950 Jahre Eresing

"Zier für den Landkreis"

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Einen Streifzug durch die Eresinger Geschichte unternahm Kreisheimatpfleger Guido Treffler.

Eresing – Mit einem Festgottesdienst und einem Weißwurstfrühstück im Alten Wirt hat Eresing die Feierlichkeiten zu seinem 950-jährigen Jubiläum eingeläutet. „Wir wollen die Geschichte unserer Heimat hochleben lassen“, sagte Bürgermeister Josef Loy zum Auftakt vor dem vollbesetzten Saal. Als Mehrwert nahmen die zahlreichen Besucher aus Vorträgen von Kreisarchiv­pfleger Guido Treffler und Heimatpfleger Martin Wölzmüller viel Wissenswertes über die Geschichte und den Dialekt ­Eresings mit.

Die Endung „-ing“ im Ortsnamen deutet gemeinhin auf eine Besiedlung bereits im 6. oder 7. Jahrhundert hin. Reihengräber aus dieser frühen Zeit, die in Eresing gefunden wurden, untermauern die Theorie, dass das Dorf schon lange vor seiner ersten urkundlichen Erwähnung bestand. „Die Gräber lassen jedoch keinen Rückschluss darauf zu, wie groß die Siedlung war und ob sie dauerhaft bewohnt war“, schränkte Treffler ein. So muss man sich mit 1067 als Bezugspunkt zufriedengeben.

Ein Rückblick ins 18. Jahrhundert zeigte bereits Parallelen zur Gegenwart. Damals leitete ein Gremium aus zwei Großbauern und zwei Söldnern – den Inhabern etwas kleinerer Hofstellen – die Geschicke des Dorfes. Sie waren unter anderem für die Sicherheit der Feuerstätten und den Trinkwasserbrunnen zuständig – „gar nicht so anders als heute“, wie Treffler anmerkte.

Ein Sprung ins 20. Jahrhundert führte zum ersten Eresinger Ehrenbürger Xaver Schweiger. Er übernahm 1946 die Leitung der Schule, saß ab 1966 im Gemeinderat, war noch unter Bürgermeister Loy etliche Jahre Gemeindeschreiber und engagierte sich ehrenamtlich in vielen Vereinen.

Die Heimat in dieser Weise mitzugestalten – das legte Martin Wölzmüller den Anwesenden ans Herz, bevor er sich einem anderen Aspekt der Eresinger Identität widmete: dem Lechroanischen, „unsere Sprache und unser Atem“, wie Loy es eingangs formuliert hatte.

Der Dialekt besteht aus Überbleibseln des Alt- und Mittelhochdeutschen und weist sowohl schwäbische wie auch bayerische Elemente auf. Dass die alte Mundart sich über die Jahrhunderte erhalten hat, ist nicht zuletzt der Geographie geschuldet. Mit dem Lech als westlicher und dem Ammersee als östlicher Grenze fand in der Region relativ wenig Austausch mit den jenseitigen Gebieten statt.

Wie viel Lechroanisch den Eresingern noch geläufig ist, konnte man am Gelächterpegel ablesen, als Wölzmüller ein paar Beispielbegriffe nannte. Für die zahlreichen Zuzügler im Ort dürften „Afdrmejdda“ (Dienstag), Beeds (feuchte Erde), Bleewl (Bleistift), Denggaweetsch (Linkshänder) und Rousmugga (Sommersprossen) allerdings böhmische Dörfer sein und bleiben.

Die Glückwünsche des Landkreises überbrachte Landrat Thomas Eichinger. Mit seinem lebendigen Dorfleben und den schönen Bauwerken wie etwa der Ulrichskirche sei Eresing „eine Zier für den ganzen Landkreis“. Und dass der Ort auch musikalisch seine eigene Identität hat, bewiesen der Singkreis des Seniorenclubs Eresing/Pflaumdorf mit dem „Eresinger Heimatlied“ und der Musikverein mit dem „Eresinger Marsch“.

Ulrike Osman

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