er und Elektro-Minimalismus – zusammen mitreißend genial, wobei das Spielerische nicht vernachlässigt wird. Das zeigen auch das kaugummibunte Licht und die Lichterkette, die sich um Hammondorgel und Roschers Mikro schlängelt.

Was mit sphärischen Hammond-Klängen zu getupften Drums einsetzt, wird nach wenigen Takten von Roschers Gitarre zerfasert. Einzelteile, die in einem starken Rhythmus zusammenfließen, bevor sich alles in Tropfen auflöst – aus denen sofort wieder Neues entsteht. Die Improvisationen geschehen gemeinsam, ohne ‚Jazz-Soli‘: Einer grätscht mit Neuem rein, die anderen folgen. Ein energiegeladener Techno- oder Rockrhythmus kennzeichnet die verbindenden Passagen. Dass die Formation noch nicht lange zusammenspielt, merkt man. Nicht an der Qualität. Sondern an großer Unvoreingenommenheit, Neugierde und dem dafür unabdingbaren Aufeinander-Hören.

Teilweise singt Roscher, eine Mischung aus Emiliana Torrini-Stimme und Schrägheit. Die Improvisationen ranken sich um Kompositionen, gleiten aber auch gerne in voll ausgelebte Dissonanzen, denen sich Jahn im Bigband-Tornado-Modus und Roscher mit Drone – athmosphärischem Dröhnen – hingeben. Ordnung bringt Herpichböhm, ohne den Taktstock schwingen zu müssen: Seine Rhythmen sind leicht, durchdringen aber alles. Und während Jahn und Roscher mittels Blicken ihr Spiel abstimmen, hat Herpichböhm immer beide im Blick.

Vor der Zugabe stimmt TMT „was Hexiges“ an, sagt Roscher. Indianischer Trommelrhythmus, E-Gitarre: Das klingt nach „Dead Man“. Aber es bleibt nicht. Der satte Bass aus Herpichböhms Fuß führt zurück zum Markenzeichen des Trios: musikalisches Experimenten mit Leichtigkeit auf einem massiven Polster aus satter Energie.

Die Berichte zu den beiden weiteren Veranstaltungen heute folgen.

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