1. kreisbote-de
  2. Lokales
  3. Landsberg

Kommt in Zukunft Erdgas aus Reichling?

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Susanne Greiner, Manuela Schmid

Kommentare

Gas Pipeline Symbolfoto
Kommt die Erdgas-Pipeline von Reichling zur Anschlussstelle Denklingen? © Symbolfoto: Panthermedia/photojimdp

Reichling – Regionale Energieversorgung und Importunabhängigkeit dürften aktuell angenehmes Kribbeln erzeugen. Auch Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger griff darauf in seiner Pressemitteilung vom Freitag zurück, in der er die „Erdgasexploration im Feld ‚Lech‘ im Landkreis Landsberg am Lech“ ankündigte. Die Stellen, an denen nach Erdgas gebohrt werden soll, liegen südlich von Reichling: eine in der Mühlau, zwei weitere auf Höhe des Kromerhofs kurz vor dem Kreisverkehr Richtung Rott.

Erdgasbohrugen sind für die Region nicht neu. Schon in den 70ern und 80ern wurde hier nach Gas gesucht. Allerdings nahm man damals an, dass mögliche Vorkommen rund um Kinsau zu finden wären. Deshalb bekamen die Bohrstellen die Namen auch damals „Kinsau I“ und „Kinsau II“ – ein Name, der ihnen geblieben ist. Und da auch Aiwanger anfangs noch von Kinsau ausging (was in der Pressemitteilung zu lesen ist), war Kinsaus Bürgermeister Marco Dollinger am Freitag ein gefragter Mann. Er konnte aber nur weiterverweisen nach Reichling zum Kollegen Johannes Leis, in dessen Gemeinde die künftigen Bohrstellen liegen..

Der konnte noch nicht allzuviel sagen, das Ganze sei erst seit Freitag öffentlich. Man habe die betroffenen Gemeinden „im Rahmen des bergrechtlichen Beteiligungsverfahrens“ informiert, dass „die Aufsuchungserlaubnis ‚Lech‘ für drei Jahre an ein Berliner Gasunternehmen“ namens Genexico erteilt wurde. Jetzt könne Genexico die Genehmigung für die Erkundungsbohrung, eine sicherheitstechnische Zulassung, beim zuständigen Bergamt beantragen. „Sie gehen von 300 bis 500 Millionen Kubikmeter Gasvorkommen aus“, sagte Leis.

Reichling hat vorgesorgt und untersuchen lassen, ob die Trinkwasserversorgung durch die Bohrung gefährdet sein könnte. Die Bachrunzel, die Quelle für die Trinkwasserversorgung Reichling, liegt in der Nähe der zukünftigen Bohrstellen. Die Untersuchung habe aber gezeigt, dass für das Trinkwasser keine Gefahr bestehe, so Leis. Weitere Gefahren sehe er nicht. Allerdings habe die Gemeinde auch kein ‚Vetorecht‘, man werde nur eingebunden.

Das im Lechrain befindliche Erdgas ist ein Gas-Öl-Gemisch. Das Öl werde herausgefiltert und abtransportiert. Das Gas, das in vier Metern Tiefe vermutet wird, dürfte ins Netz Erdgas Schwaben eingespeist werden. Dafür müsse dann eine Pipeline von der Anschlussstelle bei Hirschvogel in Denklingen bis Reichling gebaut werden. Die Förderung könne 2025 gestartet werde, schätzt Leis, als Förderdauer nennt er bis zu 40 Jahre. Allerdings gilt die bisher erteilte Erlaubnis des Ministeriums nur für die Erkundungsbohrungen. Die Förderung muss extra beantragt werden.

Oberbayern liegt insgesamt im Fokus, wenn es um Erdgas geht. Vor allem im Süden Bayerns zwischen Lech, Isar, Inn und Salzach, vermute man noch Gas unter der Erde, teilt das Wirtschaftsministerium mit. Im Bayerischen Alpenland seien seit den 1950er Jahren fast 60 bayerische Gasfelder entdeckt worden. Mittlerweile seien viele Vorkommen jedoch ausgebeutet: Bayern habe in den 1970ern rund 30 Prozent seines Gasbedarfes aus heimischen Erdgaslagerstätten gedeckt.

Auch interessant

Kommentare