Endlich: Standortentscheidung ist gefallen

Container müssen fürs Kauferinger Feuerwehrhaus weichen

Kaufering - Feuerwehrhaus -alt
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An diesem Standort in der Florianstraße wird es bald Geschichte sein: das Kauferinger Feuerwehrhaus. Bis 2023 soll das neue Domizil der Floriansjünger fertig sein – am Containerplatz an der Kreuzung Augsburger/Bayernstraße.

Kaufering – Was lange währt, wird endlich gut? Der Ferienausschuss des Marktgemeinderates hat in der vergangenen Woche mit 18:6 entschieden: Der Neubau für die Feuerwehr soll am Containerplatz an der Augsburger Straße realisiert werden. Das sorgt allerdings zum Teil für Missstimmung. 

Die Historie geht zurück auf das Jahr 2010. Seitdem setzen sich die Kauferinger Räte mit dem Thema auseinander: Wo soll das neue Feuerwehrhaus hin? Immer wieder kamen neue Pläne und Ideen auf den Tisch. Zuletzt ins Auge gefasst: der Neubau des Feuerwehrhauses am bestehenden Standort. Das ist jedoch offenbar nach vertieften Planungen zusehends als kritisch zu betrachten.

Große Auflagen im Genehmi­gungsverfahren – etwa beim Immissionsschutz – sowie strenge Nutzungsbeschränkungen würden die Weitergestaltung dieses Standortes immer schwieriger gestalten, meint Bauamtleiter Andreas Giampa. Problematisch sei insbesondere, dass das neue Feuer­wehrgebäude hier mit einer Länge von fast 70 Metern in das nördlich angrenzende Wohngebiet hineinwachsen solle. Lärmschutzeinrichtungen müssten errichtet werden. Dadurch würden sich Rangiermöglichkeiten so reduzieren, dass eine ordnungsge­mäße Nutzung nicht sichergestellt werden könne. Zudem seien hier weitere Entwicklungsmöglichkeiten ausgeschlossen. Auch die Option zweier Standorte ist verworfen worden. Diese Lösung würde die Freiwillige Feuerwehr Kaufering eher schwächen als stärken, hieß es in der Sitzung.

Quintessenz: ein neuer, geeigneterer Standort musste gefunden werden. Eine entsprechende Analyse (Ist-Standort, Wertstoff-/Conterainerplatz, Heizwerk, Mittelschule, Realschule) hat ergeben: Der Container- oder Wertstoffplatz ist der einzige Standort, der alle Anforderungen erfüllen kann. Und zwar nicht nur aus baulicher, sondern vor allem aus feuerwehrtechnischer Sicht. Sollvorgabe: ein Erreichungsgrad von 80 Prozent, bei einer Hilfsfrist bis zum Erreichen des Einsatzortes von 8,5 Minuten. Die Erreichbarkeit ist umso höher, je zentraler der Standort des Feuerwehrhauses und je kürzer die Entfernungen zu den Einsatzorten. Beim Containerplatz liege sie bei 83,7 Prozent, zeigt die Standortanalyse.  

Die Flächen im Bereich des bestehenden Feuerwehrhauses mit fast 7.300 Quadratmetern könnten etwa einer Wohnbebauung zugeführt und gewinnbringend veräußert werden. Nachteil: der Wegfall des Werkstoffplatzes. Für den müsse an anderer Stelle Ersatz geschaffen werden. Zudem befinde sich der neue Standort in einem der zentralsten Bereiche Kauferings, die ein großes Entwicklungspotenzial bieten. Hier führt Giampa eine Idee an, die schon aus dem Jahr 2010 stamme, aber „aktueller denn je“ sei: der Rückbau des Kreuzungsbauwerks an der Augsburger/Bayernstraße. Stattdessen könnte ein leistungsfähiger Kreisverkehr mit unterführten Geh- und Radwegen entstehen. Dadurch würden entsprechende Flächen frei, die der Marktgemeinde entgeltfrei übereignet werden könnten. Um den Kreisverkehr herum könnte zudem ein Bauumland von rund 15.500 Quadratmetern Fläche neu überplant werden.

