Ehrung für das Ehrenamt

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Katrin Dyballa (rechts) und Anna Diem-Sickinger vom Landratsamt sind mit der Einführung der Ehrenamtskarte betraut. Hier mit Landrat Thomas Eichinger und dem Vorsitzenden des Musikvereins Denklingen, Jürgen Waldhör.

Landsberg – Der Landkreis zeichnet engagierte Bürger mit der Bayerischen Ehrenamtskarte aus. Er verdeutlicht damit, wie unverzichtbar freiwillige Arbeit für die Kommunen ist. Der KREISBOTE hat recherchiert: Wer bekommt die Karte? Welche Vorteile bietet sie? Wie lange ist sie gültig? Wer darf sie auf Lebenszeit behalten? Und wo sind ihre Grenzen?

Die Aufschrift lautet „Freistaat Bayern“, das Wappen ist das große Staatswappen mit den beiden goldenen Löwen. Für die Inhaber der Ehrenamtskarte bedeutet das: Ihre Karte gilt in ganz Bayern und bietet ihnen auch in ganz Bayern Vorteile. So kann der Uttinger in Krumbach beim Busfahren sparen und der Krumbacher kostenlos das Strandbad nutzen, wenn er zu Besuch in Utting ist. 

Allerdings gilt das nur in den Landkreisen und kreisfreien Städten, die der Aktion beigetreten sind – das sind inzwischen aber mehr als zwei Drittel der bayerischen Gebietskörperschaften. Auch der Landkreis Landsberg gehörte zunächst nicht zu den Befürwortern der Karte – er hatte den Verwaltungsaufwand und die „hohen Hürden“ zur Erlangung der Auszeichnung beklagt. Auf Initiative des CSU-Kreistagsfraktion überdachten die Gremien im vergangenen Jahr aber noch einmal ihre Haltung. Inzwischen setzt der Kreis die Karte aktiv als zusätzliche Motivation für ehrenamtliches Engagement ein. 

Nach zwei Jahren 

Anspruch auf die drei Jahre gültige blaue Ehrenamtskarte hat, wer freiwillig durchschnittlich fünf Stunden pro Woche oder bei Projektarbeiten mindestens 250 Stunden jährlich ehrenamtlich tätig ist. Die Tätigkeit muss unentgeltlich erfolgen; aber: ein „angemessener Kostenersatz“ ist zulässig. Die Arbeit muss mindestens zwei Jahre ausgeübt worden sein. Ehrenamtlich Tätige, die die Voraussetzungen erfüllen, können die Karte beim Landratsamt beantragen. Dazu gibt es ein Antragsformular, das auf der Web- seite der „Koordinationsstelle Engagierter Bürger“ (k.e.b.) unter abgerufen werden kann: www.keb-landkreis-landsberg.de. 

Allerdings ist eine Bestätigung desjenigen Vereins oder der Organisation erforderlich, „für die“ die Tätigkeit erfolgt ist. Diese Anforderung passt nicht auf das aktuelle bürgerschaftliche Engagement zur Integration und Unterrichtung von Flüchtlingen, denn dabei gibt es meist keine zwischengeschaltete Organisation. Das Problem wird bei Freiwilligen, die jetzt einsteigen, allerdings erst in zwei Jahren aktuell; bis dahin sollte man eine Lösung gefunden haben. 

Aktive Feuerwehrdienstleistende sowie aktive Einsatzkräfte im Katastrophenschutz und Rettungsdienst erhalten nach Abschluss ihrer Grundausbildung eine Ehrenamtskarte ohne weitere Prüfung der Anspruchsvoraussetzungen; das Gleiche gilt für Inhaber einer Jugendleiterkarte (Juleica). 

Es gibt auch eine goldene Ehrenamtskarte, die nie ihre Gültigkeit verliert. Sie geht an Inhaber des Ehrenzeichens des Ministerpräsidenten, an Einsatzkräfte mit Dienstzeitauszeichnung nach dem Feuerwehr- und Hilfsorganisationen-Ehrenzeichengesetz und an Ehrenamtliche, die die Voraussetzungen für den Erhalt der blauen Karte 25 Jahre lang erfüllt haben. 

Liste mit Potential 

Nach einer Liste des Landsberger Landratsamts gibt es für die Inhaber der Karte außerhalb der Kreisstadt Landsberg Vergünstigungen nur im Uttinger Strandbad, im Weldener Hof, im Cineplex Kino Penzing und in der Bücherei sowie im Warmfreibad Prittriching. Hinzu kommen Ermäßigungen in allen Schwimmbädern des Landkreises. 

Wer sich diese recht kurze Auflistung ansieht, erkennt, dass noch viel Potential für weitere Akzeptanzstellen besteht. Der Landkreis appelliert daher auch: „Wir rufen Einzelhändler, Dienstleister, Inhaber von Gastronomiebetrieben, Betreiber von Freizeiteinrichtungen und sonstige Gewerbetreibenden auf, die Einführung der Ehrenamtskarte zu unterstützen und sich als Akzeptanzpartner zur Verfügung zu stellen. Sie leisten damit einen Beitrag, unseren Landkreis noch lebens- und liebenswerter zu machen.“ 

Innerhalb der Stadt Landsberg sieht es da schon besser aus. Städtische Museen, Stadtführungen, Inselbad, Stadtbus, Publikumslauf in der Eishalle, Rathauskonzerte, Stadttheater und Filmforum sind die Stichworte, die sich die Karteninhaber merken sollten. Allerdings fehlen auch hier noch Angebote aus dem Handel und der Gastronomie. 

Nur das i-Tüpfelchen 

Viele ehrenamtlich Tätige weisen allerdings darauf hin, dass sie an Belohnungen weniger interessiert seien als an Vergünstigungen während der Ausübung des Ehrenamts. Insbesondere sei kostenloses Parken unverzichtbar; auch müssten steuerliche und versicherungstechnische Verbesserungen eingeführt werden. Wer ehrenamtliches Engagement dauerhaft aufrechterhalten wolle, müsse das Ehrenamt vor allem effektiver machen, heißt es. Die Ehrenamtskarte sei sinnvoll, aber nur „das Tüpfelchen auf dem i“.

Werner Lauff

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