Hop oder Top, alles oder nichts?

Stadtrat Landsberg: Entscheidung über Stadtmuseum muss fallen

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Am Mittwoch wird im Stadtrat über die Zukunft des Stadtmuseums entscheiden.

Landsberg – Es wird spannend: Soll das Stadtmuseum da bleiben, wo es ist? Wann soll es saniert werden? Wie soll die mögliche Dauerausstellung aussehen? Und wird die Landesausstellung 2024 in Landsberg stattfinden? Das sind die Fragen, die in der heutigen Stadtratssitzung hoffentlich beantwortet werden. Aber noch zwei Fragen stehen im Raum: Sollte die Sanierung verschoben und die Landesausstellung abgesagt werden: Wird es in Landsberg wieder ein Stadtmuseum geben? Und wenn ja, wann?

Das Neue Stadtmuseum Landsberg steht zweimal auf der Tagesordnung: mit dem Vertragsschluss für die Landesausstellung und mit dem Nutzungskonzept, das Museumsleiterin Sonia Fischer bereits in der vorherigen Sitzung am 23. Oktober vorgestellt hatte. Im Beschlussvorschlag steht, dass Bauamt und Museumsverwaltung mit der weiteren Planung beauftragt werden und „den Museumsbetrieb in modernisierter Form bis 2024 wieder aufzunehmen.“

Ein Punkt fehlt aber. Besser gesagt, er fehlt nicht, denn der Standort wurde ja bereits einstimmig beschlossen. Dennoch wird es um mögliche Alternativstandorte gehen. Dass das Jesuitengymnasium nicht bei allen Stadträten als perfekter Standort gilt, war bereits in der vergangenen Sitzung deutlich geworden. Zu schlecht erreichbar, ab vom Schuss, nicht barrierefrei. Zudem wurde eine andere Nutzung angesprochen: als Ort für Seminare eines noch zu verwirklichenden Tagungszentrum im ehemaligen Heilig-Geist-Spital.

Probleme werden von OB Mathias Neuner vor allem wegen der Sanierung angeführt. Die werde mangels Personal im Bauamt nicht rechtzeitig zur Landesausstellung – dafür muss das Haus im Januar dem Haus der Bayerischen Geschichte übergeben werden – fertig, ohne dass andere Projekte geschoben werden. Eine Sanierung des Gebäudes ist auf jeden Fall notwendig. Sonst verkommt das Gebäude wegen starker Wasserschäden.

Im bisherigen Zeitplan für die Sanierung sind Bauarbeiten von 2021 bis September 2023 vorgesehen, 2024 die Übergabe ans Haus der Bayerischen Geschichte – oder die Einrichtung der Dauerausstellung.

In der letzten Sitzung wurden beide Beschlüsse vertagt. Eine Abstimmung wäre spannend geworden. UBV und Landsberger Mitte schienen gemischt für oder gegen Sanierung und Landesausstellung zu sein. Grüne und SPD hätten wohl nahezu geschlossen – bei den Grünen wohl mit einem ‚Abtrünnigen‘ – pro Sanierung und Landesausstellung gestimmt. In der CSU schien ein geschlossenes Contra mit eventuell einer Ausnahme vorzuherrschen.

Der bereits am Montag vergangener Woche abgehaltene Ältestenrat hat den Informationen des KREISBOTEN nach keine bahnbrechend neuen Argumente gebracht. Die heutige Entscheidung wird Auswirkungen haben. Selbst bei nochmaliger Vertagung. Denn langsam läuft Landsberg die Zeit für den rechtzeitigen Abschluss der Sanierung zur Landesausstellung davon.

