Streit um Nachverdichtung

Entscheid um Bauvorhaben beim Kratzer-Keller vertagt

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Bisher steht hier nur der Kratzer-Keller. Geht es nach dem Bauträger, sollen beim Neubau dort zwei Gebäude Platz finden. Eine Nachverdichtung, die manchen zu weit geht.

Landsberg – Lange wurde gestritten und schließlich vertagt. Die geplante Bebauung auf dem Gelände des ehemaligen Kratzer-Kellers an der Katharinenstraße sorgte im Stadtrat für ein höchst kontroverses Echo. Was für die einen sinnvolle Nachverdichtung ist, geht den anderen viel zu weit.

Der Bauträger Inter-Kapital GmbH aus Gersthofen möchte auf dem Grundstück zwei Gebäude mit insgesamt 18 Wohnungen, 20 Zimmern für betreutes Wohnen, einem Boardinghaus mit 23 Zimmern, einer Gastwirtschaft und einer Tiefgarage realisieren – so zumindest sieht es der aktuelle Entwurf vor, für den ein vorhabenbezogener Bebauungsplan notwendig ist. Denn das bestehende Baurecht würde nur ein einzelnes Gebäude erlauben.

Von den neuen Häusern würde eines im hinteren Bereich des Grundstücks entstehen, das andere vorne an der Straße anstelle des Bestandsgebäudes. Denn dieses besitzt einen denkmalgeschützten Gewölbekeller, der erhalten bleiben muss. Hier soll eine Gastronomie unterkommen, die im Außenbereich zusätzlich einen Biergarten betreiben würde. Erscheinungsbild und Standort des Kratzer-Kellers würden somit „aufgegriffen“, die Traditionsgaststätte erhalten und „die Identität des Ortes wiederhergestellt“, wie Stadtbaumeisterin Birgit Weber sagte.

Heftige Kritik kam vonseiten der UBV. Der Tenor der Aussagen: Die Bebauung sei massiv „bis zum Unerträglichen“ (Dr. Reinhard Steuer) und lediglich auf Gewinnmaximierung aus. Gegen das geplante Boardinghaus sprachen sich neben Christoph Jell (UBV) auch Felix Bredschneijder (SPD) und Petra Kohler-Ettner (CSU) aus. Die Übernachtungszimmer sind in erster Linie für Veranstaltungsgäste der Gastwirtschaft gedacht. „Wochenendkrach von der Gastronomie“ werde aber in der Nachbarschaft nicht gut ankommen, befürchtete Kohler-Ettner.

Henrik Lüßmann (Bündnis 90/Die Grünen) fand die Nachverdichtung an diesem Standort zwar gut, hielt jedoch die Ausfahrt der Tiefgarage auf die Katharinenstraße für ungeeignet – Radfahrer und Fußgänger würden zu spät gesehen. Auch Stefan Meiser (ÖDP) sah Verkehrsprobleme voraus und forderte eine Erschließung des Geländes über die Saarburg- statt über die Katharinenstraße.

Kein seelenloser Bau

Jürgen Kriegel, Geschäftsführer der Inter-Kapital GmbH, ist mit der vorliegenden Planung selbst nicht glücklich, wie er den Stadträten eröffnete. Er würde am liebsten mit größerem Abstand zur Straße ein einzelnes Wohngebäude ohne Gastronomie errichten, sofern man ihm ein oder auch zwei Stockwerke mehr erlaube als das Bestandsgebäude hat. Auf den Erhalt der Gastronomie und des denkmalgeschützten Kellers legt der Bauträger keinen gesteigerten Wert – im Gegenteil. „An dem Keller ist nichts Historisches zu erkennen“, behauptete Kriegel.

Mit 26:3 Stimmen entschied der Stadtrat sich letztendlich für eine Vertagung des Themas. Zunächst soll bei einem Ortstermin der Gewölbekeller in Augenschein genommen werden und der Investor die Gelegenheit erhalten, einen eigenen Planungsentwurf vorzustellen. OB Mathias Neuner (CSU) machte allerdings deutlich, dass zumindest er mit einer „reinen, seelenlosen Wohnbebauung“ an diesem Standort nicht einverstanden wäre.

Ulrike Osman

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