Neue Konzeption

Erinnerungskultur im Landsberger Fokus

Mahnmal Landsberg Neue Bergstraße
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Eine neue Form des Gedenkens finden: Die Stadt Landsberg macht sich an die Erinnerungsarbeit. 
  • Ulrike Osman
    VonUlrike Osman
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Landsberg – Die Stadt will mehr für die Erinnerungskultur tun und im öffentlichen Raum eine Gedenkform für die Opfer des Nationalsozialis­mus finden. Außerdem will man Straßennamen, Denkmäler, Skulpturen und Kunstwerke in den historischen Kontext setzen. „Ich halte es für die Aufgabe der Stadt, hier tätig zu werden und das Thema endlich voranzubringen“, sagte Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl (UBV) in der jüngsten Sitzung des Bildungs-, Sozial- und Kulturausschusses (BSK).

Bereits in der Gesamtstrategie „Landsberg 2035“ ist von einer Beschäftigung mit der Stadtgeschichte und bewusster Erinnerung die Rede. Wichtige Erinnerungsformen fehlen bis jetzt jedoch gänzlich, wie es im Sachvortrag für den BSK hieß, insbesondere „das Gedenken an die jüdischen Bürgerinnen und Bürger, die unter der nationalsozialistischen Herrschaft vertrieben und zu Opfern wurden“. Mit dem noch zu entwickelnden Konzept sollen auch die engagierten ehrenamtlichen Akteure unterstützt werden, die seit vielen Jahren auf diesem Gebiet tätig sind.

Auch bei der Neukonzeptionierung des Stadtmuseums soll das Thema eine zentrale Rolle spielen. Für die Vermittlung historischer Zusammenhänge sind neben erläuternden Texten, Ausstellungen und Publikationen weitere Formate angedacht, darunter eine zusätzliche Datenbank, ein digitaler Stadtplan und eine Stadt-App, die das Museum entwickeln wird. Darüber hinaus wird für das Gelände der KZ-Gedenkstätte Lager VII eine bauliche Entwicklung angestrebt. Baumgartl will dem Stadtrat hierzu demnächst einen Grundsatzbeschluss vorlegen.

Aus dem Ausschuss kam breite Zustimmung dazu, dass die Stadt die Erinnerungsarbeit in die Hand nehmen will. „Es ist höchste Zeit“, betonte Zweiter Bürgermeister Moritz Hartmann (Grüne). Auch Petra Ruffing (CSU) fand, die Gedenkarbeit gehöre „in die Hände der Stadt“. Eine Zusammenarbeit mit Fachakteuren wird dabei durchaus angestrebt.

Umbenennen?

Stefan Meiser (ÖDP) forderte vor allem ein sichtbares Gedenken an die Landsberger, die Opfer von Enteignung, Deportation und Ermordung wurden – etwa in Form von Stolpersteinen – und weniger Fokus auf die Täter. Statt Straßennamen mit Erklärungstexten zu versehen, sei in manchen Fällen möglicherweise eine Umbenennung besser. „Wir sollten nicht nur ein weiteres Schild anbringen, sondern uns von manchen Namen generell trennen.“ Auch die Stadt Augsburg habe dies getan. hristoph Jell (UBV) sah das anders. „Wenn etwas verschwindet, kann man sich nicht mehr damit auseinandersetzen. Besser, man erklärt‘s.“

Einstimmig wurde die Verwal­tung beauftragt, Vorschläge für eine Gedenkform im öffentlichen Raum für die Opfer des Nationalsozialismus sowie ein Konzept zur Kontextualisierung von Straßennamen zu erarbeiten und auch Denkmäler, Skulpturen und Kunstwerke im öffentlichen Raum in den historischen Zusammenhang zu stellen.

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