Mehr Geld für Fundtiere?

Hitzige Debatte um pauschal 60 Cent 

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Manolo und Skipper wurden beide vor einigen Jahren im Landsberger Tierheim abgegeben – mittlerweile fanden die beiden ein gemeinsames neues Zuhause und ihre Erfolgsgeschichte war sogar Thema der Sendung „Zeit für Tiere“ im Bayerischen Fernsehen.

Landkreis – 60 Hunde und 143 Katzen aus den Landkreis-Gemeinden sind im vergangenen Jahr entlaufen oder aus­- gesetzt worden und kamen dann ins Tierheim. Damit sich Stadt und Gemeinden nicht selbst um die Versorgung der gefundenen Haustiere kümmern müssen, bezahlen sie eine Fundtierpauschale an den Tierschutzverein.

Bislang waren das 30 Cent pro Einwohner – „viel zu wenig“, findet Vorsitzender Detlef Groß­- kopf. Er bat daher die einzelnen Gemeinden um eine Erhöhung auf 60 Cent – davon sind die Kommunen aber weit entfernt.

„Die Fundtierpauschale ist unsere wichtigste Einnahmequelle“, erklärt Großkopf. Neben Spenden und sonstigen Einnahmen sei das Tierheim auf die Pauschale angewiesen. Grundsätzlich ist es nämlich Aufgabe der jeweiligen Kommune, sich um entlaufene oder ausgesetzte Tiere zu kümmern. Damit der Tierschutzverein diese Aufgabe übernimmt, zahlen die Gemeinden die Pauschale – bislang 30 Cent pro Einwohner und Jahr. „Kostendeckend ist das aber nicht“, wie Großkopf auch in einem Schreiben an Landrat Walter Eichner darlegt. Benötigt würden mindestens 54 Cent, rechne man Kosten für Reparaturen, Neuanschaffungen oder ähnliches hinzu, so sei man schon bei 60 Cent.

Alternativ schlug Großkopf vor, die Fundtierpauschale für die Kommunen schrittweise zu erhöhen, etwa bis auf 45 ab dem kommenden Jahr und zwölf Monate später dann erst auf 60 Cent. Das war dann aber den meisten Bürgermeistern doch zu viel. In ihrer Dienstbesprechung forderten sie eine Erhöhung auf 45 Cent – bindend für die nächsten drei Jahre. Vollständig abgelehnt hat die Pauschale wieder die Gemeinde Egling. „Sie zahlt dann die Einzelabrechnung für jedes dort gefundene Tier“, erklärt Großkopf. Das sei aber in der Regel wesentlich teurer, denn die Einzelabrechnung für einen Hund kostet für vier Wochen inklusive tierärztlicher Untersuchung, zwei Impfungen, Heimtierausweis, Chip und Pensionsgebühr rund 546 Euro.

Zudem seien die Einzelabrechnungen laut Großkopf mit einem wesentlich höheren Verwaltungsaufwand verbunden. Auch seien die Gesamtkosten nicht im Vorhinein kalkulierbar. „Deshalb ist die Fundtierpauschale nach Abwägung aller Vor- und Nachteile für beide Seiten die bessere Alternative.“

Nicht nachvollziehbar

Zahlreiche Gemeinden im Landkreis haben die vereinbarte Erhöhung auf zumindest 45 Cent bereits befürwortet. Im Landsberger Stadtrat kommt das Thema am heutigen Mittwoch auf den Tisch. OB Mathias Neuner hatte sich bereits in der Bürgermeisterdienstbesprechung für eine Erhöhung auf lediglich 40 Cent ausgesprochen. „Für mich war das nicht wirklich nachvollziehbar“, gesteht der Vorsitzende des Tierschutzvereins.

Allerdings hat wohl auch Neuner die Vereinbarung der anderen Bürgermeister angenommen und der Stadtrat entscheidet laut Beschlussvor­schlag der Stadtverwaltung über eine Erhöhung auf 45 Cent. Damit würde die Stadt Landsberg im kommenden Jahr insgesamt rund 12600 Euro an Fundtierpauschale an das Tierheim bezahlen.

Das Tierheim Landsberg im Jahr 2012

Im vergangenen Jahr sind beim Landsberger Tierheim insgesamt 65 Hunde und 151 Katzen abgegeben worden. Zusammen mit den Tieren, die bereits im Tierheim leben, ergeben sich jährliche Kosten von rund 176000 Euro.

Die meisten Tiere, die im Landkreis entlaufen sind oder ausgesetzt wurden, kamen aus dem Stadtgebiet Landsberg: insgesamt 24 Hunde und 31 Katzen. Auch aus Dießen kamen 13 Katzen und 2 Hunde in die Obhut der Tierschützer. Neun Katzen kamen aus Kaufering ins Tierheim dazu acht Hunde.

Ebenso nahm das Tierheim auch fünf Hunde und acht Katzen von außerhalb des Landkreises auf. Somit lebten 2012 insgesamt 183 Hunde, 225 Katzen und 106 Kleintiere im Landsberger Tierheim. Die Unterbringung und Versorgung für jedes der 512 Tiere kostete im vergangenen Jahr damit jeweils rund 556,43 Euro. Aus der vollständigen Statistik errechnet sich dann auch die Höhe der Fundtierpauschale: um das Tierheim kostendeckend zu führen, müsste pro Einwohner ein Betrag von mindestens 54 Cent bezahlt werden.

Janina Bauch

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