Wenn der Grundwasserspiegel sinkt:

Die Osterforelle liegt auf dem Trockenen

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Matthias Schelkle deutet auf die Quellfassung, aus der zurzeit nicht einmal ein Rinnsal entspringt.

Epfach – Auf der Theke in dem kleinen Hofladen der Schelkles stehen Schachteln voller Eier. Auch Nudeln gibt es zu kaufen, die darin verarbeiteten Eier stammen von den Hennen, die auf dem Epfacher Bauernhof leben. Der Blick allerdings bleibt sofort an der leeren Vitrine hängen, die mitten im Raum steht. Frische Forellen aus eigener Aufzucht verkaufen Matthias und Maria Schelkle normalerweise hier das ganze Jahr über. Besonders gut geht das Geschäft an Weihnachten und Ostern. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Ausgerechnet in der Karwoche bleibt die Auslage verwaist.

In diesem kleinen Becken wird normalerweise die Fischbrut eingesetzt. Jetzt ist es ausgetrocknet.

„So etwas hatten wir noch nie“, sagt Matthias Schelkle und schüttelt dabei den Kopf, als könnte der 70-Jährige es selbst nicht ganz fassen. Um die ganze Misere zu verstehen, führt einen Schelkle dorthin, wo vor mehr als 100 Jahren alles begann. Über einen Feldweg geht es langsam das Lech-Hochufer hinab. Bei einem großen Teich hält Schelkle das Auto an. „Das war früher der Stauweiher der Mühle“, erklärt der 70-Jährige. Hier habe sein Urgroßvater zu Beginn des 20. Jahrhunderts die ersten Fische aufgezogen. Die Mühle ist längst verschwunden ebenso die drei Bauernhöfe, die einst nah am damals noch wilden Lech standen.

Gut zu erkennen sind dagegen die kleinen Weiher, in denen der 70-Jährige seine Regenbogen- und Bachforellen heranzieht. In den 1960er Jahren habe sein Vater die Aufzucht wieder aufgenommen, nachdem sie sein Großvater während des Kriegs aufgegeben habe, erzählt Schelkle, der das Erbe seit 1993 gemeinsam mit seiner Frau fortführt, als „Hobby“, schmunzelt der 70-Jährige. Den Hof hat das Paar bereits vor fünf Jahren an Sohn Martin übergeben.

Gespeist werden die Becken von einer eigenen Quelle, die oberhalb im steilen Lechhang entspringt. Früher versorgte sie einen Teil von Epfach mit frischem Wasser. Weil die Menge jedoch schwankte, sei der Ort schließlich an Kinsau und später an Denklingen angeschlossen worden. Für die Fischaufzucht hatte das Wasser in all den Jahren aber immer gereicht. Bis jetzt.

Der 70-Jährige steigt über moos­bewachsene Steine hinauf zur bröckelnden Betonfassung. Eigentlich sollte hier das Wasser in großer Menge den Hang hinabströmen, doch alle Rinnen sind komplett trocken. Die Quelle, sie ist versiegt. Im Sommer vergangenen Jahres habe man noch genug Wasser gehabt, doch im Oktober sei die Menge schlagartig zurückgegangen, sagt Schelkle. Das historisch trockene Jahr 2018 und die trockenen Winter davor, sie haben ihre Spuren im Grundwasser hinterlassen. 930 Liter hat es im vergangenen Jahr in Epfach geregnet, hat Schelkle gemessen. Normal seien über 1.200 Liter. Mit fatalen Folgen für die Fischaufzucht.

Kaum frisches Wasser läuft von der zweiten Quelle in den Weiher.

Die beiden Becken, in die der Landwirt normalerweise die Brut, die er bei einer Fischzucht kauft, einbringt, sind komplett ausgetrocknet. Auch der große Stauweiher führt deutlich weniger Wasser als normal. Schelkle deutet auf ein langes Rohr, aus dem es leise plätschert. Es kommt von einer anderen Quelle im Hang. „Normalerweise schießt hier das Wasser regelrecht raus.“ Das fehlende Nass führte im Winter dazu, dass die Temperatur des Wassers in den Weihern, die sonst durch die stete Speisung konstant elf Grad beträgt, stark absank. Dadurch wuchsen die verbliebenen Forellen deutlich langsamer als normal. Um sie pünktlich zu Ostern zu verkaufen, fehlt es ihnen an Gewicht.

Seit Tagen müssen die Schelk­les deswegen ihren Kunden die schlechte Nachricht überbringen, dass es zu Ostern keine Epfacher Forellen gibt. Ein Stammkunde sei sogar extra aus Hohenfurch hergefahren, „weil er es nicht glauben wollte“, erzählt Schelkle. Auch den Räucherofen wird der 70-Jährige am Karfreitag nicht anschüren, eigentlich eine lieb gewonnene Tradition.

Wie es weitergeht? Maria und Matthias Schelkle schauen sich an. Auch wenn es schwer fällt, haben beide einen Entschluss gefasst: „Wenn das Wasser in den nächsten Monaten nicht zurückkommt, dann fangen wir nicht mehr an.“ 

Christoph Peters

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