Erfolg durch sinkende Zahlen – Jobcenter Landsberg zieht positive Bilanz – "Traumquoten" bald vorbei

Wenn Walter Fischl Rückschau hält, gibt es eigentlich nur Grund zur Freude: Als Geschäftsführer des Jobcenters Landsberg hat er nun, vier Jahre nach einer der größten Sozial- und Arbeitsmarktreformen, bei denen das Arbeitslosengeld II eingeführt wurde, positive Bilanz für die Arbeit des hiesigen Jobcenters gezogen. Die Zahl der Arbeitslosen, die ALG II beziehen, ist seit 2005 stark gesunken. Damals wurden in Landsberg 1230 Arbeitslose gezählt – im vergangenen Dezember waren es nur noch 459. Sorge dagegen macht Fischl die Zukunft: Die Folgen der Finanzkrise wird auch das Jobcenter zu spüren bekommen. Mit steigenden Arbeitslosenzahlen, vor allem durch entlassene Zeitarbeiter sei zu rechnen. Diese bis Mitte des Jahres wieder zu integrieren ist Ziel für Fischl und seine Mitarbeiter.

Im Jahr 2004 wurden Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe zusammengeführt. Die Grundsicherung für Arbeitssuchende bekam ein neues Konzept. Dabei trat das Sozialgesetzbuch II in Kraft. Für rund sieben Millionen Menschen änderten sich die Grundsicherungs- und Förderungsleistungen sowie die Ansprechpartner. Um das SGB II umzusetzen, wurde aus Mitarbeitern des Landratsamtes und der Agentur für Arbeit eine Arbeitsgemeinschaft gebildet. „Der Aufbau des SGB II war zwar mit vielen Schwierigkeiten verbunden – aber trotz aller Vorbehalte ist die Arbeitsgemeinschaft SGB II auch hier im Landkreis gut gestartet“, erklärt Fischl dazu. „Fordern und dann fördern“ heiße die Devise im Jobcenter, mit der Arbeitslosen wieder eine Stelle vermittelt wird. Eine Erfolgsgeschichte nennt der Geschäftsführer „seine Arge“. Dafür kann er nicht nur mit den rapide gesunkenen Arbeitslosenzahlen aufwarten, die in der letzten Statistik vom Dezember lediglich 30 Prozent der Gesamt-Arbeitslosenquote im Landkreis (2,7 Prozent) ausmachen. Gegenüber den Jobcentern in Weilheim-Schongau und Garmisch-Patenkirchen liegt Landsbergs damit auf dem ersten Platz. In der Rangliste zur Entwicklung der Arbeitslosigkeit in den bayerischen Argen seit Januar 2005 liegt das hiesige Jobcenter auf Position drei mit einer Reduzierung der Arbeitslosigkeit um 55,4 Prozent. Auch bei Arbeitslosen unter 25 Jahren blicken die Mitarbeiter der Landsberger Arge auf Erfolge: Ihr Prozentsatz ging um 70 Prozent zurück. Ein weiterer Platz 3 wurde auf der Controlling-Hitliste erreicht. Die Ausgaben des Landsberger Jobcenters, etwa für die passiven Leistungszahlungen, konnten reduziert werden. Allesamt gute Ergebnisse über die sich auch Ferdinand Pilzweger, der Leiter der Agentur für Arbeit in Weilheim und Landrat Walter Eichner (CSU) freuen. Eichner betonte die gute Zusammenarbeit zwischen Landkreis, Arbeitsagentur und Jobcenter. Netzwerke seien nötig, um Bürgern aus der Arbeitslosigkeit zu helfen. Die aktuelle Zahl von nur 459 Arbeitslosen, die ALG II empfangen, könnte, so Walter Fischl, eventuell den Tiefststand markieren. Der positive Trend der letzten Jahre setze sich so nicht fort. Das Wirtschaftswachstum wird sehr gering ausfallen oder sogar eine Rezession eintreten, befürchtet Fischl, aufgrund der Finanz- und Wirtschaftskrise. Am ehesten spürt das die Zeitarbeitsbranche, die als Frühindikator auf dem Arbeitsmarkt gilt. Schon jetzt hätten sich große Firmen von Zeitarbeitern getrennt. Das Jobcenter, das besonders diese kurzfristig verfügbaren Arbeitskräfte vermittelt, wird also mit mehr Kunden rechnen müssen. Einige Unternehmen haben indes bereits Kurzarbeit angemeldet. Im gesamten Agenturbezirk Weilheim sind es elf Betriebe, deren 784 Mitarbeiter derzeit Kurzarbeitergeld, beanspruchen. Im Landkreis Landsberg zählen Klausner Holz Bayern und Hirschvogel in Denklingen dazu.

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