Die Ermittlungen gehen weiter

Furchteinflößend: der Fräßkopf einer Keilzinkanlage, der im Januar einen 24-jähriger Arbeiter der Holzwerke Pröbstl in Asch erfasste und schwer verletzte. Foto: Hundegger

Weil in seinem Zuständigkeitsbereich ein 24-jähriger Arbeiter lebensgefährlich von einer holzverarbeitenden Maschine verletzt worden war, musste sich vergangenen Woche ein Produktionsleiter (44) der Holzwerke Pröbstl in Asch vor dem Landsberger Amtsgericht verantworten. Sowohl Richterin Beate Kreller als auch Staatsanwalt Andreas Schaefer kamen während der Beweisaufnahme erhebliche Zweifel an der Schuld des Angeklagten, weshalb das Verfahren gegen Zahlung einer Geldbuße von 1500 Euro eingestellt wurde. Ärger droht nun der Firmenleitung, deren Verantwortlichkeit sich in der Verhandlung abgezeichnet habe, wie die Richterin erklärte.

Es war Anfang Januar, als die Keilzinkanlage, in der aus Kanthölzern in mehreren Arbeitsschritten stabile Balken oder Platten hergestellt werden, einen Fehler meldete – nicht der erste, den der 24-Jährige, der an diesem Tag die Maschine bediente, beheben musste. Anstatt jedoch die Anlage herunterzufahren, stellte der gelernte Kfz-Mechaniker auf manuelle Steuerung und begab sich bei laufendem Betrieb in das Innere der Anlage. Keine Ausnahme, wie der 24-Jährige als Zeuge vor Gericht versicherte. „Das wurde als üblich hingenommen. Wenn man die Maschine jedes Mal heruntergefahren hätte, wäre es auch schwierig geworden, die geforderte Menge an Holz zu bearbeiten.“ Er habe sich daher unter Druck gefühlt. „Wenn wir mal die Maschine abgeschaltete haben, war auch gleich der Chef da und hat gefragt, was denn los sei.“ Seit er im September den Job angetreten hatte sei er 15 bis 20 Mal sei er bei laufendem Betrieb in die Anlage gegangen, um feststeckende Bretter zu lösen oder durch Leim verdreckte Lichtschranken zu reparieren. Beim letzten Mal aber ging etwas schief. Als der 24-Jährige das Holz gelöst hatte, geriet er mit seinem Pulli in die Absaugeinrichtung der Fräse. Sekundenbruchteile später klaffte eine riesige Wunde in seinem Bauch. Mit letzter Kraft rettete sich der schwer Verletzte nach draußen und rief um Hilfe. Der Angeklagte, der zufällig in der Nähe war, reagierte geistesgegenwärtig, alarmierte die Rettungskräfte und versorgte den Verwundeten. Vier Monate verbrachte der junge Mann daraufhin im Unfallklinikum Murnau. In einer 30-stündigen Operation verpflanzten ihm die Ärzte unter anderem einen Rückenmuskel als Ersatz für die zerstörte Bauch­muskulatur. Noch heute leide er unter den Nachwirkungen des Unfalls, erklärte der Kfz-Mechaniker, dem bereits die nächste OP bevorsteht. Dass der 24-Jährige überhaupt bei laufendem Betrieb in die Anlage hatte gehen können, lag laut Gericht an einem „demontierten Sicherheitsschalter“ an einer der vier Zugangstüren. An dieser sei die Vorrichtung, die dafür sorgen sollte, dass sich die Anlage automatisch beim Öffnen der Tür abschaltet, außer Funktion gesetzt worden. Dies sei allgemein bekannt gewesen, beteuerte der angeklagte Produktionsleiter. Er habe dies auch nicht als vorschriftswidrig empfunden, da dies bereits so gewesen sei, als er in der Firma angefangen habe. Auf die Frage der Richterin, warum man die Sicherheitsfunktion entfernt hatte, entgegnete der Angeklagte, man habe so leichter die Fehlerursache entdecken können. „Viele Fehler sind von außen nicht zu sehen gewesen. Dazu musste man einen Blick hineinwerfen.“ Beheben sollte man die Ursache allerdings von außen oder nach dem Abschalten der Maschine, sagte der Angeklagte. Dies habe auch der Verunglückte gewusst. Warum der Zustand des überbrückten Sicherheitsschalters keinem der externen Kontrolleure aufgefallen war, die Jahr für Jahr die Sicherheit in der Firma überprüften, wunderte nicht nur den ermittelnden Beamten der Kriminalpolizei, der als Zeuge aussagte. Nicht nur für Verteidiger Joachim Feller, sondern auch für Richterin Beate Kreller blieben einige Fragen offen, die nun die Staatsanwaltschaft in weiteren Ermittlungen klären soll. Den Angeklagten jedenfalls treffe wenn überhaupt nur eine kleine Schuld an dem unglücklichen Vorfall, so die Richterin. „Auch wenn die Folgen für den Verunglückten natürlich gravierend sind“.

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