Der Erfolgshunger fehlt

Gegen Sonthofen verspielte der TSV Landsberg wohl endgültig seine Chance auf den direkten Aufstieg in die Bayernliga Süd, obwohl es zuletzt im Spiel gegen Thannhausen (Foto) noch vielversprechend aussah. Foto: Krivec

Wenn der TSV Landsberg in die neue „Bayernliga Süd“ will, wird er das wohl nur über eine „Strafrunde“ schaffen. Die direkte Qualifikation dürften die Landesliga-Fußballer am Wochenende mit dem 1:3 (1:1) in Sonthofen endgültig verspielt haben. Wieder einmal waren es individuelle Fehler, die einen durchaus möglichen Erfolg verhinderten.

Fünf Punkte Rückstand sind es jetzt auf Platz acht, sechs sind noch zu vergeben, doch Spielertrainer Sven Kresin macht sich keine Illusionen: „Kottern ist im Moment Achter und spielt diese Woche beim Letzten in Thannhausen, danach ist die Geschichte vermutlich gegessen. Auch, wenn wir nicht vorzeitig aufgeben, alles andere würde mich sehr überraschen.“ Die Landsberger hatten ihr Glück allerdings in Sonthofen selbst in der Hand, vergaben ihre Chancen aber wieder einmal leichtfertig. „Das zieht sich leider wie ein Roter Faden durch die Saison“, so Kresin, „wenn es darauf ankommt, machen wir die Fehler. Nach 32 Spieltagen muss man feststellen, dass es uns in diesen Situationen eindeutig an der Qualität fehlt.“ Dabei war der Führungstreffer durch Benjamin Müller (7.) in Sonthofen noch gar nicht das Problem: Nur vier Minuten später tanzte Bajram Nebihi vier Gegenspieler aus und glich zum 1:1 aus. Wie dann allerdings in der zweiten Hälfte die entscheidenden Treffer fielen, dürfte jeden TSV-Anhänger ärgern: Beim 1:2 durch Wiedemann Sekunden nach dem Wiederanpfiff gab es ein grobes Missverständnis zwischen Keeper Tobias Heiland (Markus Obermayer fiel mit Angina aus) und seiner Verteidigung. Zehn Minuten später durfte erneut Wiedemann jubeln – bei seinem Treffer zum 3:1 profitierte er allerdings entscheidend davon, dass sich die TSV-Verteidigung ausschließlich darauf konzentrierte, auf Abseits eines anderen Sonthofeners zu reklamieren und den Torschützen einfach laufen ließ. Für Wiedemann waren es die beiden ersten Treffer in dieser Saison, der Aufsteiger aus dem Allgäu hat damit einen großen Schritt in Richtung Bayernliga getan. Der TSV Landsberg muss sich dagegen auf die Relegationsrunde einstellen. Dabei hätte man auch in Sonthofen durchaus als Sieger vom Platz gehen können. 30 Minuten war man klar überlegen, selbst nach dem 1:3 kam man noch zu besten Chancen. Die größte vergab der eingewechselte Leszczynski neun Minuten vor Schluss, als er freistehend aus acht Metern Sonthofens Torwart Liebherr anschoss. Für Sven Kresin ist das mehr als ärgerlich: „Ich werde fuchsig, wenn ich Ziele nicht erreiche, die ich mir gesteckt habe. Und die Bayernliga war und ist das Ziel. Man muss aber feststellen, dass bei einigen Spielern die Erfolgshungrigkeit fehlt, bei einigen aber einfach auch die Qualität. In der Abwehr sind wir schlicht und einfach nicht so gut aufgestellt wie die Vereine, die jetzt auf Platz eins bis acht stehen.“ Sein Fazit für die kommende Saison: „Zwischen dem Anspruchsdenken, das einige haben und der Wirklichkeit klaffen bei uns Welten. Wir können jetzt auch nicht mehr nur streicheln, wir werden einen anderen Weg gehen müssen.“ Allerdings fehle für einen harten Kurs auch das Geld: „Wir verfügen in Landsberg über eine hervorragende Infrastruktur, wie sie mancher Bayernligist nicht hat, aber uns fehlen einfach die finanziellen Mittel einiger Konkurrenten. Vielleicht muss man die Spieler dann einfach dahin ziehen lassen, wo es mehr Geld für sie gibt und mit jungen, hungrigeren Leuten etwas aufbauen“, so Kresin. Zu Wochenbeginn (nach Redaktionsschluss) gab es eine Aussprache zwischen Mannschaft, Trainer und Abteilungsleitung. Dass man derzeit nicht für die kommende Saison planen kann (weil man nicht weiß, in welcher Liga man antritt), dürfte ein Thema gewesen sein, genauso wie die bevorstehende Relegation: Da warten nach momentanem Stand Gegner wie Fürstenfeldbruck, Kottern, Pipinsried und Affing. Zuvor tritt man noch zum Heimspiel gegen Gundelfingen (Samstag, 15 Uhr, Hacker-Sportpark) und beim abgeschlagenen Vorletzten in Durach an (19.5., 15 Uhr). Zwei Spiele, die wie gemacht für einen direkten Aufstieg gewesen wären. Den hat man aber schon lange vorher verschenkt, wie auch Kresin weiß: „Wir haben das leichtfertig hergegeben. Die Spiele gegen Pipinsried, Eching, Thannhausen – wir könnten längst gesichert weiter vorne stehen.“ Letztendlich geht es jetzt wohl nur noch darum, die Mannschaft für die Relegation „mental weiterzubringen.“

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