Susanne Greiner

Kommentar

Der Stadtrat entscheidet am heutigen Mittwoch, ob das alte Jesuitengymnasium so saniert und umgebaut wird, dass dort ab 2024 die Bayerische Landesausstellung und ab 2025 das neu konzipierte Landsberger Stadtmuseum einziehen können. Der Beschluss hat Signal­wirkung. Denn mit ihrer Entscheidung legen die Ratsmitglieder zugleich fest, wie sie sich gegenüber den Bürgern und dem Freistaat Bayern positionieren – zaudernd und unberechenbar oder zielstrebig und glaubwürdig.
Die Fakten sind bekannt: Der Stadtrat beschloss einstimmig die Beibehaltung des Museums an derselben Stelle wie bisher. Architekten stellten Konzepte zur Behebung des Brandschutzproblems vor. Die Museumsleiterin entwarf die neue Dauerausstellung. Und der Freistaat erhielt von der Stadt das Angebot, das noch leere Haus 2024 zunächst exklusiv zu nutzen.
Plötzlich wird das alles infrage gestellt. Das Hochbauamt macht geltend, die Zahl der Stellen reiche nicht. Die CSU-Fraktion äußert Sorgen zur Finanzierung. Der Verwaltung kommen Bedenken zu Parkplätzen und Besucherverkehr. Und der Oberbürgermeister liebäugelt mit einer Gesamtlösung für das Jesuitenviertel in Form eines Tagungszentrums mit Bettenhaus.
Also hat der Stadtrat eine Vertagung beschlossen. Wieder mal etwas vertagt, wieder mal nichts geregelt. Es ist nicht das einzige Thema, bei dem das geschieht. Es reicht bereits, dass der Oberbürgermeister eine Idee in den Raum wirft („Wir könnten Sozialwohnungen am Papierbach kaufen“) und schon ist das Tempo wieder raus – nachdenken, prüfen, demnächst nochmal beraten.
In Wirklichkeit hat das keine Substanz, auch das Tagungszen­trum nicht. Das sind alles Nebelkerzen, falsche Fährten, die mit dem Faktor „Zeit“ als Entscheidungsparameter spielen. „Jetzt ist so viel Zeit vergangen, jetzt schaffen wir es nicht mehr bis zum Termin / in dieser Amtszeit / in diesem Haushaltsjahr“. So kann man kostengünstig Politik machen; jedes Jahr weist die Stadt mit dieser Vertagungsmasche Buchgewinne aus.
Dem Stadtrat geht am Ende seiner Sechs-Jahre-Amtszeit die Luft aus, weil er sich auf falsche Fährten locken lässt. Der stolze Adler wird zum Suppenhuhn. Wo ist die Entschlusskraft von früher? Wo das Gerechtigkeitsgefühl? Wo der Drang nach Konsequenz?
Die Sache hat ja auch eine beträchtliche Innenwirkung. Ein Mitglied des Stadtrats sagt plötzlich ungeniert, man brauche gar kein Museum, es reiche doch aus, Exponate irgendwo in einer Halle oder virtuell im Internet zu zeigen. Ein anderes Mitglied meint, „einstimmig“ sei die Entscheidung für das Museum nicht gewesen; er habe ja an diesem Tag gefehlt. Das Thema hat also nicht nur Sprengkraft; die Granate ist schon explodiert, das Innerste ist bloßgelegt.
Dem Stadtrat bleibt heute nur, sich klar zu seinen eigenen Entscheidungen zu bekennen. Ja zum Museum an alter Stelle. Ja zur Landesausstellung des Freistaats Bayern. Und jetzt bitte die Ärmel hochkrempeln und an die Arbeit gehen!
Sicher, man hätte das auch anders regeln können. Die frei werdende Spitalplatzschule ist nach der Machbarkeitsstudie des Instituts FranKonzept vom Januar 2017 ebenso geeignet, das Stadtmuseum zu beherbergen, wenn die Schule irgendwann leer und umgebaut ist. Wer‘s nicht glaubt, weil es oft anders dargestellt wurde, sollte das Papier noch einmal lesen. Das hätte man durchaus so beschließen können. Allerdings hätte man dann auch sagen müssen, wie man denn das ehemalige Museum nutzt; es verrotten zu lassen ist ja keine Option.
Andererseits ist die Spitalplatzschule vielfältig nutzbar. Die Verbindung mit dem Stadt­theater, die Lage fast direkt am Hauptplatz, das großzügige Raumangebot, die bestehende Außenfläche, die Nähe zur Schlossberggarage, das alles legt den Gedanken nahe, die Spitalplatzschule unter Federfüh­rung der Volkshochschule zu einem Bürgerhaus zu machen. Viele Gemeinden haben so eine Einrichtung, in der sich Vereine und Organisationen treffen können und in der Schulungen und Vorträge, Versammlungen und Workshops, Chorproben und Werkstätten stattfinden können. Auch bei uns wäre eine solche Einrichtung nötig.
Noch einmal: Der Stadtrat hätte in Sachen Standort anders entscheiden können. Er hätte die Museumsleitung auch nicht mit der Erstellung des neuen Museumskonzepts für das Jesuiten­gymnasium beauftragen müssen. Und er hätte auch sagen können: Landesausstellung? Nein, danke, das ist für uns im Moment eine Nummer zu groß. Aber das alles hat der Stadtrat eben anders beschlossen.
Wenn er jetzt nicht zu seinem Wort steht, macht er sich komplett unglaubwürdig. Das gilt insbesondere nach außen: Der Vertrag über die Landesausstellung 2024 ist unterschriftsreif. Ein Rückzieher würde das Vertrauen der Institutionen des Freistaats in die Verlässlichkeit der hier Handelnden auf Jahre zerstören. Mit dieser Stadt kann man offenbar keinen Staat machen. Sollen wir da wirklich Mittel für neue Ideen bereitstellen, etwa in Sachen Verkehrskonzept?
Auch viele Bürger, ob kulturschaffend oder nicht, haben für ein solches Hin und Her kein Verständnis. Der Oberbürgermeister hat sich vor zehn Tagen geradezu jubelnd über die Finanzlage der Stadt geäußert – und da soll das Geld plötzlich nicht mehr reichen, um ein historisches Gebäude im Bestand zu sanieren? Wir sind in Landsberg viele Probleme entschlossen angegangen – und da scheitert eine Herzensangelegenheit am Hochbauamt?
Es sind nur noch wenige Sitzungen bis zur Neuwahl des Stadtrats und des Oberbürgermeisters im März 2020. Mindestens zum Museum und den Sozialwohnungen müssen nun klare Beschlüsse her. Zielstrebig und glaubwürdig oder zaudernd und unberechenbar – jetzt entscheidet sich, welches Bild beim Bürger bleibt.
Werner Lauff

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