Erste Planungsüberlegungen für das Feuerwehrhaus hätten ergeben, dass das mögliche Projekt „Kreisverkehr“ durch den Neubau nicht eingeschränkt würde, erklärt Giampa. Gebäude und zugehörige Parkanlagen seien im entsprechenden Entwurf im Norden und Westen „maximal an die Grenzen gerückt“.

In den folgenden Planungsschritten könnten Gebäude und Parkplätze weiter optimiert werden, sodass der Neubau mit einer Fläche von fast 5.500 Quadratmetern auf jeden Fall auskommen könne. Weitere mögliche fast 1.700 Quadratmeter stünden nördlich als Erweiterungsfläche für die Feuerwehr zu Verfügung.

Bürgermeister Thomas Salz­ber­ger (SPD) betrachtet diese Standortlösung als „zentral, ideal und zukunftsweisend“. Die Freiwillige Feuerwehr gehöre doch mitten in den Ort hinein – als sichtbares Zeichen unserer Wertschätzung, äußerte sich Markus Wasserle. Der SPD-Gemeinderat findet den Standort „genau richtig“.

Anders sehen es Kauferings Grüne. Bereits im Vorfeld hatten sie sich gegen einen übereil­ten Beschluss ausgesprochen. „Es ist ein großes Projekt, warum nehmen wir uns da nicht die Zeit?“, meint Tobias Kirchberger. Mit dieser schnellen Entscheidung gehe man über die Tatsache hinweg, dass „jeder Zweite im Rat“ neu sei. Fraktionskollege Franz Triebel hätte lieber die Möglichkeit wahrgenommen, eine „schöne, neue Ortsmitte zu schaffen.“ Das mache mit einem Feuerwehrhaus jedoch keinen Sinn. Die Aussage „Es gibt nur den Containerplatz“ ist in den Augen von Grünen-Rätin Cäcilie Nebel ein Armutszeugnis. Man müsse gemeinsam neu denken, kreativ sein und nach Lösungen suchen. „Da sind wir aber gerade weit davon entfernt.“

Mit dem Feuerwehrhaus an diesem Standort sei die Ortsentwicklung ad absurdum geführt, protestiert auch Grünen-Abgeordnete Gabriele Triebel. Fast die Hälfte dieser Fläche würde mit diesem „Industriebau zugepflastert“, der nun die Ortsmitte bestimmen würde. Einfach einen „Klotz reinsetzen“ sei für sie keine Städteplanung, sondern ein Riesenfehler. Den Beschluss zudem einfach „durchzupreschen“ sei kein demokratisches Verhalten. Auch CSU-Gemeindrat Johann Drexl ist kritisch und findet den neuen Platz „für die Zukunft zu klein.“ Ihm wäre ein „großes Grundstück lieber, auf dem man sich gegebenenfalls die nächsten Jahrzehnte ausdehnen könne. Zudem sei ihm dieser Platz „einfach zu schade.“

UBV-Rat Sascha Kenzler bedauert, dass man wegen der Pandemie „heute keine 60 bis 70 Feuerwehrleute hier sitzen“ habe. Die Erreichbarkeit sei für ihn das zentrale Kritierum für den neuen Standort. Es gehe schließlich um Menschenleben. Auch Feuerwehrkommandant und UBV-Rat Markus Rietig ist überzeugt, dass die Entscheidung nötig und richtig war: Es sei doch auch die Frage: „Wie lange geben wir uns hier noch?“ Immerhin sitze man jetzt schon elf Jahre an dem Thema.

Etwa ein Jahr dauere nun die Planungsphase, erklärt Giampa. Baulich umgesetzt werden soll das Projekt spätestens bis 2023. Geplante Kosten: neun Millionen Euro – bei erwarteten Zuwendungen in Höhe von einer Million Euro.
Andrea Schmelzle

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