Von der Erdnuss bis hin zur Zecke

Nach dem Vortrag von Dr. Oliver Wiese nutzten etliche Eltern die Möglichkeit, unter Aufsicht von Tobias Christmann vom Roten Kreuz mit den Puppen zu üben. Foto: Hollrotter

Ein wahres Mammutprogramm an „Notfällen im Kindesalter“ hat unlängst Dr. Oliver Wiese mit gut 120 interessierten Zuhörern in seinem Vortrag absolviert. Organisiert worden war er von der Gesundheitsorganisation Gesola in Kooperation mit dem Landsberger Eltern-ABC. Von der Erdnuss bis zu Zecke, vom Pseudokrupp bis zur Reanimation behandelte der Kinderarzt „rund 95 Prozent aller Dinge, die einem begegnen können“.

Locker und humorvoll vermittelte Dr. Wiese den Müttern und Vätern sein Wissen. Zum Beispiel, dass Fieber nicht mit Medikamenten unterdrückt werden sollte. Denn es ist ungefährlich und sorgt dafür, dass Kinder das tun, was ihnen bei Krankheit am meisten hilft: Schlafen. Temperaturen von gut 40 Grad seien bei Babys völlig normal, wenn auch für die Eltern anfangs oft erschreckend. Bei zu hohen Temperaturen helfen ganz einfach lauwarme Wadenwickel. Auch Erkältungshusten sei sinnvoll und wichtig, um den Schleim zu lösen, so der Mediziner. Auch hier verwies er auf „alte Hausmittel“ wie Wickel, inhalieren, viel trinken, einen abendlichen Löffel Honig plus geöffnetes Fenster in der Nacht. Bei Ohrenschmerzen helfen oft Zwiebelwickel, bei Bauchweh der Gang zur Toilette oder ein warmes Kirschkernkissen. Gerade bei Letzterem könnten die Eltern das Kind durch Tasten selbst untersuchen, ermutigte Wiese. „Wenn das Kind ernsthaft krank ist, merken Sie das“, appellierte er an die Intuition der Eltern – und gab ihnen die wichtigsten Notrufnummern wie die 112 oder den Giftnotruf 089/19240 an die Hand. Der Kinderarzt hatte auch etliche Tipps, um Notfälle zu vermeiden: So sollten Gartenteiche und Regentonnen unbedingt gesichert und Kinder nie alleine in der Badewanne gelassen werden. Heiße Getränke und Tischdecken in der Nähe von Kleinkindern sind wegen der Ver­brühungsgefahr tabu und auf den Verzehr von Erdnüssen sollte verzichtet werden. Denn vor allem Krabbelkinder finden heruntergefallene Exemplare, die leider genau in die Luftröhre passen, garantiert. Dann helfen nur noch beherzte Schläge zwischen die Schulterblätter oder plötzlicher Druck auf den Oberbauch, um den Fremdkörper wieder loszuwerden. Wie die Reanimation im Notfall mit dem 30/2-Rhythmus (30 Herzmassagen und zwei Beatmungen) aussieht, demonstrierte Tobias Christmann vom Roten Kreuz mit zwei Übungspuppen. Etliche Eltern nutzten nach dem Vortrag die Gelegenheit, selbst an den Puppen zu üben und auszuprobieren, wie tief der Brustkorb dabei eingedrückt werden muss. Überhaupt beteiligten sich die Zuhörer rege, steuerten Fragen bei und gaben zumeist richtige Antworten auf Wieses Fragen. So wussten etliche Mütter und Väter, dass bei einem Pseudokruppanfall frische Luft oft Linderung bringt oder dass Zecken so schnell wie möglich selbst entfernt und dann die Bissstelle beobachtet werden sollte. Eine Verstauchung wird eine Viertelstunde lang gekühlt und dann eng eingebunden, ein Bruch lediglich fixiert und bei Nasenblutungen die Nase bei nach vorne geneigtem Kopf fest zusammengepresst. Eltern von Säuglingen mahnte Wiese eindringlich, ihre Kinder auf keinen Fall zu schütteln, da schon ein einziger heftiger Ruck eine Gehirnblutung auslösen könne. Bei Kopfschmerzen sollte mit dem „Kinn-Papier-Test nach Wiese“ (Testen, ob das Kind ein Blatt Papier zwischen Kinn und Brust einklemmen kann) eine Gehirnhautentzündung ausgeschlossen wer­- den. Im Zweifel, betonte der Mediziner, sei es auf jeden Fall besser, einmal zu oft als zu wenig den Notruf oder die Nummer des Kinder- oder Hausarztes zu wählen.

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