"Straight Outta Kaufering"

Erfolgreich: der Rapper Azan aus Kaufering

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Liegt ihm die Welt bald zu Füßen? Rapper Azan – mit vollem Namen Ramazan – aus Kaufering hat großes Talent und große Ziele.

Kaufering – Mit „Keine Chance“ hat der 21-jährige Rapper Azan aus Kaufering die Top 50 in Spotify geknackt. Der Kurde und seine Crew von Shiko Records machen professionelle Musik und Videos, die mittlerweile weit über ihre Heimatstadt hinaus bekannt sind. Wie alles anfing und wo es in Zukunft hingehen soll, erzählten Azan und Label-Mitgründer Driton Shaljani dem KREISBOTEN.

Mit vollem Vornamen heißt der 21-jährige „Azan“ eigentlich Ramazan und ist Kurde aus dem Irak, der im Alter von drei Jahren mit seiner Großfamilie aus der kriegumtosten Heimat flüchtete. Es verschlug ihn nach Kaufering, er absolvierte die Schule und arbeitete im Imbiss der Familie im Geltendorfer Bahnhof.

„Hobbymäßig habe ich mit meinen Kumpels vor drei Jahren angefangen zu singen. Ich habe damals viel amerikanische Musik gehört. Viel R&B und Songs in dieser Richtung. Dann habe ich Bushido und andere deutsche Rapper entdeckt und einfach mal losgelegt“, berichtet Azan von den Anfängen seiner Karriere.

Driton Shaljani (27), gebürtiger Kauferinger mit albanischen Wurzeln, wurde auf das Talent von Azan aufmerksam. Gemeinsam mit seinem Bruder Arton und Cousin Besnik gründeten sie das Label „Shiko Records“. Sie nahmen Azan unter ihre Fittiche und brachten im Oktober 2018 den ersten Song an den Start: „Sadam“. Produziert von KD Beatz, der schon mit Kollegah, Haftbefehl und Farid Bang arbeitete.

„Ich mache eigentlich so gut wie alles selbst: schreibe die Texte und denke mir die Beats und Melodien aus. Erst dann kommt ein Produzent ins Spiel“, erklärt Azan die Entstehung eines Tracks und Driton ergänzt: „Wir hatten ja gar keine Erfahrung und haben uns einfach umgehört. Schließlich haben wir ein kleines Studio in Rosenheim gefunden, wo eigentlich Pop und Schlager gemacht wurde. Da wurde der erste Song aufgenommen.“

Gleichzeitig wurde das erste Video gedreht und sieht erstaunlich professionell und stylisch aus: teure Sportwagen, hübsche Mädels und beeindruckende Locations. Azan fährt allerdings nicht die Gangsta-Schiene der Rapper aus Berlin oder Hamburg, sondern sein Flow und seine Rhymes sind irgendwo zwischen guter Laune, Romantik, Selbstironie und Party einzuordnen.

Ohne jede Werbung erreichte „Sadam“ mehr als zehntausend Aufrufe bei YouTube, Spotify und anderen Kanälen im Internet, die heutzutage wichtiger sind als die herkömmlichen Tonträger. Beflügelt durch diesen ersten Achtungserfolg folgte noch im selben Jahr der Song „Pepsi“. Und damit knackten Azan und Shiko Records die halbe Million Aufrufe.

Anfang des Jahres 2019 erschien „Keine Chance“ und der Song ging durch die Decke. Bis heute hat Azan damit 6,4 Millionen Aufrufe erreicht und kam in die Top 50 bei Spotify. Auf einmal meldeten sich Produzenten, Influencer, Top-Manager und Vertriebe, die Azan viel Geld und eine goldene Zukunft versprachen. „Uns wurden schon sechsstellige Summen geboten. Wir haben uns das alles angehört, viele Kontakte geknüpft, aber wir möchten das machen, was uns Spaß macht, und unabhängig bleiben“, schildert Driton die Versuchungen der Musik-Industrie.

Das Label „Shiko Records“ wächst, hat schon weitere Künstler in Entwicklung, aber momentan gilt die größte Aufmerksamkeit dem Zugpferd Azan, wie Driton versichert: „Er soll sich ganz auf seine Musik, die Songs und die Videos konzentrieren. Wir drei vom Label halten ihm den Rücken frei und kümmern uns um alles geschäftliche. Die endgültigen Entscheidungen werden dann natürlich gemeinsam getroffen.“

Die meisten Hörer und Fans hat er, laut einem Spotify-Ranking, in Hamburg, Frankfurt, Stuttgart, München und Berlin. Er wird auf der Straße erkannt und angesprochen, veranstaltete ganztägige Fan-Treffen in Deutschland und der Schweiz. Azan, der aufgeweckte und lebensfrohe Junge aus Kaufering, ist in der deutschen Rap-Szene angekommen.

„Für 2020 planen wir zwölf neue Songs. Die Texte fließen mir meistens einfach zu und die Ideen gehen mir nicht aus“, versichert Azan. Er blickt optimistisch in die Zukunft und formuliert große Ziele: „Was soll ich sagen!? Irgendwann will ich in den Charts auf Platz 1 stehen. Logisch. Ich komme zwar aus Bayern, aber will hinaus in die ganze Welt.“
Dietrich Limper

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