Landwirte klagen:

Durchschnittliche Erträge und viele Sorgen in der Landwirtschaft

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Fachkundige Blicke: BBV-Präsident Walter Heidl, Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber und BBV-Getreidepräsident Hermann Greif (von links) bei der Erntepressefahrt.

Landkreis – Eine Rekordernte wird es nicht, eine Katastrophe auch nicht – die Getreidebauern im Landkreis Landsberg rechnen in diesem Jahr mit „durchschnittlichen Erträgen“. Obwohl Extrem-Hitze, Hagel und phasenweise zu viel Regen den Kulturen zu schaffen machten, sind die Landwirte der Region besser dran als die Kollegen in Nord-Bayern. Dort hat es viel zu wenig geregnet, die Böden sind ausgetrocknet. „Es sind zwei Welten“, sagte der aus Franken stammende Hermann Greif, Getreidepräsident des Bayerischen Bauern­verbands (BBV), bei der diesjährigen Erntepressefahrt. „Die Erträge im Süden schauen vernünftig aus.“

Ein deutlich größerer Tross an Bauern- und Medienvertretern als sonst startete heuer vom Betrieb des Kreisbauernobmanns Johann Drexl zur Rundfahrt über die Felder. Denn die Erntepressefahrt wurde diesmal gemeinsam mit dem Bayerischen Landwirtschaftsministerium veranstaltet. Auch Ministerin Michaela Kaniber und Bauernpräsident Walter Heidl nahmen am Feldbegang teil. Sie sahen die konventionell bewirtschafteten Flächen von Johann Schamberger aus Prittriching und die ökologischen von Johann Drexl, der vor fast 20 Jahren seinen Kauferinger Betrieb auf Bio-Landwirtschaft umgestellt hat.

Drexl und sein Sohn bauen auf 115 Hektar unter anderem Dinkel, Hafer, Roggen, Zuckerrüben und Sojabohnen an. Dass Letztere in diesen Breiten gedeihen, ist bereits eine Auswirkung des Klimawandels. „Vor Jahren hätte man sich nicht vorstellen können, dass man auf dieser Höhe mal Sojabohnen anbauen kann“, sagte Drexl.

Bayernweit ist nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums der Anbau von Eiweißpflanzen gestiegen. Bei der Sojabohne hat sich die Fläche auf über 15.000 Hektar ausgedehnt. Dass damit die Abhängigkeit von Importen aus Übersee zurückgeht, begrüßte Landwirtschaftsministerin Kaniber.

Ein weniger erfreulicher Trend ist der Rückgang des Rapsanbaus um 28 Prozent. Aufgrund des extrem trockenen Jahres 2018 konnte Winterraps vielerorts gar nicht erst ausgesät werden – oder die Flächen mussten nach erfolglosem Anbau wieder umgebrochen werden. Das ist in doppelter Hinsicht bitter, denn Raps ist eine wichtige Trachtpflanze für Bienen und ein wertvoller Lieferant für Speiseöl und heimisches Eiweißfutter.

Zwei Hektar Blühfläche

Die Bauern befinden sich seit dem Volksbegehren zum Artenschutz mehr denn je im Spannungsfeld zwischen politischen Vorgaben und Verbraucherverhalten. Sowohl BBV-Präsident Heidl als auch Kreisobmann Drexl äußerten sich besorgt über eine weitere Verschärfung der Düngemittelverordnung. Die darin verborgenen Zielkonflikte – einerseits immer strengere Standards im Inland, andererseits Billigimporte aus Ländern, die von vergleichbaren Standards weit entfernt sind – gelte es noch auszumerzen.

Auch vermissen die Landwirte die öffentliche Wertschätzung für die Anstrengungen, die sie in Sachen Arten- und Klimaschutz bereits unternehmen. „Blühende Rahmen“ um die Felder werden laut Heidl bereits seit 2011 angelegt. Drexl kann heuer zwei Hektar Blühflächen vorweisen. „Daran verdiene ich gar nichts, das mache ich einfach für die Umwelt.“

Dass jeder Verbraucher durch sein Einkaufsverhalten über die Zukunft der Landwirtschaft mit­entscheidet, steht außer Frage. „Regional erzeugte Produkte werden immer etwas teurer sein als Billigimporte“, so der Bauernpräsident. Bio-Bauer Drexl beobachtet die aktuelle Umstellungswelle von konventioneller auf ökologische Landwirtschaft sogar mit einiger Sorge, denn bereits jetzt herrsche auf dem Markt für Bio-Produkte ein gewisser Preisdruck.

Ulrike Osman

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