Engagierte Bürgerarbeit

Werner und Beate Lauff leisten mit Landsbergblog engagierte Bürgerarbeit. Foto: Kruse

Mit Meinungsäußerungen der Bürger zu seiner Politik im Internet hatte Ingo Lehmann so seine Probleme, wie er und sein Stellvertreter Norbert Kreuzer zuletzt öfter kundtaten. Da ist es schon beinahe eine feine Ironie, dass die Landsberger ausgerechnet dem Ex-OB zu einem guten Teil die neueste Bereicherung der Medienlandschaft zu verdanken haben: das Landsberg-Blog.

Es sind zwei „Zuagroaste“ aus Düsseldorf und München, die die Seite ins Leben gerufen haben, aber sie gehören wohl zu den engagiertesten Landsbergern, wenn es um das Stadtgeschehen geht: Die freiberuf­- lichen Medienberater Werner Lauff (57) und seine Frau Beate, beide seit sieben Jahren am Rande der Altstadt beheimatet, haben das Blog „in der Endphase Lehmann“ aus der Taufe gehoben, wie sie sagen. „Da wurde viel von Transparenz gesprochen, sie wurde aber nicht gelebt.“ Und so ging Landsbergblog am 19. Februar online und wird seitdem fast täglich bestückt. Auffallend ist dabei die durchgängig hohe sprachliche und journalistische Qualität der Beiträge, nicht nur im politischen Bereich. Der war zwar ein Hauptgrund, an die Öffentlichkeit zu gehen, soll aber nicht alles dominieren, wie Beate Lauff betont: „Wir wollen das ganze Leben in Landsberg abbilden.“ Werner Lauff ergänzt: „Das dürfen gerne Dinge sein, die sonst nirgends stehen und teilweise auch unterhalb der Wahrnehmungsschwelle der Zeitungen liegen.“ In der bunten Sammlung sind Kommentare zum politischen Geschehen vertreten, Anmerkungen zu und Zitate aus Artikeln der Tages- und Wochen­presse, aber auch aktuelle Bilder aus der Altstadt und der Natur, Alltagsbeobachtungen und detaillierte Restaurantkritiken – manches ironisch, vieles pointiert, alles engagiert. Exemplarisch Dass den Bloggern dabei einiges erlaubt ist, was sich dem zur Neutralität verpflichteten Printredakteur verbietet, lässt sich exemplarisch an dem kurzen, aber höchst amüsanten Text zur Vereidigung des neuen Oberbürgermeisters Mathias Neuner betrachten. Bei dieser Veranstaltung (siehe Seite 2) hatte Bürgermeister Kreuzer – sozusagen antizyklisch zur allseitigen Forderung nach mehr Transparenz – um „mehr Diskretion und Vertraulichkeit“ in Landsberg gebeten. Der Kommentar im Blog dazu: „Am gestrigen Abend wurde eine bedeutende Persönlichkeit in ihr Amt eingeführt. Ein hochrangiger Gast aus München reiste zur Gratulation an. Ein Landrat hielt ebenfalls eine Rede.“ Das sitzt. Eine bestimmte „Zielscheibe“ hat das Ehepaar allerdings nicht, das Blog pflegt einen kritischen, aber nicht seziererischen Ton, in dem der gesunde Menschenverstand die Oberhand über Partei- oder Klientelpolitik behält – und viel gelobt wird auch. „Was auffällt, was gefällt, was missfällt“, nennen das die Lauffs in der Selbstbeschreibung. Da das alles mit viel Arbeit verbunden ist, stellt sich nur noch die Frage: Warum tut jemand so etwas? Finanzielle Interessen stecken sichtlich nicht hinter Landsbergblog, die Seite ist werbefrei und bleibt es laut Werner Lauff auch: „Das ist ein nicht-kommerzielles Projekt. Mich ärgert das ganz fürchterlich, wenn ich mich auf anderen Seiten mit viel Werbung, Klickstrecken oder ähnlichem herumschlagen muss.“ Die Motivation liegt also nicht im Geld, sondern, wie Beate Lauff sagt, „in einer engagierten Bürgerarbeit, die wir auf diese Weise leisten wollen.“ Die Landsberger Bürger sollen „selbst Themen setzen und nicht nur kommentieren können.“ Mehr Schreiber Nach knapp drei Monaten ist die Entwicklung des Blogs allerdings längst nicht am Ende. Demnächst sollen Buchbesprechungen integriert werden. Das Ehepaar Lauff wünscht sich „zusätzlich zu den beiden, die wir bis jetzt schon haben, mehr Schreiber aus der Landsberger Bevölkerung.“ Alle Beiträge für Landsbergblog werden redigiert und nicht nur inhaltlich auf Qualität geprüft. Bislang sehr erfolgreich: Grammatik- oder Rechtschreibfehler sucht man auf der gesamten Seite vergeblich. Das Blog ist im Internet erreichbar unter: www.landsbergblog.wordpress.com.

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