Brillenmacher Dieter Funk:

Hidden Champion mit Durchblick

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Kritischer Blick aufs Produkt: Dieter Funk und seine Frau Sashi.

Kinsau – Dieter Funk ist gewiss einer der außergewöhnlichsten Unternehmer in der Region Landsberg: Vor knapp 25 Jahren gründete er seine Firma, vor knapp 15 Jahren seine Kinsauer Manufaktur. Der Brillenmacher hat internationales Renommee. Im Juni zieht er in ein neues Gebäude: Der Clou ist eine gläserne Manufaktur.

Etwas müde, aber glücklich wirkt der Mann. Kein Wunder: Innerhalb von einem Jahr hat Dieter Funk den Neubau seiner Brillenmanufaktur im Industrie­gebiet von Kinsau hochgezogen. Die Bauleitung nahm der 50-Jährige mit Ehefrau Saschi selbst in die Hand – neben der laufenden Produktion. Ein architektonisches Glanzstück: 2.100 Quadratmeter in Glas, Sichtbeton und Stahl. „Eine anstrengende, aber auch eine lehrreiche Zeit“, sagt er. Das Besondere ist die „Haus-in-Haus-Konstruktion“. Und dass Ladenbesucher durch eine Glasscheibe auf die Fertigung gucken können.

Stolz auf sein neues Firmengebäude: Der Kinsauer Brillenmacher Dieter Funk hat die Bauleitung und wird im Juni seinen neuen Standort mit Ladengeschäft eröffnen.

„Meine Mitarbeiter freuen sich, es wurde einfach zu eng im alten Gebäude“, sagt er.

Neben Kinsau betreibt Funk drei Läden in München und Berlin, einen weiteren in Berlin baut er gerade mit einem riesigen Kellergewölbe zur „Kleinmanufaktur“ aus. Nebenbei.

Sonst noch was? Die ersten Umzugsfuhren gingen vom Altstandort – ein Bauernhaus aus dem 15. Jahrhundert – bereits in den Neubau: Maschinen, Werkbänke, Regale – bis Juni soll das Unternehmen umgezogen sein. Und etliche Vorstellungsgespräche führt Funk gerade auch – er stockt sein Personal auf insgesamt 48 auf. Wer so viel schafft, darf auch mal ein bisschen müde gucken.

Mancher wird sagen: „Funk? Nie gehört.“ Dieter Funk ist ein echter „Hidden Champion“: in der Region eher unbekannt, weltweit eine echte Nummer. 2.000 Optiker in Europa vertreiben Funk-Brillen. Im oberen Preissegment, denn die Gestelle – überwiegend aus dem Naturstoff Acetat – durchgehen zahlreiche komplexe Arbeitsschritte per Hand. Augenmaß und Sorgfalt sind gefragt. Der Erfolg freut den gebürtigen Landsberger, der seine Optikerlehre einst in Kaufbeu­ren absolvierte. „So wird aus einem Trend eine Bewegung“, sagt Funk.

Wer meint, er habe noch nie so eine Brille gesehen, irrt: Moderator Joko Winterscheid, Schauspieler Rick Kavanian, Uwe Ochsenknecht, Regisseur Steve McQueen oder Matthias Schweighöfer – sie alle tragen seine Brillen. Oder die seiner Frau Saschi, die mit ihrer Marke „Sashee Schuster“ für Furore sorgt. Sie gestaltet extravagante Brillen mit Naturelementen wie Blüten, Blätter oder Blattgold, die sie sandwichartig in Acetat laminiert.

Kein Wunder, dass die Funks in aller Munde sind. Bild berichtete über sie, das Bayerische Fernsehen ebenso, das Magazin Echt Bayern bringt in seiner aktuellen Ausgabe ein mehrseitiges Porträt. Auch in die edle Raw Bible, ein Kompendium handgefertigter Qualitätsprodukte, wurde Funk Eyewear aufgenommen. „Wir haben die Nerdbrille bereits vor zwölf Jahren gemacht“, sagt er schmunzelnd. Heute trägt die massiven Brillen jeder, der sich für modebewusst hält.

Bei der Grundsteinlegung im Sommer 2016: Dieter Funk (Mitte) und seine Truppe.

Trotz des großen Erfolgs legt Dieter Funk Wert auf Bodenständigkeit. In seinem Neubau kamen nur Handwerker aus der Region zum Einsatz. Im Laden wird er den Kunden bayrische Schmankerl anbieten. Und eben Brillen, handgemacht in Kins­au. Bei Funk arbeiten rund 30 hochqualifizierte Leute: Optiker, Zahntechniker, Schreiner, Modellbauer oder Maschinenbauer.

Aber für den pfiffigen Unternehmer ist die Region weit mehr als Produktionsstandort. Gerade sein Heimatdorf Kinsau, wo er auch im Gemeinderat sitzt, hat es ihm von der ersten Minute angetan: „Für uns das schönste Dorf am Lech, hier wollen wir nicht mehr weg.“ Am Kinsauer Maibaum hängt seit dem vergangenem Jahr auch das Zeichen der Brillenmacherzunft: Hier wurde das ausgestorbene Handwerk wiederbelebt.

Klaus Mergel

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