Abbruchreif

Fremdenfeindlich?

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Bereits vor zwei Jahren fürwahr ein Bild des Elends: das „dorfbildprägende“ Schmittenbauer-Areal in Alt-Kaufering.

Kaufering – Die Entscheidung, das alte Wohnhaus auf dem Schmittenbauer-Areal in Alt-­Kaufering abzureißen, erregt immer noch die Gemüter. Im Nachgang meldete sich nun GAL-Gemeinderat mit einer persönlichen Presseerklärung zu Wort. Er hatte sich wie sein Fraktionskollege Andreas Keller öffentlich für den Erhalt des Gebäudes ausgesprochen. Die Stimmung dafür war in einer Dorfver­sammlung und auch im Marktgemeinderat gekippt, nachdem bekannt geworden war, dass möglicherweise drei oder vier Flüchtlingsfamilien dort untergebracht werden könnten.

Für Hans-Jörg Pilz ist das ein Unding. Er wirft dem Bürgermeister und der Mehrzahl der Gemeinderäte vor, ihnen habe der Mut gefehlt, sich den rund 200 aufgewühlten Bürgern mit sachlichen Argumenten zu stellen. Für GAL-Rat Pilz ist die Argumentation der CSU, das soziale Gefüge im Dorf nicht zu stören, eine „Umschreibung von Fremdenfeindlichkeit“, die von der „SPD und UBV flankiert“ werde. Der Abriss selbst stelle für ihn eine Vermögensvernichtung dar, hatte Hans-Jörg Pilz in der jüngsten Gemeinderatssitzung festgestellt und eine rechtliche Prüfung angekündigt.

Diverse Gutachten, Experten und ein ausgewähltes Gremium hätten bereits vor Jahren dargelegt, wie wichtig doch der Schmittenbauerhof für das ortsprägende Bild von Kaufering sei, betonte Pilz gegenüber dem KREISBOTEN. Kaum aber tauchten in dieser Debatte einige anerkannte Asylbewerberfamilien auf, die in das mit staatlichen Zuschüssen (90 Prozent) hergerichtete Gehöft für einen befristeten Zeitraum einziehen können, verlangten agierende Dorfbewohner auf der Versammlung im Leonhardisaal dessen sofortigen Abriss und erhalten tosenden Beifall. Die dabei für den Abriss vorgetragenen Argumente seien vorgeschoben und längst von anerkannten Fachleuten widerlegt, beton Pilz.

Der GAL-Gemeinderat wehrt sich gegen die „Angstmache vor Familien, die oftmals um ihr nacktes Leben gerannt sind, um hier in Kaufering Schutz zu finden“. Pilz geht auch auf den Rücktritt des Vorsitzenden des 1992 gegründeten Dorfvereins an. Andreas Keller sei, anderes als den meisten Mitgliedern, der Erhalt des alten Dorfcharakters wichtig. „Er möchte aber auch keine Stimmung gegen Flüchtlinge zulassen und Ängste schüren“. Für Hans-Jörg Pilz ist das „ein konsequenter Schritt“.

Seiner Ansicht nach steht die Auflösung des Dorfvereins an, „denn gemeinschaftliche Feiern und Feste pflegen - dafür braucht es keinen gemeinnützigen Verein und vor allem keine Förderung durch den Markt.“ Mehr noch: Vereine und Parteien, die zum Ziel haben, alle Fremden vom Dorf fern zu halten, weil sie das soziale Gefüge beeinträchtigen könnte, verdienten nicht, demokratisch genannt zu werden. Das sei Ausgrenzung pur und habe mit „christlich“ nichts zu tun.

Siegfried Spörer

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